Die amerikanische Leducq Foundation unterstützt die Herzmuskelforschung von Stefan Raunser, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, mit 8 Millionen Euro. Unter seiner Leitung wird ein Team aus europäischen KollegInnen vom King‘s College in London und vom Institut Curie in Paris sowie amerikanischen MedizinerInnen die molekularen Ursachen von Herzkrankheiten und die Wirkung neuartiger Medikamente untersuchen - mit dem Ziel, die Therapie für Betroffene zu verbessern.
Kardiomyopathien führen zu einer Schwächung des Herzmuskels und gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität. Ihre hypertrophe (HCM) und dilatative (DCM) Form sind genetisch bedingt: Bei der HCM verdicken und bei der DCM erschlaffen die Herzmuskelwände. Beide Extreme beeinträchtigen die Pumpfähigkeit des Herzens und führen zu einer Vielzahl von Symptomen: anhaltende Müdigkeit, geschwollene Beine, Atemnot, Brustschmerzen und gelegentliche Ohnmachtsanfälle. Komplikationen können Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und in schweren Fällen ein plötzlicher Herztod sein.
Forschungskonsortium mit umfassendem Werkzeugkasten
„Der Herzmuskel ist der zentrale Motor des menschlichen Körpers. Natürlich ist es einfacher, einen defekten Motor zu reparieren, wenn man weiß, wie er aufgebaut ist und wie er funktioniert“, sagt Raunser. „Unser Team aus Strukturbiologen und klinischen Kardiologen verfügt über sich hervorragend ergänzende Expertisen sowie einen umfassenden Werkzeugkasten, um genau das herauszufinden.“
Dazu will das Team untersuchen, wie Mutationen in bestimmten Herzmuskelproteinen die Muskelfunktion beeinträchtigen. Diese Mutationen sind für ca. 40-50 % der HCM und mindestens 10-20 % der familiären DCM verantwortlich. Betroffen sind vor allem Proteine im Sarkomer - der kleinsten funktionellen Einheit des Herzmuskels. Milliarden dieser molekularen Motoren treiben das Herz gemeinsam an.
Stefan Raunser ist einer der weltweit führenden Experten für Sarkomere. Sein Dortmunder Team hat erstmals die 3D Struktur des Sarkomers in Maus-Herzmuskelzellen hochaufgelöst dargestellt und gezeigt, wie die beteiligten Muskelproteine miteinander interagieren - einschließlich der bei Kardiomyopathien betroffenen Proteine. Nun will er zusammen mit seinen amerikanischen und europäischen KollegInnen einen Schritt weitergehen und aufdecken, wie krankhaft veränderte Proteinvarianten das Sarkomer und damit die Pumpleistung des Herzens beeinflussen - und das in Herzmuskelproben erkrankter PatientInnen.
Warum Herzen versagen und wie man sie reparieren kann
Frühere Behandlungsstrategien für Myopathien beschränkten sich auf die Senkung der Nachlast (also die damit verbundene Entlastung des Herzens) und die neurohormonale Stimulation. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe, die die Funktion sarkomerischer Proteine direkt modulieren, eröffnet seit kurzem völlig neue Behandlungsmöglichkeiten. Erste Hinweise darauf, wie diese Substanzen wirken, hat das Forschungsnetzwerk bereits gewonnen. Nun wollen die Forschenden im Detail verstehen, wie diese Wirkstoffe die Struktur, Funktion und Physiologie des Sarkomers beeinflussen.
„Unsere hochmodernen Experimente reichen von Untersuchungen mit ultrahoher Auflösung bis hin zu funktionellen Studien an einzelnen Zellen und am intakten Herzen. All dies dient dem Ziel, besser zu verstehen, warum Herzen versagen und wie man sie am effektivsten reparieren kann. Gemeinsam werden wir die Wirkmechanismen und Auswirkungen verschiedener Medikamente identifizieren, um letztendlich die Therapie für Betroffene zu optimieren.“
Über die Leducq Foundation
Die Leducq-Stiftung ist eine internationale Förderorganisation mit dem Ziel, die menschliche Gesundheit durch internationale Bemühungen zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen zu verbessern. Der Aufbau wissenschaftlicher Allianzen, die über nationale Grenzen hinausgehen, und die Ausbildung junger, international erfolgreicher Forschende, soll die Entwicklung langfristiger Kooperationsbeziehungen fördern und Innovationen in der Herz-Kreislauf- und Schlaganfallforschung vorantreiben. So soll die Art und Weise verändert werden, wie Patienten mit Herz-Kreislauf- und neurovaskulären Erkrankungen diagnostiziert und behandelt werden.
https://www.mpi-dortmund.mpg.de/aktuelles/leducq-foundation-herzkrankheiten
Mitglieder des Forschungskonsortiums von links nach rechts: Stefan Raunser, Anne Houdusse-Juillé, Ke ...
Quelle: MPI für molekulare Physiologie
Copyright: MPI of Molecular Physiology
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Biologie, Medizin
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

Mitglieder des Forschungskonsortiums von links nach rechts: Stefan Raunser, Anne Houdusse-Juillé, Ke ...
Quelle: MPI für molekulare Physiologie
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