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11.03.2026 11:36

Neue Studie: Mutterschaft verringert komplexe Tätigkeiten im Job

Sarah Batelka Hochschulkommunikation und -marketing
Universität Bremen

    Mit der Geburt eines Kindes verlieren viele Frauen im Job einen Teil jener anspruchsvollen und komplexen Aufgaben, die häufig mit besseren Karrierechancen verbunden sind. Mütter übernehmen seltener analytische, komplexe und interaktive Aufgaben. Das zeigt eine neue Studie der Sozialwissenschaftlerinnen Wiebke Schulz von der Uni Bremen und Gundula Zoch von der Uni Oldenburg, die im „Journal of Marriage and Family“ erschienen ist. Die Studie verweist auf einen bislang wenig untersuchten Aspekt geschlechtsspezifischer Ungleichheit.

    Die Untersuchung „The Job Task Penalty for Motherhood” (“Der tätigkeitsbezogene Karriere¬nachteil von Müttern“) analysiert erstmals systematisch, wie sich Mutterschaft auf die inhaltliche Ausgestaltung von Erwerbsarbeit auswirkt. Professorin Wiebke Schulz vom SOCIUM – Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik – der Uni Bremen sagt: „Während viele Studien bislang vor allem Lohnunterschiede oder Erwerbsunterbrechungen in den Blick genommen haben, richtet diese Analyse den Fokus auf die konkreten Aufgaben, die Frauen im Arbeitsalltag übernehmen.“

    Besonders betroffen sind Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren.

    Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Nach der Geburt übernehmen Mütter seltener analytische Tätigkeiten wie anspruchsvolle Lese-, Schreib- oder Rechenaufgaben. Auch komplexe Aufgaben, die Problemlösung, Lernbereitschaft oder den Umgang mit unvorhergesehenen Situationen erfordern, gehen zurück, wie es in der Studie heißt. Gleiches gilt für interaktive Tätigkeiten wie Beratung, Kundenkontakt oder Koordination.
    „Auffällig ist dabei, dass diese Veränderungen vor allem bei Müttern auftreten, die ihre Arbeitszeit reduzieren. Bei unveränderter Arbeitszeit zeigen sich hingegen kaum Verschiebungen im Aufgabenprofil“, hebt Professorin Gundula Zoch, Professorin für die Soziologie sozialer Ungleichheiten an der Universität Oldenburg, hervor.

    Vereinbarkeitsbelastung als zentrale Erklärung

    Keine systematischen Unterschiede finden sich dagegen in Abhängigkeit von der Dauer der Elternzeit oder von Berufswechseln. „Längere Erwerbsunterbrechungen führen nicht automatisch zu stärkeren Verschiebungen im Tätigkeitsprofil. Auch ein Wechsel in eine andere berufliche Position erklärt die Veränderungen nicht“, so Schulz.
    Die Befunde sprechen nach Ansicht der Autorinnen damit vor allem für Erklärungsansätze, die Belastungen durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt stellen. Weniger Unterstützung finden Theorien, die auf Qualifikationsverluste durch längere Auszeiten oder auf bewusste Berufswechsel in vermeintlich familienfreundlichere Tätigkeiten verweisen.

    Bedeutung für Erwerbsverläufe

    Zoch: „Die Studie macht deutlich, dass Mutterschaft nicht nur Einkommen und Erwerbsumfang beeinflusst, sondern auch die Qualität und den Anforderungsgehalt von Arbeit. Gerade analytische und komplexe Tätigkeiten gelten als karriereförderlich und sind häufig mit besseren Aufstiegschancen verbunden.“

    Indem die Untersuchung diese aufgabenbezogenen Nachteile sichtbar macht, verweist sie auf eine bislang oft übersehene Dimension geschlechtsspezifischer Ungleichheit am Arbeitsmarkt. Die Studie unterstreicht nach Angaben der Autorinnen daher die Bedeutung arbeitsmarktpolitischer und betrieblicher Maßnahmen, die nicht nur die Erwerbsbeteiligung von Müttern sichern, sondern auch ihren Zugang zu anspruchsvollen und karriereförderlichen Aufgaben gewährleisten.

    Langzeitdaten aus Deutschland ausgewertet

    Grundlage der Studie im Forschungsmagazin „Journal of Marriage and Family“ sind Paneldaten des Nationalen Bildungspanels für die Jahre 2011 bis 2020. Untersucht wurden die Daten von 1978 Frauen, deren berufliche Tätigkeiten vor und nach einer Geburt miteinander verglichen wurden. Mithilfe von Fixed Effects Modellen konnten Veränderungen innerhalb derselben Person isoliert werden. Dadurch lassen sich Effekte der Geburt von stabilen individuellen Merkmalen unterscheiden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Wiebke Schulz, Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Telefon: +49 421 218-58648, E-Mail: wschulz@uni-bremen.de,
    Prof. Dr. Gundula Zoch, Universität Oldenburg, Institut für Sozialwissenschaften, Tel.: +49 441 798-2152, E-Mail: gundula.zoch@uol.de


    Originalpublikation:

    https://doi.org/10.1111/jomf.70046


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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