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05.03.2026 14:18

Frankens Landwirtschaft der Zukunft: Oliven und Reis statt Gerste und Zuckerrübe?

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Eine neue Studie der Universität Würzburg zeigt: Ein ungebremster Klimawandel wird die deutsche Landwirtschaft bis 2100 radikal verändern und könnte mediterrane Kulturen nach Franken bringen.

    Vor dem Hintergrund des Klimawandels steht nicht zuletzt die Landwirtschaft vor einer beispiellosen Transformation. Während Deutschland über Jahrzehnte hinweg kaum von massiven Ernteausfällen betroffen war, hat sich das Bild seit 2015 drastisch gewandelt. Seitdem sind Hitzewellen und Trockenperioden in der Hälfte aller Fälle für Ertragseinbußen verantwortlich.

    Vor diesem Hintergrund hat jetzt ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) im Rahmen des EU-geförderten Projekts BigData@Geo 2.0 die Zukunft der regionalen Agrarwirtschaft unter dem Szenario eines ungebremsten Klimawandels untersucht.

    Franken: Mitteleuropa im Kleinen

    Dabei dient die Region Franken als „Mitteleuropa im Kleinen“. Aufgrund ihrer heterogenen Topographie – von tiefgelegenen Flusstälern bis zu Mittelgebirgslagen über 1.000 Metern – ist die Region repräsentativ für weite Teile Zentraleuropas. Die Ergebnisse besitzen somit eine Signalwirkung für ganz Deutschland: Was hier heute erforscht wird, beschreibt die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft bundesweit bald stehen könnte.

    Verantwortlich für die Studie war ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Klimaforschung, Informatik und Fernerkundung. Erstautorin Dr. Luzia Keupp ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Klimatologie bei Professor Heiko Paeth. Seine Ergebnisse hat das Team in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

    Klimazonen verschieben sich

    Um diese Zukunft greifbar zu machen, nutzten die Forschenden die Methode der sogenannten Klima-Analoge. Sie haben dabei Regionen in Europa identifiziert, in denen heute bereits jene klimatischen Bedingungen herrschen, die für Franken bis zum Ende des 21. Jahrhunderts prognostiziert werden. Dabei glichen sie nicht nur 28 klimarelevante Indikatoren ab, sondern berücksichtigten auch Bodenmerkmale wie Ton- und Sandgehalt sowie pH-Werte, um eine echte Vergleichbarkeit der Standorte sicherzustellen.

    Das zentrale Ergebnis: „Unsere Analysen zeigen eine massive Verschiebung der Klimazonen“, erklärt Luzia Keupp. „Die höheren Mittelgebirgsregionen Frankens werden künftig ein Klima erleben, wie wir es heute aus dem norddeutschen Tiefland kennen. Die tiefergelegenen Täler hingegen werden Bedingungen erreichen, die heute typisch für die norditalienische Po-Ebene oder die Gascogne in Südwestfrankreich sind.“

    Sortenwechsel: Weizen bleibt, die Olive kommt

    Was das für die Landwirtschaft in Franken bedeutet, prognostiziert die Studie so:

    Einige weniger wärmeliebende Kulturen werden an Bedeutung verlieren. Dazu zählen in erster Linie Gerste, Zuckerrüben und Futterpflanzen wie Silomais und Futter-Ölsaaten.

    Andere Produkte können sich halten oder werden an Bedeutung gewinnen. Das gilt für Roggen, Weizen, Raps und Mais. Aber auch der Weinbau wird in fast allen Teilregionen Frankens deutlich an Bedeutung gewinnen.

    Durch die klimatische Annäherung an den Mittelmeerraum könnten neue Kulturen attraktiv werden, die heute in Franken als „exotisch“ gelten: Hierunter fallen vor allem Pfirsiche, Oliven, Südfrüchte sowie Mandeln, Haselnüsse und Kastanien. Klimatisch gesehen wäre auch der Anbau von Reis möglich. Auch Sorghum, eine hirseartige Kultur, könnte als hitzeresistente Alternative an Bedeutung gewinnen.

    Eins zu eins werden sich diese Erkenntnisse allerdings nicht umsetzen lassen. „Die nötige Wärme allein macht aus Franken noch kein Reisanbaugebiet“, so die Forschenden. Während Reis in der Po-Ebene durch reichlich Schmelzwasser aus den Alpen bewässert wird, fehlt in Franken diese hydrologische Ressource. Auch bei Oliven bleibt ein Restrisiko extremer Wetterereignisse: Ein einziger Kälteeinbruch mit Temperaturen von unter minus 8,3 Grad Celsius könne ganze Bestände vernichten.

    Darüber hinaus sehen die Wissenschaftlerinnen soziale und ökonomische Barrieren. „Der Anbau neuer Sorten erfordert neues Fachwissen, spezielle Technik sowie völlig neue Logistikketten und Märkte“, so Luzia Keupp. Dementsprechend erfordern diese Veränderungen vorausschauende Entscheidungen, da insbesondere Dauerkulturen wie Obstbäume oder Reben über Jahrzehnte im Boden bleiben und damit die kapitalintensivsten Investitionen eines Betriebs darstellen.

    Wenn Würzburg klimatisch nach Südfrankreich wandert

    Sollte der Klimawandel ungebremst fortschreiten, prognostiziert die Studie einschneidende Veränderungen für Franken:

    Mediterranes Klima: Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird das Klima in den meisten Teilen Frankens dem heutiger Regionen im nördlichen Mittelmeerraum, Südwestfrankreichs oder Norditaliens entsprechen.

    Verlängerte Vegetationsperiode: Die Vegetationsperiode wird sich voraussichtlich um etwa 70 bis 80 Tage verlängern.

    Wetterextreme: Es wird eine sommerliche Erwärmung um ca. 4 Grad Celsius erwartet, begleitet von mehr Starkregenereignissen, aber auch einer deutlich höheren Anzahl an Dürretagen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Luzia Keupp, T +49 931 31-81684, luzia.keupp@uni-wuerzburg.de
    Prof. Dr. Heiko Paeth, T +49 931 31-84688, heiko.paeth@uni-wuerzburg.de


    Originalpublikation:

    Undamped climate change poses the need for substantial shifts in cultivated crop types in Germany. Luzia Keupp, Andreas Hotho, Stefan Dech & Heiko Paeth. Scientific Reports, | https://doi.org/10.1038/s41598-026-42040-x


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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