Mit einem Festakt hat das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF heute seinen jüngsten Forschungsneubau eingeweiht. Neben Bundesministerin Dorothee Bär nahmen Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt sowie weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und Industrie an den Feierlichkeiten teil. Besondere Highlights im Neubau sind eine neue Anlage zur Elektronenstrahl-Lithografie für die Herstellung photonischer Komponenten sowie eine Bodenstation für die satellitengestützte Quantenkommunikation.
Auf einer Fläche von mehr als 2.000 m2 stehen dem Fraunhofer IOF mit dem Neubau künftig neue Labore sowie Reinräume und Büros in direkter Nachbarschaft zum Hauptgebäude des Institutes zur Verfügung. Der mittlerweile dritte Erweiterungsbau des Forschungsinstituts ist damit ein wichtiger strategischer Schritt für dessen Zukunft. Denn auf den zusätzlichen Labor- und Reinraumflächen werden relevante Zukunftsthemen aus der Hightech-Agenda vorangetrieben.
»Mit der Hightech Agenda Deutschland machen wir Deutschland wieder zum Top-Technologieland. Optik und Photonik sind dabei wichtige Grundlagen und kommen in Schlüsseltechnologien wie den Quantentechnologien, der Biotechnologie oder auch Mikroelektronik in vielfältiger Weise zum Einsatz. Das Fraunhofer IOF treibt Optik-Technologien und -Anwendungen von morgen voran und schlägt die Brücke von der Wissenschaft zur Wirtschaft. Der heute eingeweihte Forschungsneubau beflügelt die Möglichkeiten des Standorts noch zusätzlich. Genau so sind wir auf einem guten Weg, ›Made in Germany‹ als Siegel für technologische Exzellenz zu etablieren, gerade auch in den photonischen Technologien«, erklärte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär.
Ministerpräsident Mario Voigt, der gemeinsam mit Wissenschaftsminister Christian Tischner den Besuch der Bundesministerin begleitet hat, ergänzte: »Thüringer Optik, gerade solche aus Jena, genießt einen Ruf von Welt. Speziell das Fraunhofer IOF ist hier eine wahre Erfolgsgeschichte. Gegründet inmitten der Umbruchszeiten nach der deutschen Wiedervereinigung, hat sich das Institut in über 30 Jahren zu einem weltweit gefragten Partner für Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich der Instrumentierung entwickelt. Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region sind zudem die über zwanzig Unternehmensgründungen aus dem Institut und seinen Partnereinrichtungen, die heute mehr als 350 hochspezialisierten Mitarbeitenden sichere Arbeitsplätze bieten. Die Erweiterung des Fraunhofer IOF durch den jüngsten Neubau wird dazu beitragen, diese Entwicklung zu stärken und Thüringen auch künftig zu einem Dreh- und Angelpunkt der deutschen Photonik-Industrie zu machen. Wer verstehen will, wo Deutschlands technologische Zukunft entsteht, muss nach Jena schauen.«
Wissenschaftsminister Christian Tischner betont: »Der Freistaat hat den Aufbau einer neuen Elektronenstrahl-Lithografie-Anlage am Fraunhofer IOF mit 12 Millionen Euro unterstützt sowie die Hälfte der Baukosten getragen. Das ist gut investiertes Geld – denn Spitzenforschung braucht Spitzeninfrastruktur.«
»Im Beisein von Frau Bundesministerin Bär und Herrn Ministerpräsident Voigt haben wir heute nicht nur ein neues Gebäude eröffnet. Wir schaffen eine Plattform für die Technologien der Zukunft, die weit über die Region strahlt und wegweisend ist. Die neuen Labore bieten vielfältige Möglichkeiten zur Entwicklung und Herstellung optischer und photonischer Systeme höchster Präzision. Das schafft ideale Bedingungen für Spitzenforschung und den Transfer in die Anwendung in den Bereichen Optik, Photonik, Quantentechnologien und photonische Systeme,« sagt Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Damit setzen wir ein starkes Zeichen nicht nur für den Standort Jena als internationaler Leuchtturm der Photonik, sondern treiben auch die Leistungsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland in diesen strategisch wichtigen Zukunftstechnologien voran.«
Neue Anlage für Elektronenstrahl-Lithografie für Nanostrukturierung
Im Rahmen der Feierlichkeiten besichtigten die Gäste zwei zentrale Highlights des Neubaus: Eine neue Anlage zur Elektronenstrahl-Lithografie sowie eine optische Bodenstation.
Die Elektronenstrahl-Lithografie ist ein Verfahren, um besonders feine Strukturen in der Größenordnung weniger Nanometer auf optischen Bauteilen herzustellen. Das Verfahren wird benötigt, um z.B. Hochleistungs-Chips für die Mikroelektronik, die KI oder das Quantencomputing zu fertigen. Ebenso können damit hochpräzise Messinstrumente für die Erdbeobachtung und Raumfahrt hergestellt werden. »Als Institut haben wir in der Vergangenheit missionskritische Beiträge zu internationalen Weltraumprogrammen wie GAIA und dem Sentinel-Programm der ESA sowie zum James-Webb-Weltraumteleskop geleistet. Hierfür war u.a. unsere besondere Expertise in der mikro- und nanostrukturierten Optik wichtig. Die neue Anlage mit weltweiten Alleinstellungsmerkmalen wird es uns ermöglichen, auch zukünftig die Wissenschaft zu exzellenter Forschung und die Wirtschaft zu Innovationen zu befähigen«, erklärt Prof. Andreas Tünnermann, Leiter des Fraunhofer IOF.
Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Neubaus nahmen Ministerpräsident Voigt und Bundesministerin Bär die neue Elektronenstrahl-Lithografie offiziell in Betrieb. Der Freistaat Thüringen unterstützt den Aufbau der Anlage mit 12 Millionen Euro.
Neue optische Bodenstation für Quantenkommunikation
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für das Fraunhofer IOF markiert die neue optische Bodenstation. Platziert auf dem Dach des Neubaus erlaubt sie es den Forschenden fortan von Jena aus optisch mit Satelliten zu kommunizieren. Zur Anwendung kommt dies vor allem in der Forschung zur Quantenkommunikation. Die Quantenkommunikation entwickelt neue Verfahren, um in Zukunft praktisch abhörsicher zu kommunizieren.
»Unsere optische Bodenstation ist die einzige ihrer Art in Mitteldeutschland. Sie hilft uns künftig dabei, die Erkenntnisse aus der Quantenkommunikation, die wir in Projekten wie der BMFTR-geförderten Initiative QuNET bisher mit Schwerpunkt auf erdgebundene Quantennetze gewonnen haben, nun auf das nächste Level zu bringen, nämlich in den Weltraum. Unsere Forschung zur satellitengestützten Quantenkommunikation trägt schon jetzt dazu bei, die Grundlage für ein globales Quantennetzwerk zu legen. Als Fraunhofer IOF wollen wir mit der neuen Bodenstation ein Knoten im weltweiten Kommunikationsnetz der Zukunft sowie ein Testzentrum für weiterführende Forschung auf diesem Gebiet werden«, ordnet Prof. Tünnermann ein.
Stetiges Wachstum in Mitarbeitenden und Fläche seit 1992
Die Bauarbeiten am Forschungsneubau waren 2019 gestartet. Das Bauprojekt kostete insgesamt knapp 30 Millionen Euro, die zu gleichen Teilen von Bund und Land getragen wurden. Es handelt sich um den mittlerweile dritten Erweiterungsbau des Fraunhofer IOF.
Gegründet im Jahr 1992 war das Fraunhofer IOF zunächst im Zentrum der Stadt Jena, im sogenannten »Eulenhaus« in der Schillerstraße, beheimatet. Aus Kapazitätsgründen zog das Institut 2002 in einen Neubau auf den Beutenberg Campus um. 2011 folgte dort der erste Erweiterungsbau. 2017 wurde das direkt in den Gebäudekomplex integrierte Fasertechnologiezentrum mit Faserziehturm eröffnet.
Bis heute erlebt das Forschungsinstitut ein stetiges Wachstum: Gestartet mit einst knapp sechzig Mitarbeitenden arbeiten dort heute rund 500 Menschen, 23% davon mit internationalem Hintergrund, mit Leidenschaft daran, Licht als vielseitiges Werkzeug zugunsten von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie nutzbar zu machen.
Über das Fraunhofer IOF
Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena betreibt anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der Photonik und entwickelt innovative optische Systeme zur Kontrolle von Licht – von der Erzeugung und Manipulation bis hin zu dessen Anwendung. Das Leistungsangebot des Instituts umfasst die gesamte photonische Prozesskette vom opto-mechanischen und opto-elektronischen Systemdesign bis zur Herstellung von kundenspezifischen Lösungen und Prototypen. Am Fraunhofer IOF erarbeiten rund 500 Mitarbeitende das jährliche Forschungsvolumen von 40 Millionen Euro.
Weitere Informationen über das Fraunhofer IOF finden Sie unter:
http://www.iof.fraunhofer.de
Prof. Dr. Andreas Tünnermann
Fraunhofer IOF
Institutsdirektor
Telefon: +49 (0) 3641 807 - 201
Mail: andreas.tuennermann@iof.fraunhofer.de
Gäste bei der Einweihung des Forschungsneubaus
Quelle: Jacob Schroeter
Copyright: TSK
Der Forschungsneubau des Fraunhofer IOF auf dem Beutenberg Campus
Quelle: Jacob Schroeter
Copyright: TSK
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Bauwesen / Architektur, Physik / Astronomie, Politik, Wirtschaft
überregional
Organisatorisches, Personalia
Deutsch

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