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11.03.2026 11:14

Geld allein reicht nicht – Verteidigungsausgaben neu justieren

Elisabeth Radke Kommunikation
Kiel Institut für Weltwirtschaft

    Durch die Aufrüstung gibt Europa inzwischen mehr für Verteidigung aus als alle Länder außer den USA – doch militärisch bleibt Europa ein Zwerg. Zudem zeigt der anhaltende Irankrieg, wie kostengünstige, massenproduzierte autonome Systeme teure, traditionelle Verteidigungssysteme herausfordern. Europa muss seine Ausgaben anpassen, um den grundlegenden Veränderungen in der Ökonomie der Verteidigung Rechnung zu tragen. Eine neue Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigt, warum Europa so wenig strategischen Ertrag aus jedem Euro zieht. Sie präsentiert „fünf Prinzipien für kluge Verteidigungsausgaben“, mit denen die Region – insbesondere Deutschland mit dem größten Etat – (...)

    (...) ihre erheblichen Ressourcen effektiver nutzen könnte.

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    Der Kiel Policy Brief „Time to Spend Smart: Ökonomische Leitlinien für kluge Verteidigungsausgaben“ (https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/time-to-spend-smart-oekonomische-le...) zeigt, dass Europas Militärausgaben von etwa 550 Mrd. USD im Jahr 2025 nicht nur respektable 60 Prozent des weltumspannenden US-Wehretats von 920 Mrd. USD ausmachten, sondern auch rund 50 Prozent über den geschätzten militärischen Gesamtausgaben Chinas lagen und etwa dreimal so hoch wie Russlands waren. Dennoch steht die Region weiterhin vor kritischen Lücken in militärischen Fähigkeiten, von Weltraum- und Kommunikationssystemen bis hin zu Künstlicher Intelligenz (KI).

    „Europa muss sich darauf konzentrieren, den militärischen Output seiner sehr hohen finanziellen Eingaben zu maximieren – es muss mehr Ertrag aus jedem Euro ziehen, um endlich seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen“, sagt Moritz Schularick (https://www.kielinstitut.de/de/expertinnen-und-experten/moritz-schularick/), Präsident des Kiel Instituts und Koautor des Berichts. „Europas Schwäche beruht auf der enormen Ineffizienz seiner Verteidigungsausgaben: Die Streitkräfte bleiben auf nationaler Ebene fragmentiert, was zu niedrigen Produktionsvolumina von Waffen, hohen Stückkosten, begrenzter Spitzentechnologie und politisch mächtigen nationalen Champions führt.“

    Europa verfügt beispielsweise über 14 verschiedene Hauptkampfpanzer-Modelle im Vergleich zu einem Modell der USA sowie über 16 U-Boot-Typen im Vergleich zu vier amerikanischen Typen – und steigende Militärausgaben ohne neue Herangehensweise dürften diese Ineffizienzen weiter verstärken. Ein Blick auf Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas mit rasant steigenden Verteidigungsausgaben, verdeutlicht, dass die Region ihre Schlüsselvorteile – Kapital und Innovation – nicht ausreichend nutzt, um die neuen Mittel für die militärische Verteidigung optimal einzusetzen.

    Bislang hat Deutschland weder nennenswerte Investitionen in Waffen der nächsten Generation getätigt noch seine vorhandene industrielle Basis aktiviert, um die Produktion zu steigern. Von den 2022 vereinbarten zusätzlichen Wehrausgaben in Höhe von 100 Mrd. EUR waren lediglich 3 Prozent für autonome Systeme, Rechenzentren und Satelliten – statt für Panzer und Flugzeuge – vorgesehen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) liegen weiterhin bei nur 2 Prozent der Verteidigungsausgaben – weniger als ein Fünftel des US-Niveaus – und zusammen mit Europa produziert Deutschland nach wie vor nicht genügend Munition oder Luftabwehrsysteme.

    „Deutschland und Europa sollten sich ein Beispiel an der Ukraine nehmen und massiv in autonome, unbemannte Systeme und andere Innovationen investieren“, sagt Johannes Binder (https://www.kielinstitut.de/de/expertinnen-und-experten/johannes-binder/), Forscher am Kiel Institut und Koautor des Berichts. „Wir haben bisher nicht ausreichend in den Schutz vor Drohnen investiert und würden uns heute in derselben Situation befinden wie die Golfstaaten, die mit massenhaft produzierten Low-Tech-Drohnen mit erheblichem Zerstörungspotenzial konfrontiert sind.

    Europa kann seine militärischen Fähigkeitslücken schließen – Geld allein wird dafür allerdings nicht reichen. Die Region benötigt eine strategische Herangehensweise, die sowohl wirtschaftliches Kapital als auch technische Innovationen optimal mobilisiert. Der Bericht schlägt fünf Prinzipien vor, um eine von Technologie und Automatisierung geprägte Verteidigungsindustrie zu fördern. Europäische Länder müssen:

    1. Mehr in militärische F&E investieren – Deutschland allein sollte seine Mittel auf 10 Prozent des Verteidigungsbudgets bzw. 10–15 Mrd. EUR pro Jahr vervierfachen – und durch eine agil gestaltete und autonomere Beschaffung Innovationen auch gezielt einkaufen;

    2. Auf großen Waffenbedarf in Konfliktfällen vorbereitet sein, indem sie Kapazitätsverträge abschließen, die der Industrie die Bereithaltung von Produktionsstätten finanzieren, die bei Bedarf schnell hochgefahren werden können;

    3. Von der Ukraine lernen, indem sie die verteidigungswirtschaftliche Integration mit dem effizientesten und innovativsten regionalen Sicherheitsakteur vorantreiben und die militärische Unterstützung von 5–6 Prozent ihrer Verteidigungsausgaben erhöhen;

    4. Die Waffenbeschaffung zentralisieren und die Produktion harmonisieren, um einen europäischen Verteidigungsmarkt zu schaffen, der durch Skaleneffekte Kosten senkt und die Interoperabilität nationaler Armeen sowie die Produktionsplanung verbessert;

    5. Gemeinschaftliche Eurobonds ausgeben, um fehlende, hoch kapitalintensive militärische Assets wie Satelliten, Langstreckenraketen oder KI zu entwickeln.

    Kiel Policy Brief jetzt lesen: Time to Spend Smart: Ökonomische Leitlinien für kluge Verteidigungsausgaben (https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/time-to-spend-smart-oekonomische-le...)

    Medienkontakt:
    Elisabeth Radke
    Head of Outreach
    +49 431 8814-598
    elisabeth.radke@kielinstitut.de

    Kiel Institut für Weltwirtschaft

    Standort Kiel
    Kiellinie 66
    24105 Kiel

    Standort Berlin
    Chausseestraße 111
    10115 Berlin

    Kontakt
    +49 431 8814-1
    www.kielinstitut.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Moritz Schularick
    Präsident
    T +49 431 8814-259
    moritz.schularick@kielinstitut.de

    Johannes Binder
    Kiel Institute Researcher
    johannes.binder@kielinstitut.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


     

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