Wie kann die Gesundheitsversorgung in einer Region auch in Zeiten von Fachkräftemangel, Digitalisierung, demografischem Wandel und zunehmenden Krisen zuverlässig und bedarfsgerecht funktionieren? Diese Frage steht im Mittelpunkt des neuen Verbundprojekts „Kompetenz und Resilienz in der regionalen Gesundheitsversorgung“ (KomReGe) der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Verbundpartner sind die Gesundes Kinzigtal GmbH, die Pflegeeinrichtungen des Caritasverbands Kinzigtal e.V. und das Evangelische Diakoniekrankenhaus in Freiburg. KomReGe wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds über drei Jahre gefördert.
Das Gesundheitswesen zählt zu den zentralen gesellschaftlichen Infrastrukturen und steht zugleich unter erheblichem Kostendruck und strukturellem Veränderungszwang. Personalengpässe, eine alternde Bevölkerung, steigende Versorgungsanforderungen und wachsende Krisenanfälligkeit stellen Einrichtungen wie Beschäftigte vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt Resilienz an Bedeutung – verstanden als Fähigkeit, Belastungen nicht nur zu bewältigen, sondern vorausschauend zu begrenzen, Anpassungsfähigkeit zu stärken und aus Veränderungen zu lernen.
Hier setzt das Verbundprojekt KomReGe an. Ziel ist es, Wirkfaktoren resilienter Wertschöpfung im Gesundheitswesen zu identifizieren und darauf aufbauend praxisnahe Konzepte sowie digitale Verfahren zur Resilienzförderung zu entwickeln und zu erproben. Im Fokus stehen vier miteinander verbundene Ebenen: die individuelle Resilienz von Beschäftigten, die kollektive Resilienz in Teams, die organisationale Resilienz von Einrichtungen sowie die sektorübergreifende Resilienz entlang der gesamten Versorgungskette.
„Resilienz entsteht nicht durch einfache Schritt-für-Schritt-Programme“, betont die wissenschaftliche Leitung, Prof. Dr. Stefanie Hiestand von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. „Entscheidend ist, Zielkonflikte sichtbar zu machen – zwischen individueller Belastung, Teamdynamik, organisationalen Rahmenbedingungen und sektorübergreifenden Schnittstellen. KomReGe setzt genau dort an: wissenschaftlich fundiert, partizipativ und praxisnah.“
Starke Partner für eine resiliente Versorgungskette
Im Projekt arbeiten die Pädagogische Hochschule Freiburg, die Gesundes Kinzigtal GmbH, der Caritasverband Kinzigtal e.V. sowie das Evangelische Diakoniekrankenhaus Freiburg eng zusammen. Durch die Verbindung von Akutkrankenhaus, Pflege, Besonderer Versorgung und wissenschaftlicher Expertise entstehen Lösungen, die über einzelne Einrichtungen hinauswirken und perspektivisch auf andere Regionen übertragbar sind.
Für die Gesundes Kinzigtal GmbH steht dabei insbesondere die sektorübergreifende Zusammenarbeit im Mittelpunkt: „Besondere Versorgung – ehemals Integrierte Versorgung – funktioniert nur, wenn die Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg auch in Belastungssituationen stabil bleibt“, erklärt Dr. Renyi, Geschäftsführerin der Gesundes Kinzigtal GmbH. „KomReGe hilft uns dabei, Resilienz nicht nur individuell zu denken, sondern als gemeinsame Fähigkeit eines regionalen Netzwerks – von Prävention bis Versorgung.“
Auch aus Sicht der Pflege ist ein erweitertes Resilienzverständnis entscheidend: „Pflege bedeutet täglich verantwortungsvolle und wertvolle Arbeit in einem dynamischen Umfeld – gefragt sind daher achtsame und fundierte ethische Entscheidungen“, betont Frau Trove, Geschäftsführerin des Caritasverbands Kinzigtal e.V. „Für uns ist entscheidend, Resilienz nicht als ‚Durchhalten‘ zu verstehen, sondern als gemeinsame Stärke, Arbeitsbedingungen, Teamstrukturen und Kooperationen so zu gestalten, dass gute Pflege langfristig, nachhaltig und mit hoher Qualität möglich bleibt.“
Am Evangelischen Diakoniekrankenhaus Freiburg steht insbesondere die digitale Transformation im Fokus. „Die Einführung eines neuen Krankenhausinformationssystems ist nicht nur ein IT-Projekt, sondern ein tiefgreifender Veränderungsprozess für Mitarbeitende, Abläufe und Schnittstellen“, erläutert Herr Feldt, Pflegedirektor des Evangelischen Diakoniekrankenhauses Freiburg. „KomReGe unterstützt uns dabei, digitale Transformation resilient zu gestalten – mit Beteiligung, Lernen im Arbeitsalltag und einem klaren Blick auf Versorgungsqualität, Datensicherheit und den Fokus der Mitarbeitenden auf ihre Kernprozesse.“
Digitale Tools und Experimentierräume: Resilienz praktisch stärken
Ein zentrales Projektergebnis ist die Entwicklung eines digital basierten Resilienzindikators. Mit diesem Instrument können Einrichtungen ihren Resilienzbedarf systematisch erfassen und gezielte Maßnahmen ableiten. Ergänzend werden in den beteiligten Organisationen sogenannte Experimentierräume eingerichtet – geschützte Innovations- und Lernräume, in denen Beschäftigte und Führungskräfte gemeinsam neue Arbeits- und Kooperationsformen entwickeln, Prototypen erproben und deren Wirkung reflektieren.
Mit KomReGe entsteht so ein Modellprojekt für eine resiliente, lernfähige und kooperationsstarke Gesundheitsversorgung in der Region – und darüber hinaus.
Prof. Dr. Stefanie Hiestand
http://stefanie.hiestand(at)ph-freiburg.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Ernährung / Gesundheit / Pflege
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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