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04.03.2026 09:34

Universität Tübingen beruft Professorin für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung

Tilman Wörtz Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Friederike Lorenz-Sinai beginnt am 1. März am neu eingerichteten Lehrstuhl – Alle vier Pro-fessuren am Institut für Rechtsextremismusforschung damit besetzt

    Friederike Lorenz-Sinai wurde zum 1. März von der Universität Tübingen auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät berufen. Sie wird am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) zum Umgang mit Gewalt- und Diskriminierungsphänomenen in regionaler und internationaler Ausrichtung forschen und lehren. Auch der Transfer von Forschungsergebnissen zu Organisationen der Zivilgesellschaft gehört dazu.

    Friederike Lorenz-Sinai hat ihr Berufsleben als Erzieherin und Sozialarbeiterin begonnen und dann Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg studiert. Für die Gedenkstätte Bergen-Belsen arbeitete sie als freie Mitarbeiterin in der pädagogischen Abteilung. Ihre Promotion über institutionelle Schweigepraktiken im Kontext von Gewalt gegen Kinder mit Beeinträchtigung schloss sie 2019 an der Bergischen Universität Wuppertal mit summa cum laude ab. Sie war an verschiedenen Universitäten und Hochschulen tätig, unter anderem an der Hebrew University of Jerusalem und der Freien Universität Berlin. Sie hat dort Gefühlserbschaften und Bildungsprozesse von Lehrkräften zur Shoah und die Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt in Orga-nisationen untersucht. Seit 2021 hatte sie die Professur für Methoden der Sozialen Arbeit und Sozialarbeitsforschung an der Fachhochschule Potsdam inne.

    Gemeinsam mit Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung erstellt sie seit 2018 die Studienreihe „Antisemitismus im Kontext Schule“. Zudem forschen die beiden Wissenschaftlerinnen zum institutionellen Umgang mit Antisemitismus in der Gedenkstättenpädagogik und der Polizei, zu Antisemitismus im Kontext Hochschule und in Kindertagesstätten sowie zu den Auswirkungen des 7. Oktobers 2023 auf jüdische und israelische Communi-ties in Deutschland.

    Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte: „Mit der Berufung von Friederike Lorenz-Sinai auf die Professur für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung sind jetzt alle Lehrstühle am IRex besetzt. Die vom Land gegründete und bundesweit einzigartige Forschungsstelle stellt sicher, dass das Thema Rechtsextremismus dauerhaft und systematisch erforscht und bearbeitet wird. Antisemitismus ist ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Die meisten antisemitisch motivierten Vorfälle werden durch Rechtsextreme begangen. Deshalb ist es die Verantwortung von Staat, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, Antisemitismus konsequent zu erforschen, sichtbar zu machen und entschieden zu bekämpfen. Mit der Finanzierung dieses Lehrstuhls setzen wir ein klares Zeichen: Wir nehmen die Herausforderung ernst und investieren in Wissen, Aufklärung und Prävention. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst. Deshalb haben wir und entschieden, die Finanzierung auch dieser Professur für die ersten zehn Jahre zu übernehmen.“

    „Die Universität Tübingen möchte ihre Arbeit zur Erforschung des Antisemitismus noch verstärken – angefangen von Bildungskontexten bis hin zu Einbettungen in Gesellschaft und Staat. Der neue Lehrstuhl wird diesem hochaktuellen Thema gerade auch in seinen zeitgenössischen Ausformungen wissenschaftliche Aufmerksamkeit widmen“, sagte Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.

    Im Mai 2023 wurde an der Universität Tübingen das IRex gegründet und an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt. Mit vier Professuren zur Rechtsextremismusforschung und seiner strukturellen Verankerung ist das Institut bundesweit einzigartig. Die Einrichtung durch das Land Baden-Württemberg ging auf eine Handlungsempfehlung des zweiten baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschusses zurück.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    PD Dr. Rolf Frankenberger
    Universität Tübingen
    Geschäftsführer Forschung IRex
    rolf.frankenberger[at]uni-tuebingen.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Politik
    überregional
    Personalia, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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