Der Bürokratieindex, der den Umfang der aktuell gültigen Bundesgesetze in Deutschland erfasst, liegt erneut auf einem Rekordniveau. Seit 2010 nimmt die Menge an gesetzlichen Regelungen stetig zu, eine grundlegende Umkehr dieses Trends ist bislang nicht in Sicht. Auch im Jahr 2025 ist das Volumen der Gesetzgebung weiter gewachsen.
Der Bürokratieindex, der die Entwicklung des Umfangs geltender deutscher Bundesgesetze misst, erreicht erneut einen Höchststand. Seit 2010 hat sich das Gesetzgebungsvolumen kontinuierlich erhöht, eine strukturelle Trendwende ist bislang nicht erkennbar. Der Umfang der Gesetzgebung stieg auch im Jahr 2025 weiter an. Der Zuwachs der regulatorischen Dichte setzt sich damit trotz aller Beteuerungen zum Bürokratieabbau fort.
Der Bürokratieindex wird gemeinsam von Universitätsprofessor Dr. Stefan Wagner von der Universität Wien in Zusammenarbeit mit der ESMT Berlin und der Internetplattform buzer.de erstellt.
Der Index zeigt, dass der Umfang der Bundesgesetzgebung, gemessen in Normseiten, innerhalb der letzten 15 Jahre kontinuierlich gestiegen ist. Der Bürokratieindex liegt im Jahr 2026 inzwischen mehr als 62 Prozent über dem Ausgangsniveau von 2010 – das entspricht einem Anstieg von 24.765 Normseiten im Jahr 2010 auf 40.270 im Jahr 2025. Der historische Verlauf zeigt, dass seitdem keine Legislaturperiode einen nachhaltigen Rückgang des Gesamtvolumens bewirkt hat. Auch Regierungswechsel oder politische Ankündigungen zum Bürokratieabbau haben bislang keine strukturelle Trendwende eingeläutet.
Die Analyse der Bundestagswahljahre im Zeitverlauf verdeutlicht, dass der langfristige Aufwärtstrend unabhängig von parteipolitischen Mehrheiten bestehen bleibt: „Die Daten sprechen für ein strukturelles Wachstum der Gesetzgebung“, so Stefan Wagner. „Wir beobachten keine zyklischen Schwankungen, sondern einen über Jahre hinweg stabilen Aufwärtstrend.“
Eine differenzierte Analyse nach Rechtsgebieten zeigt, dass der Zuwachs keineswegs gleichmäßig erfolgt. Seit Jahren entwickelt sich das Wirtschaftsrecht überdurchschnittlich stark. In der aktuellen 5-Jahres-Periode vom Jahr 2022 bis 2026 verzeichnet dieser Bereich den mit 1.542 zusätzlichen Seiten höchsten Nettozuwachs seit Beginn der systematischen Auswertung. Das entspricht einem Anstieg von 16,5 Prozent und macht das Wirtschaftsrecht damit zum am schnellsten wachsenden Rechtsgebiet.
Auch im Finanzwesen bleibt das Wachstum auf einem sehr hohen Niveau. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsrecht zählt dieses zu den umfangreichsten und für Unternehmen besonders relevanten Regelungskomplexen. Die jüngsten Zahlen deuten insgesamt darauf hin, dass sich der regulatorische Schwerpunkt zunehmend in wirtschaftsnahe Bereiche verlagert. „Gerade in jenen Rechtsgebieten, die unmittelbar unternehmerisches Handeln betreffen, sehen wir die stärkste regulatorische Entwicklung“, sagt Wagner. „Wenn Deutschland neue Wachstumsimpulse setzen will, muss die Entbürokratisierung genau hier ansetzen. Weniger Komplexität und schlankere Regelungen in wirtschaftsnahen Rechtsgebieten würden unmittelbar die Investitions- und Innovationsbedingungen verbessern.“
Den stärksten relativen Anstieg innerhalb der letzten 5 Jahre verzeichnet der Bereich Verteidigung. Für Wagner kommt diese Entwicklung nicht überraschend: „Zum einen hat sich die sicherheitspolitische Lage seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine grundlegend verändert. Zum anderen hat das Sondervermögen einige Anpassungen im Beschaffungswesen nach sich gezogen. Der deutliche Zuwachs in diesem Rechtsgebiet spiegelt diese Neubewertung sicherheitspolitischer Prioritäten wider.“
In einigen Teilen hätte sich das Wachstum der Bürokratie sogar geringfügig entschleunigt, führt Wagner aus: „Im Arbeitsrecht und in der Verwaltung sehen wir ein langsameres Wachstum, wenn auch keinen Rückgang, innerhalb der aktuellen Periode im Vergleich mit dem Zeitraum von 2017 bis 2021. Dennoch befindet sich der Nettozuwachs an Gesetzgebung auch in diesen Bereichen weiterhin auf einem hohen Niveau.“
Der Bürokratieindex basiert auf einer systematischen Auswertung sämtlicher geltenden Bundesgesetze unter Nutzung der Datenbank www.buzer.de. Er wird seit 2024 erstellt. Der Umfang eines Gesetzes wird dabei in sogenannten Normseiten gemessen, wobei eine Normseite 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen umfasst.
https://esmt.berlin/de/ueber-uns/presse/buerokratieindex-2026-wirtschaft-am-stae...
Bürokratieindex 2026: Prozentuale Änderung, Bundesgesetze
Copyright: ESMT Berlin
Bürokratieindex 2026: Normseitenzuwachs der FNA-Sachgebiete
Copyright: ESMT Berlin
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Politik, Recht, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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