Modernste Medizin in Mitteldeutschland: Am 19. und 20. März 2026 veranstaltet die Universitätsmedizin in Sachsen-Anhalt ein gemeinsames Symposium zu den Fortschritten in der Zell- und Immuntherapie. Im Fokus stehen die Entwicklungen im Bereich der CAR-T-Zelltherapie zur Behandlung von Krebs- und Immunerkrankungen. Darüber hinaus werden technische, wirtschaftliche und ethische Voraussetzungen im Hinblick auf eine zukünftige eigenständige Herstellung von Zelltherapeutika diskutiert. Mit Bernburg als Tagungsort kommen die Universitätsmedizin-Standorte Halle und Magdeburg genau in der Mitte zusammen.
Die Fachveranstaltung macht deutlich, wie rasant sich Zell- und Immuntherapien weiterentwickeln und welche Fortschritte sie bereits ermöglichen. Ein besonders anschauliches Beispiel sind die sogenannten CAR-T-Zelltherapien: Dabei werden körpereigene Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen oder schädliche Immunzellen gezielt erkennen und zerstören können. Vor wenigen Jahren galten solche Therapien noch als visionär – heute sind sie Realität und eröffnen neue Behandlungsmöglichkeiten.
Forschung und Versorgung: Hochkonjunktur für Zelltherapie in Sachsen-Anhalt
Die Universitätsmedizin-Standorte Magdeburg und Halle engagieren sich in klinischen Studien und arbeiten daran, wissenschaftliche Erkenntnisse schnell an das Krankenbett zu bringen. Beide Standorte haben Zelltherapien inzwischen in der Routineversorgung etabliert und setzen Pionierprojekte in diesem Bereich um.
Die Universitätsmedizin Magdeburg zählt international zu den wenigen Standorten mit substantieller klinischer Erfahrung in der Anwendung T-zellbasierter Immuntherapien auch bei schweren Autoimmunerkrankungen. Magdeburg war weltweit der erste Standort, an dem eine Patientin mit einer schweren, therapieresistenten Form der Myasthenia gravis – einer seltenen Autoimmunerkrankung mit ausgeprägter Muskelschwäche – erfolgreich mit CAR-T-Zellen behandelt wurde. Dies ist international wegweisend für das Feld der Autoimmunmedizin. Mittlerweile konnte der Ansatz in Magdeburg erfolgreich auf weitere teilweise sehr seltene Erkrankungen ausgeweitet werden.
Am Landeszentrum für Zell- und Gentherapie der Universitätsmedizin Halle wurden in den letzten 20 Jahren bereits mehr als tausend zelltherapeutische Behandlungen zur Heilung von bösartigen Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems durchgeführt. Jüngst erfolgte hier die 600. allogene Stammzelltransplantation. Einzigartig für Sachsen-Anhalt ist zudem die Möglichkeit der Stammzelltransplantation für Kinder und Jugendliche.
Regionale Produktion von Zelltherapeutika geplant
Die Herstellung etwa von CAR-T-Zellen ist zeit- als auch kostenintensiv und erfordert spezialisierte Labore, die oft weit entfernt sind. Um schwere Erkrankungen zukünftig regional noch schneller und individuell angepasst an die Erfordernisse der Patient:innen behandeln zu können, bauen die Universitätsmedizin-Standorte in Halle und Magdeburg eigene Strukturen für die Entwicklung und Herstellung moderner Zelltherapien auf.
Das im Frühjahr 2025 gegründete Institut für Zelltherapie (IZH) der Universitätsmedizin Halle kann bereits auf umfassende technische Möglichkeiten und Labore der Sicherheitsstufe 2 zur Kultivierung und genetische Modifikation von T-Zellen zurückgreifen. Das Personal durchläuft derzeit ein hochqualifizierendes Training zur Herstellung von CAR-T-Zellen und zur entsprechenden Qualitätskontrolle des Prozesses. Für die geplante Entwicklung innovativer Zelltherapeutika sowie deren Herstellung und Qualitätssicherung investiert man in neue Geräte.
Mit dem Anfang 2026 gegründeten Magdeburger Zentrum für Zell- und Immuntherapien (MAZI) bündelt die Universitätsmedizin Magdeburg ihre Kompetenzen in diesem Bereich. Neben CAR-T-Zellen sollen dort auch alternative und weniger aufwendige Ansätze, etwa spezielle Antikörper, entwickelt werden – mit dem Ziel, innovative Zelltherapien kostengünstiger, effizienter und breiter verfügbar zu machen. Parallel wird der Aufbau einer Infrastruktur zur Eigenentwicklung und perspektivischen Herstellung genetisch modifizierter Zelltherapeutika vorangetrieben.
Mitteldeutsches Zentrum für Zelltherapie geplant
Darüber hinaus plant die Universitätsmedizin in Sachsen-Anhalt die Gründung eines Mitteldeutschen Zentrums für Zelltherapie. Langfristiges Ziel ist es, die Region in Kooperation international als leistungsfähigen Forschungs- und Versorgungsstandort für moderne Zell- und Immuntherapien aufzubauen. Die gemeinsame Fachveranstaltung in Bernburg ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.
Die Bemühungen finden in enger Zusammenarbeit mit weiteren Partnern statt. Am Symposium ist unter anderem das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI beteiligt, das auf diesem Feld mit den Universitäten in Halle und Magdeburg zusammenarbeitet.
Stimmen aus der Universitätsmedizin
„CAR-T-Zellen sind ein Meilenstein, aber nicht die einzige Antwort. Unser Anspruch in Magdeburg ist es, das gesamte Spektrum moderner Zell- und Immuntherapien weiterzuentwickeln: von hoch individualisierten Zelltherapien bis hin zu gezielten Antikörperstrategien, die perspektivisch breiter einsetzbar sind“, erklärt Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos, Direktor der Universitätsklinik für Hämatologie, Onkologie und Zelltherapie Magdeburg.
„Zelluläre Therapien werden in Halle aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erforscht und weiterentwickelt. Arbeitsgruppen der Universitätsmedizin Halle aus den Bereichen Onkologie, Immunologie, Pädiatrie, Endokrinologie und Transfusionsmedizin intensivieren ihre Aktivitäten sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der klinischen Anwendung“, fasst Prof. Dr. Michael Heuser, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV (Hämatologie und Onkologie), zusammen.
„Wenn wir über die Zukunft zellulärer Therapien sprechen, geht es nicht nur um klinische Wirksamkeit, sondern auch um schnelle und sichere Herstellung, Qualität und Zugänglichkeit. Wir wollen Innovationen so gestalten, dass sie langfristig für möglichst viele Patientinnen und Patienten verfügbar wird“, erläutert Prof. Dr. Stephan Fricke, Leiter des Instituts für Klinische Immunologie und Zelltherapeutika in Magdeburg und Direktor für Klinischen Transfer am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI.
„Halle verfügt über die strukturellen und fachlichen Voraussetzungen, um zeitnah in die eigene Herstellung einzusteigen. Das qualifizierte Personal erstellt derzeit Details des Produktionsprozesses. Ein besonderer Fokus im klinischen Anwendungsbereich liegt auf der hämatologischen Onkologie – gemeinsam mit unserer starken Pädiatrie“, sagt apl. Prof. Dr. Lutz Müller, Leiter des Bereichs für Stammzelltransplantation an der Universitätsmedizin Halle.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Kooperationen, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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