Bester Zeitpunkt für den HPV-Schutz ist „vor dem ersten Mal“
Humane Papillomviren (HPV) sind weltweit verbreitet, werden meist über sexuellen Kontakt übertragen und gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Sie können Genitalwarzen oder Krebsvorstufen verursachen. Damit ein hoch wirksamer Impfschutz möglich ist, soll die HPV-Impfung idealerweise vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren ist die HPV-Impfung empfohlen.
Anlässlich des Welt-HPV-Tages am 4. März 2026 machen die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und die Deutsche STI Gesellschaft (DSTIG) auf die weitverbreiteten Feigwarzen aufmerksam und rufen zur HPV-Impfung auf, die nicht nur vor Gebärmutterhals-, Analkrebs und Krebs im Rachenbereich schützt, sondern auch vor den unangenehmen Warzen im Intimbereich.
Wenn es um HPV und die HPV-Impfung geht, sprechen Ärztinnen und Ärzte häufig vor allem über Krebsvorstufen, die bei Männern und Frauen zu HPV-assoziierten Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs, Vulva-, Vaginal- und Analkarzinom, Peniskarzinom und Kopf- und Halstumoren führen. „Über den Schutz vor HPV-Typen zu sprechen, von denen man sicher weiß, dass sie krebserregend sind, ist wichtig. Aber die Viren sind darüber hinaus auch für die Entstehung von Warzen wie den Genitalwarzen verantwortlich“, sagt Prof. Norbert Brockmeyer, Dermatologe und Präsident der Deutschen STI Gesellschaft (DSTIG). Letztere sind auch unter dem Namen Feigwarzen (medizinisch Condylomata acuminata) bekannt und gelten als die häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten weltweit. 90% der Genitalwarzen werden von den Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11 verursacht, andere HPV-Typen sind dagegen mit den genannten Krebserkrankungen assoziiert. Von Feigwarzen sind beide Geschlechter betroffen. Die Übertragung des hochansteckenden Erregers läuft über den Haut-zu-Haut-Kontakt im Genital- oder Rachenbereich. „Kondome bieten nur einen begrenzten Schutz, da die Viren auch über infizierte Hautareale außerhalb des Kondoms übertragen werden können“, erklärt Brockmeyer.
Da es keine Meldepflicht gibt, werden keine routinemäßigen Daten zur HPV-Krankheitslast in Deutschland erhoben. Folgt man europäischen Daten, lässt sich sagen, dass bei etwa 1-2% aller sexuell aktiven Erwachsenen zwischen dem 15. und 49. Lebensjahr Feigwarzen nachgewiesen werden können. Wenn die schwer erkennbaren subklinischen Verläufe mit einbezogen werden, erhöht sich der Anteil auf bis zu 5%.
Nicht gefährlich, aber langwierig in der Behandlung
Wie bei allen anderen Warzen gibt es auch bei den Feigwarzen eine Selbstheilungsrate, die Expertinnen und Experten zufolge zwischen 25-67% liegt. Wenn Genitalwarzen nicht von allein verschwinden, ist eine Therapie nötig. Die Behandlung von Genitalwarzen ist oft langwierig und kann für die Patientinnen und Patienten belastend sein. Neben der Kryotherapie (die Genitalwarze wird mittels flüssigen Stickstoffs entfernt), der Laserablation (durch energiereiche Laserimpulse wird das betroffene Gewebe verdampft) oder chirurgischen Maßnahmen gibt es neuere Medikamente wie Imiquimod, die immunmodulatorisch wirken. „Eine Therapie mit einem solchen Lokaltherapeutikum ist gut wirksam, erfordert aber Geduld und einen langen Atem: Über viele Wochen muss die Creme mehrmals pro Woche aufgetragen werden“, erklärt Professor Dr. med. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal und Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Die Abheilungsrate bei der Therapie mit Imiquimod beträgt zwischen 16 und 50%, weshalb die Therapieoptionen oft kombiniert werden.
Prävention von Feigwarzen durch HPV-Impfung: Zahlen aus Schweden
Gegen HPV wird in Deutschland seit 20 Jahren geimpft. „Das Hauptaugenmerk wurde zunächst auf die krebserregenden HPV-Typen gelegt. Das ist sinnvoll und hat ganz erheblich zu einem Rückgang HPV-assoziierter Krebserkrankungen geführt“, sagt Brockmeyer. Erfreulich sei, dass einer der beiden zur Verfügung stehenden Impfstoffe (Gardasil9) auch gegen die Typen 6 und 11 immunisiert, die für die Ausbildung der meisten Feigwarzen verantwortlich sind.
Wie sich die HPV-Impfung auf die Inzidenz von Genitalwarzen auswirkt, konnte eine schwedische Untersuchung (Astorga et al. 2025) zeigen. Das skandinavische Land hatte 2006 die HPV-Impfung eingeführt. Untersucht wurde basierend auf schwedischen Registerdaten der Inzidenztrend von Genitalwarzen bei Frauen und Männern im Alter von 15 bis 44 Jahren im Zusammenhang mit den HPV-Impfprogrammen von 2006 bis 2018 in Schweden. Verglichen wurden die untersuchten Kohorten im Vergleich zu einer Kohorte vor Einführung der Impfung. Die Neuerkrankungsrate von Genitalwarzen ging nach Einführung der HPV-Impfung zurück. Ein Effekt, der sich im Laufe der Zeit durch den Anstieg der HPV-Impfquote verstärkte. Dieser Trend wurde besonders bei Frauen unter 30 Jahren deutlich, die im Kindes- und Jugendalter Zugang zu HPV-Impfprogrammen hatten.
Ein Jahrzehnt nach der Einführung der Impfung (2016-2018) verringerte sich die Inzidenz in den Frauenaltersgruppen wie folgt: 89% bei den 15- bis 19-Jährigen, 73% bei den 20- bis 24-Jährigen, 50% bei den 25- bis 29-Jährigen und 20% bei den 30- bis 34-Jährigen. Bei den untersuchten Männern wurden ähnliche Muster beobachtet, aber in einem geringeren Maß. Zurückzuführen sind diese Effekte vermutlich auf eine Herdenprotektion, da die Impfung für Jungen/Männer in Schweden erst 2020 eingeführt wurde.
Die aktuelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut sieht vor, alle Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren gegen HPV zu impfen. „Studien zeigen, dass die höchste Wirksamkeit dann besteht, wenn die Impflinge bei der Impfung HPV-naiv sind“, sagt Brockmeyer. Jungen und Mädchen sollen also noch vor dem ersten sexuellen Kontakt geimpft werden.
Seit 2007 gibt es eine Impfempfehlung für die HPV-Impfung in Deutschland. Erst für Mädchen, dann seit 2018 auch für Jungen. Aber die Impfquote ist hierzulande immer noch niedrig. In Deutschland ist nur die Hälfte der Mädchen und etwa ein Drittel der Jungen vollständig gegen HPV geimpft. „Das ist für ein mitteleuropäisches Land absolut unbefriedigend. Unsere europäischen Nachbarn wie Portugal, Norwegen, Spanien oder Malta sind uns da weit voraus und haben Impfraten zwischen 80 und 95% (Osmani et al. 2021). Wir sollten deren Konzepte wie beispielsweise schulbasierte Impfprogramme übernehmen“, fordert Brockmeyer.
„Jeder Arztbesuch ist eine Gelegenheit für eine HPV-Impfung. Auch wir Dermatologinnen und Dermatologen können die Impfung verabreichen und helfen, einen guten Schutz vor dieser STI zu bieten“, sagt DDG-Mediensprecherin Hofmann. DDG und DSTIG rufen anlässlich des Welt-HPV-Tages gemeinsam zur HPV-Impfung auf.
Literatur:
Osmani V, Klug SJ. HPV-Impfung zur Prävention von Genitalwarzen und Krebsvorstufen – Evidenzlage und Bewertung. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2021 May;64(5):590-599. German. doi: 10.1007/s00103-021-03316-x.
Astorga Alsina AM, Herweijer E, Lei J. Population-Level Impact of Human Papillomavirus Vaccination on the Incidence of Genital Warts in Sweden. J Infect Dis. 2025 Jul 30;232(1):e54-e63. doi: 10.1093/infdis/jiaf052.
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Zum Welt-HPV-Tag am 4. März 2026:
Der Welt-HPV-Tag (International HPV Awareness Day) wurde 2018 von der Internationalen Papillomavirus-Gesellschaft (IPVS) ins Leben gerufen und findet jedes Jahr am 4. März statt. Er bietet Organisationen die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf HPV zu lenken, das öffentliche Verständnis und Bewusstsein zu verbessern und zur Prävention aller durch das Virus verursachten Krebsarten beizutragen.
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Kontakt:
Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)
Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit:
Prof. Dr. med. Silke Hofmann
Ansprechpartnerin Pressestelle:
Dagmar Arnold
- Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit -
Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin
Tel.: +49 30 246 253-35
E-Mail: d.arnold@derma.de
https://www.derma.de Webseite der DDG
https://www.derma-tagungen.de Tagungswebseite der DDG
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
Deutsch

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