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25.02.2026 13:01

Kapazitäten stärken – ein wirksamer Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit zur Ernährungssicherung?

Jelana Vajen Kommunikation und Publikationen
Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit, DEval

    Wie wirksam kann die Entwicklungszusammenarbeit die Ernährung von Menschen sichern, die von Hunger und Ernährungskrisen betroffen oder bedroht sind? Dies untersuchte das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) im Rahmen einer Synthesestudie zu Maßnahmen international geförderter Entwicklungszusammenarbeit in Subsahara-Afrika. Das Ergebnis: Wissensvermittlung und Kapazitätsstärkung wirken sich positiv auf die Ernährungssicherheit aus. Besonders marginalisierte Bevölkerungsgruppen profitieren jedoch nur von diesen Maßnahmen, wenn sie über die notwendigen Ressourcen und Rechte verfügen, um das Gelernte anzuwenden.

    Die Überwindung von Hunger und Armut bleibt ein zentrales Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Dies bestätigt das kürzlich vorgestellte Reformkonzept des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das Ministerium gibt etwa 20 Prozent seiner Mittel für Ernährungssicherung, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung aus und legt zukünftig einen noch stärkeren Fokus auf Subsahara-Afrika.

    Entwicklungspolitik will erneute Zunahme von Hunger stoppen

    Der Klimawandel, Preissteigerungen als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sowie die Auswirkungen der COVID-Pandemie gefährden massiv die Erfolge, die in den letzten Jahrzehnten bei der Bekämpfung von Hunger und Unterernährung erzielt wurden. In einigen Teilen Afrikas hungern wieder mehr Menschen und die Ernährungskrisen nehmen zu. Waren im Jahr 2015 45 Prozent der Bevölkerung in Afrika von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen, stieg ihr Anteil bis 2024 auf 59 Prozent.

    DEval bietet wichtige Entscheidungsgrundlage

    Wissen zu vermitteln und Kapazitäten zu stärken, sind wichtige Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit, weil sie die Handlungskompetenz der Menschen so erweitern, dass diese ihre Ernährung besser sichern können. In einer Synthesestudie zur international vorliegenden Evidenz betrachtete das DEval die Wirksamkeit von Maßnahmen der Wissensvermittlung und Kapazitätsentwicklung entlang landwirtschaftlicher Lieferketten und für lokale Konsument*innen.
    Die Studie ist die erste ihrer Art, denn sie stellt die Wirkungen einer Vielzahl entwicklungspolitischer Maßnahmen auf alle sechs Dimensionen der Ernährungssicherung dar: (i) Verfügbarkeit von Nahrung, (ii) Nutzung von Nahrung, (iii) Zugang zu Nahrung, (iv) Stabilität der Ernährungssysteme, (v) Nachhaltigkeit der Ernährungssysteme sowie (vi) Handlungskompetenz der Menschen vor Ort. Sie zeigt auf, welche Maßnahmentypen sich als wirksam erwiesen haben.

    Ergebnisse: Maßnahmen sollten kombiniert werden

    Maßnahmen der Wissensvermittlung und Kapazitätsstärkung beeinflussen die verschiedenen Dimensionen der Ernährungssicherheit positiv, so die Kernbotschaft der Studie. Allerdings stellte das DEval auch fest, dass kein Maßnahmentyp in allen sechs Dimensionen der Ernährungssicherung wirkt. Die Synthesestudie zeigt auf, durch welche Maßnahmen Erfolge in welcher Dimension erzielt werden können. Sie kann so staatliche und zivilgesellschaftliche Entwicklungsakteure weltweit bei der Planung von Maßnahmenkombinationen unterstützen und ihnen eine wichtige Entscheidungsgrundlage bieten.

    Zum Beispiel eignen sich entlang von Agrarlieferketten Maßnahmen der Beratung von landwirtschaftlichen Akteuren zu klimaangepassten Anbauweisen, um den Zugang zu Nahrung zu verbessern und deren Verfügbarkeit zu erhöhen. Bei Gemeindeversammlungen kann den Teilnehmenden ernährungsbezogenes Wissen vermittelt werden, um die Diversität der Ernährung in ihren Haushalten zu fördern. Das zusätzliche Wissen kann auch ihre Handlungskompetenz erhöhen, ernährungsrelevante Entscheidungen zu treffen. Das DEval folgerte, dass die Kombination von Maßnahmen die Wirksamkeit auf die Ernährungssicherheit erhöhen kann.

    Zudem ist eine Kombination von Maßnahmen unerlässlich, um besonders marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Studienleiterin Dr. Cornelia Römling unterstreicht: „Es zeigte sich, dass besonders vulnerable Gruppen wie Frauen, Kinder oder Indigene oft nicht von einer einzelnen kapazitätsstärkenden Maßnahme profitieren können. Ihnen fehlen häufig Ressourcen wie Geld oder Maschinen, um das Gelernte umsetzen zu können.“ Darüber hinaus haben sie oftmals keine oder nur eingeschränkte Besitz- oder Nutzungsrechte an Land, um Nahrung anzubauen. Dies spreche dafür, so Römling, Maßnahmenpakete zu schnüren und etwa Wissensvermittlung mit der Vergabe von Saatgut oder Bargeldtransfers oder der Beratung zu Landrechten zu kombinieren.

    Ausblick: Ernährungssicherung und Multilateralismus

    Das DEval plant, 2026 die Wirksamkeit der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Ernährungssicherung zu evaluieren. Damit vertieft es gleichzeitig zwei laut Reformplan des BMZ prioritäre Themen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit: Multilateralismus und die Bekämpfung von Hunger. Auf diese Weise wird das DEval auch zukünftig für die evidenzbasierte Politikgestaltung des BMZ wichtige Erkenntnisse zur Ernährungssicherung generieren.

    Über die Studie

    Das DEval trug in der Synthesestudie mit dem Fokus auf Subsahara-Afrika Erkenntnisse von über 50 internationalen wissenschaftlichen Wirkungsevaluierungen zusammen und wertete diese aus. Die Langfassung der Studie mit dem Titel „The Effects of Capacity Strengthening Interventions on Food Security and Nutrition“ ist in englischer Sprache auf der Website des DEval veröffentlicht. Die deutschsprachige Zusammenfassung „Wirkungen von kapazitätsstärkenden Maßnahmen auf die Ernährungssicherheit“ ist ebenfalls auf der DEval-Website verfügbar.

    Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unabhängig und nachvollziehbar zu analysieren und zu bewerten. Mit seinen strategischen und wissenschaftlich fundierten Evaluierungen trägt das Institut dazu bei, die Entscheidungsgrundlage für eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes zu verbessern und Ergebnisse der Entwicklungszusammenarbeit transparenter zu machen. Das Institut gehört zu den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und wird von Prof. Dr. Jörg Faust geleitet.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Cornelia Römling, Anna Sting
    Teamleitung
    Nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung
    Tel.: +49 228 33 69 70-996
    E-Mail: cornelia.roemling@DEval.org


    Originalpublikation:

    https://www.deval.org/de/publikationen/capacity-strengthening-interventions-on-f...


    Weitere Informationen:

    https://www.deval.org/fileadmin/Redaktion/PDF/05-Publikationen/Berichte/2025_Foo... Deutschsprachige Zusammenfassung
    https://www.deval.org/de/evaluierungen/laufende-und-abgeschlossene-evaluierungen... Über die Studie


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Politik, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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