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10.03.2026 12:28

Fortgeschrittenes Melanom: Antikörper aus dem Blut weisen auf Nebenwirkungen bei der Immuntherapie hin

Dr. Martin Staiger Kommunikation und Veranstaltungen
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

    Immuntherapien haben die Behandlung des metastasierten Melanoms stark verbessert, können aber schwere Nebenwirkungen auslösen. Eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, der Sektion Dermatoonkologie der Hautklinik am Universitätsklinikum Heidelberg und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, zeigt nun: Bereits vor Therapiebeginn im Blut nachgewiesene Autoantikörper könnten dazu beitragen, das individuelle Nebenwirkungsrisiko von Patientinnen und Patienten besser einzuschätzen.

    Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der Thoraxklinik Heidelberg.

    Immuntherapien haben die Behandlung des fortgeschrittenen Schwarzen Hautkrebses (Metastasiertes Melanom) in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Sie können das körpereigene Abwehrsystem so aktivieren, dass es Tumorzellen gezielt erkennt und bekämpft. Doch dieser Effekt hat auch eine Kehrseite: Viele Patientinnen und Patienten bilden während der Behandlung sogenannte Autoantikörper, die sich gegen körpereigenes, gesundes Gewebe richten. Die Folge können teils schwere Nebenwirkungen sein, zum Beispiel Entzündungen des Darms, der Haut oder anderer Organe. Bislang gibt es nur wenige verlässliche Möglichkeiten, schon vor Beginn der Behandlung vorherzusagen, wer besonders gefährdet ist.

    Eine neue multizentrische Studie liefert nun Hinweise, dass bestimmte Autoantikörper bereits vor der Behandlung vorhanden waren und sie später mit dem Auftreten von Nebenwirkungen zusammenhingen. Die Forschenden untersuchten Blutproben von 331 Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Melanom, die verschiedene Formen der Immuntherapie erhielten.

    Dabei fanden die Forschenden eine Reihe von Autoantikörpern, die mit einem erhöhten Risiko für immunbedingte Nebenwirkungen zusammenfielen. Besonders interessant: Die gebildeten Mengen der Autoantikörper unterschieden sich in ihrer Zusammensetzung je nachdem, welche Art von Immuntherapie eingesetzt wurde. Das deutet darauf hin, dass Nebenwirkungen nicht immer nach dem gleichen Prinzip entstehen, sondern je nach Therapie unterschiedliche biologische Mechanismen eine Rolle spielen.

    Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag auf Darmentzündungen, die zu den belastendsten Komplikationen gehören können und bei der Kombinationsimmuntherapie deutlich häufiger als bei Monotherapien aufgetreten sind. Auch hierfür identifizierte das Team Autoantikörper, die das Risiko über verschiedene Behandlungsformen hinweg zuverlässig widerspiegelten. Einige Antikörper waren dabei mit einem höheren Risiko verbunden, andere schienen eher einen schützenden Effekt zu haben.

    Jessica Hassel, Sektionsleiterin Dermatoonkologie an der Hautklinik des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), NCT Heidelberg, leitet die Studie. Sie sagt über die Arbeit: „Künftig könnte ein Autoantikörper-Profil aus einer Blutprobe schon vor Beginn der Immuntherapie dabei helfen, das persönliche Risiko für schwere Nebenwirkungen unter verschiedenen Immuntherapien besser einzuschätzen. Wir könnten dadurch informierter entscheiden, welche Therapie für eine Patientin oder einen Patienten am besten geeignet ist – zum Beispiel, ob eine kombinierte Immuntherapie gefahrlos möglich ist. Wenn wir schon vor Therapiebeginn wissen, wer besonders gefährdet ist, können wir Patientinnen und Patienten besser begleiten und frühzeitig gegensteuern.“ Das würde Behandlungen sicherer machen und die richtige Therapieentscheidung für die einzelne Person unterstützen. Da es sich um einen gut skalierbaren Test handelt, wäre er prinzipiell breit einsetzbar. Bevor er jedoch in der klinischen Routine genutzt werden kann, müssen die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt werden.

    Robin Reschke, Max-Eder-Nachwuchsgruppenleiter an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Arzt in der Dermatoonkologie an der Hautklinik des UKHD, NCT Heidelberg, ergänzt: „Eine weitere Studie zur Autoantikörper-basierten Vorhersage des Ansprechens auf Immuntherapien befindet sich in Planung. Im Fokus steht dabei, den Zusammenhang zwischen Autoantikörperprofilen und der Immunantwort gegen den Tumor besser zu verstehen.“

    Publikation
    Robin Reschke, Petra Budde, Hans-Dieter Zucht, Joanna Mangana, Reinhard Dummer, Claudia Pföhler, Kilian Wistuba-Hamprecht, Benjamin Weide, Lara-Elena Hakim-Meibodi, Friedegund Meier, Carsten Schulz, Jasmin Richter, Manuel Bräutigam, Claudia Gutjahr, Peter Schulz-Knappe, Jessica C. Hassel: Autoantibodies as predictors for immune-related adverse events in checkpoint inhibition therapy of metastatic melanoma; Journal for ImmunoTherapy of Cancer. 2026;14:e013814. https://doi.org/10.1136/jitc-2025-013814

    Kontakt für die Presse:
    Dr. Martin Staiger
    Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
    Kommunikation und Veranstaltungen
    Im Neuenheimer Feld 460
    69120 Heidelberg
    Tel.: +49 6221 56-311272
    E-Mail: martin.staiger@nct-heidelberg.de
    www.nct-heidelberg.de

    Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

    Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der Thoraxklinik Heidelberg. Ziel des NCT Heidelberg ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patientinnen und Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT Heidelberg ist somit richtungsweisend, um neue Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik zu übertragen. Das NCT Heidelberg, gegründet 2004, ist Teil des NCT mit weiteren Standorten in Berlin, Dresden, SüdWest (Tübingen-Stuttgart/Ulm), WERA (Würzburg, Erlangen, Regensburg, Augsburg) und West (Essen/Köln).

    Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)

    Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
    Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:
    • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
    • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
    • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
    • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
    • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
    • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)
    Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

    Das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für Patientinnen und Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 14.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit rund 2.500 Betten werden jährlich circa 86.000 Patientinnen und Patienten voll- und teilstationär und mehr als 1.100.000 Patientinnen und Patienten ambulant behandelt.
    Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe (DKH) hat das UKHD das erste Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg etabliert. Ziel ist die Versorgung auf höchstem Niveau als onkologisches Spitzenzentrum und der schnelle Transfer vielversprechender Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik. Zudem betreibt das UKHD gemeinsam mit dem DKFZ und der Universität Heidelberg das Hopp Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), ein deutschlandweit einzigartiges Therapie- und Forschungszentrum für onkologische und hämatologische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
    Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit befinden sich an der Medizinischen Fakultät Heidelberg (MFHD) rund 4.000 angehende Ärztinnen und Ärzte in Studium und Promotion.


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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