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05.03.2026 10:09

Wie Betriebsräte auf die Demokratie wirken

Dr. Simon Thijs Kommunikation & Marketing
Universität Trier

    Arbeitnehmervertretungen wirken auf das Demokratieempfinden der Beschäftigten – sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Unternehmens. Das zeigen Studien an der Universität Trier.

    Im Frühjahr 2026 stehen wieder Betriebsratswahlen an. Die gewählte Vertretung der Beschäftigten übernimmt dann für die nächsten vier Jahre wieder die Verhandlung mit der jeweiligen Unternehmensführung in allen Belangen, die die Belegschaft betreffen.

    Dass eine demokratisch gewählte Repräsentation den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das Gefühl von Selbstwirksamkeit verleiht, ist naheliegend, aber nicht selbstverständlich, zumal wenn Betriebsräte ihre Aufgaben nicht ausreichend erfüllen.

    Tatsächlich wurde diese Vermutung noch nie umfassend untersucht. Das ändert nun eine aktuelle Studie der Arbeitsmarktökonomik an der Universität Trier. Sie wertete Umfragedaten von 1267 Beschäftigten in ostdeutschen Unternehmen aus dem Jahr 2022 aus.

    Demnach empfinden Beschäftigte das Betriebsklima um 17 % besser, wenn ein Betriebsrat vorhanden ist. 45 % sind es unter Gewerkschaftsmitgliedern. Sie haben weniger Bedenken offen über kritische Themen wie Gewerkschaften zu sprechen.

    Um 7 % (34 % bei Gewerkschaftlern) stärker ist das Gefühl, Konflikte und Probleme am Arbeitsplatz gemeinsam mit Kollegen lösen zu können. Auf den Glauben, als Einzelperson Veränderungen im Unternehmen bewirken zu können, hat die Existenz eines Betriebsrates aber nur bei Gewerkschaftsmitgliedern einen positiven Einfluss (25 %).

    Betriebsräte fördern politisches Engagement

    Diese Wahrnehmung, als Belegschaft Einfluss auf die Firmenpolitik nehmen zu können, überträgt sich laut einer vorangegangenen Studie auch auf das Privatleben. „Schon in dieser Studie konnten wir nachweisen, dass Beschäftigte in Unternehmen mit Betriebsräten politisch stärker interessiert und engagiert sind“, so Jirjahn. „Allerdings stellen wir das nur bei Männern fest. Vermutlich ist die Rollenverteilung z. B. im Bereich Care-Arbeit noch zu ungleich, sodass Frauen oft die Zeit fehlt, sich politisch zu engagieren.“

    In Zeiten rückläufiger Betriebsratszahlen und zunehmender Politikverdrossenheit unterstreichen die Ergebnisse den Wert einer gesetzlich legitimierten Arbeitnehmervertretung. Ob Einrichtungen wie runde Tische, die rein vom Wohlwollen der Arbeitgeber abhängen, diese Funktion auch erfüllen könnten, ist fraglich.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Uwe Jirjahn
    VWL - Arbeitsmarktökonomik
    Mail: <jirjahnuni-trierde>
    Tel. +49 651 201-2608


    Originalpublikation:

    Zu den Studien:

    https://doi.org/10.1111/apce.12451

    https://doi.org/10.1177/0143831X261420346


    Bilder

    Wahlzettel wird in die Wahlurne geworfen.
    Wahlzettel wird in die Wahlurne geworfen.
    Quelle: Jenna Theis
    Copyright: Universität Trier


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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