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05.03.2026 07:12

Neues UMG-Gerät erkennt kleinste Metastasen für verbesserte Krebsdiagnostik

Lena Bösch Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

    Forschende des Instituts für Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Gerät entwickelt und zum Patent angemeldet, das die Entnahme von Lymphknoten aus dem Fettgewebe von Krebspatient*innen erheblich erleichtert. Dies verspricht eine noch genauere Diagnostik und gezieltere Therapieauswahl für den bestmöglichen Behandlungserfolg. Der Schutz innovativer Erfindungen ist ein Kernelement der Transferstrategie der UMG, um neue diagnostische Verfahren und Therapien in die klinische Anwendung zu bringen – zum Wohle von Patient*innen weltweit.

    Eine der größten Herausforderungen in der modernen Medizin ist es, jeder*m Krebspatient*in eine effektive und individuelle Therapie zukommen zu lassen, insbesondere bei komplexen Fällen wie Darmkrebs. Der Behandlungsansatz und die langfristige Prognose hängen dabei stark vom Stadium des Krebses ab, insbesondere davon, ob er sich bereits auf umliegende Lymphknoten ausgebreitet hat. Diese Lymphknoten fungieren als eine Art Grenzkontrolle des Immunsystems, indem sie die Lymphflüssigkeit aus dem Darm filtern. Wenn Krebszellen streuen, treten sie häufig zuerst in diesen Knoten auf. Das Vorhandensein oder Fehlen der Metastasen hat direkten Einfluss auf die Behandlungsentscheidungen: Patient*innen ohne Lymphknotenbefall haben häufig eine günstigere Prognose und benötigen gegebenenfalls auch keine Chemotherapie.

    Für eine genaue Beurteilung des Lymphknotenbefalls wird Krebspatient*innen während einer Operation Fettgewebe mit den darin enthaltenen Lymphknoten entnommen und anschließend in der Pathologie untersucht. Bisher erforderte die Aufbereitung dieses Gewebes ein hochkomplexes und arbeitsintensives manuelles Verfahren. Frühere Forschungen zeigen, dass die Fettzellen durch kontrollierten Druck aufbrechen können, während die Lymphknoten intakt bleiben und vollständig mikroskopisch untersucht werden können. Bislang haben viele Pathologielabore auf selbstgebaute provisorische Geräte zurückgegriffen, um die Untersuchung durchzuführen. Diese Lösungen haben sich jedoch als unzureichend erwiesen, um Lymphknoten zuverlässig und effizient vom umgebenden Fettgewebe zu trennen.

    Um diese Lücke zu schließen, hat Pedro Gebhardt Apalategui, Medizinstudent an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), nun ein elektromechanisches Verfahren entwickelt, das einen konstanten Druck auf das Gewebe ausübt, um so intakte Lymphknoten aus dem Fettgewebe herauszulösen. „Die Idee dafür kam mir bereits während meines Praktikums im Institut für Pathologie der UMG. Mit dem neuen Gerät werden die Fettzellen effektiv zerstört und das Probenvolumen optimal reduziert. Der Vorteil: Neben den Lymphknoten bleiben auch vermehrt kleinere Blut- und Lymphgefäße, Nerven und Immunzellen erhalten, aber auch Gewebe, in das sich bereits Krebszellen ausgebreitet haben sowie vernarbtes Gewebe, das bei chronischen Entzündungen entsteht“, sagt Gebhardt Apalategui. Die Abtrennung des Fettgewebes sowie ein guter Erhalt von Gefäßen und Gewebe ist wichtig für eine umfassende pathologische Untersuchung und einer daraus resultierenden Therapieentscheidung für die Patient*innen.

    Das Prinzip – kontrollierter Druck für ein optimales Ergebnis

    Prof. Dr. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, war an der Entwicklung des Geräts beteiligt. Er erklärt: „Der schonende Aufschluss ermöglicht es uns, auch kleinere Lymphknoten sicher aus dem Fettgewebe zu isolieren, welches vorher nur bedingt möglich war. Ich bin sehr beeindruckt, was Pedro Gebhardt Apalategui in seiner noch jungen Karriere bereits erreicht hat. Dieses Gerät wird maßgeblich dazu beitragen, die Diagnostik für viele Krebspatient*innen weiter zu verbessern.“

    Das Gerät wurde im Dezember 2025 in den USA zum Patent angemeldet und wird aktuell im Institut für Pathologie getestet. Perspektivisch soll es neben Darmkrebs, auch für die Diagnose von Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs einsetzbar sein.

    Technologietransfer als vierter Schwerpunkt der UMG

    Technologietransfer ist neben Forschung, Lehre und Krankenversorgung zur vierten Säule der UMG geworden. Ziel ist es, exzellente Wissenschaft in innovative Diagnoseverfahren, bahnbrechende Technologien und neue Medikamente zu überführen und möglichst schnell in die klinische Anwendung zu bringen. Patentanmeldungen sind ein wichtiger Schritt in diesem Prozess, da sie dazu beitragen, vielversprechende Erfindungen zu schützen und ihre Weiterentwicklung zu ermöglichen.

    „Exzellente Wissenschaft und akademische Forschung sind die Grundlage des medizinischen Fortschritts“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Dekan der Medizinischen Fakultät der UMG. „An der UMG ermutigen wir unsere Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen, sich frühzeitig mit Translation auseinanderzusetzen, damit ihre Entdeckungen letztendlich den Patient*innen zugutekommen und die Versorgung verbessern.“

    Ausbildung der nächsten Generation

    Die Stabsstelle Technologietransfer spielt eine zentrale Rolle bei der Identifizierung vielversprechender Erfindungen, und unterstützt beim gesamten Prozess – vom Schutz des geistigen Eigentums, das Finden von Kooperationspartner*innen und der Lizenzierung bis hin zur praktischen Anwendung und der Unternehmensgründung. Darüber hinaus bietet die Stabsstelle Schulungs- und Informationsveranstaltungen an, um junge Wissenschaftler*innen mit den notwendigen Werkzeugen auszustatten und Innovationen in die Praxis umzusetzen.

    „Es ist uns wichtig, die nächste Generation von Forschenden und Unternehmer*innen auszubilden und ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um innovative Ideen möglichst vielen Patient*innen zugänglich zu machen“, sagt Prof. Brück.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Philipp Ströbel, Institut für Pathologie, Telefon 0551 / 39-65681, pathologie@med.uni-goettingen.de


    Bilder

    Prof. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, Pedro Gebhardt Apalategui, Medizinstudent an der UMG, und Prof. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Dekan der Medizinischen Fakultät der UMG (v.l.n.r.).
    Prof. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, Pedro Gebhardt Apalategui, Med ...

    Copyright: umg/swen pförtner


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


     

    Prof. Philipp Ströbel, Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, Pedro Gebhardt Apalategui, Medizinstudent an der UMG, und Prof. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Dekan der Medizinischen Fakultät der UMG (v.l.n.r.).


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