Deutsche Krebshilfe stellt neues Projekt zu geschlechtersensibler Medizin vor
Brauchen Frauen und Männer mit Darmkrebs unterschiedliche Therapien? Forschende des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT)/Universitäts KrebsCentrums (UCC) in Dresden gehen nun dieser bislang kaum beachteten Frage nach. Denn Darmkrebs ist nicht nur eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Er verläuft bei Frauen und Männern oft unterschiedlich, wird teils später erkannt und führt zu verschiedenen Nebenwirkungen bei der Behandlung.
Die Dresdner untersuchen, welche molekularen Unterschiede zwischen den Geschlechtern die Tumoreigenschaften beeinflussen. Die Ergebnisse könnten den Weg zu passgenaueren, verträglicheren Therapien ebnen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über drei Jahre mit insgesamt 306.700 Euro.
Rund 25.000 Frauen und 30.250 Männer erhalten in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Darmkrebs. Neben der Häufigkeit unterscheiden sich auch die Art der Erkrankung und die Nebenwirkungen der Therapie zwischen den Geschlechtern. So bekommen Frauen beispielsweise häufiger Tumoren auf der rechten Körperseite, die weniger auffällig und daher oft erst in späteren Stadien diagnostiziert werden als Tumoren auf der linken Seite. Außerdem bauen Frauen aufgrund ihres Stoffwechsels die Medikamente langsamer ab, wodurch sie beispielsweise eher an Müdigkeit, Durchfall und Übelkeit leiden als Männer. Doch welche molekularen Ursachen stecken hinter diesen klinischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern?
Darmkrebs: (K)Eine Frage des Geschlechts?
Dr. Alexander Wurm, Leiter des geförderten Forschungsprojekts CRC-EXPOSED (Exploring of Sex Disparities on the Molecular Level in Colorectal Cancer), konnte in vorangegangenen Studien bereits zeigen, dass Darmkrebszellen unterschiedliche molekulare Eigenschaften aufweisen, die das Wachstum des Tumors beeinflussen – je nachdem, ob die Zellen von einem Mann oder einer Frau stammten. Nun will sein Forschungsteam einen Schritt weitergehen: In speziellen Darmkrebsmodellen untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche Gene für bestimmte Eigenschaften des Tumors wichtig sind. „Wir nutzen dafür einen Ansatz, mit dem wir einzelne Gene in den Zellen ausschalten können. Dann schauen wir uns an, ob sich die Zellen dadurch anders verhalten, als wenn das Gen aktiv ist – beispielsweise, ob die Krebszellen schneller oder langsamer wachsen. So können wir Rückschlüsse ziehen, welche Funktionen die einzelnen Gene haben“, erklärt Dr. Wurm. „Das Ziel ist, herauszufinden, ob es Gene gibt, die eben nur bei Frauen oder nur bei Männern die Eigenschaften des Tumors beeinflussen. Diese könnten als Angriffspunkte für geschlechtersensible Krebstherapien dienen.“
Der Projektleiter betont: „In medizinischen Studien und präklinischen Modellen sind Frauen häufig unterrepräsentiert. Dadurch eignen sich jedoch möglicherweise einige der in Therapiestudien geprüften Medikamente nicht gleichermaßen für beide Geschlechter. Unser Projekt soll insbesondere in Hinblick auf personalisierte Therapien bei Darmkrebs beleuchten, inwiefern dem biologischen Geschlecht in präklinischen und klinischen Studien in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden kann.“
Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe: „Mit CRC-EXPOSED fördert die Deutsche Krebshilfe ein hochrelevantes Forschungsvorhaben, das eine zentrale Frage der modernen Krebsmedizin adressiert: Wie können wir die Heilungschancen für Frauen und Männer gleichermaßen verbessern? Personalisierte Therapien können ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn biologische Unterschiede systematisch berücksichtigt werden. Das Projekt legt dafür eine entscheidende wissenschaftliche Grundlage und trägt dazu bei, dass Fortschritte in der Darmkrebstherapie allen Patientinnen und Patienten zugutekommen – unabhängig vom Geschlecht.“
Darmkrebs: Frauen und Männer erkranken unterschiedlich
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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