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11.03.2026 16:03

Renkhoff Stiftung und Förderkreis der THWS ehren Abschlussarbeiten und Forschungsvorhaben

Eva Kaupp Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

    Politik, Industrie und Gesellschaft aus ganz Mainfranken zu Gast in der Warema-Renkhoff-Aula in Schweinfurt

    Eine Ehrung für hervorragende Abschluss- und Forschungsarbeiten und ein Gedenken an den Stifter: Die jährliche Preisverleihung der Hans-Wilhelm Renkhoff Stiftung an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) ist in diesem Jahr genau auf den Todestag des Stifters gefallen. Ehrensenatorin Angelique Renkhoff-Mücke erinnerte die Festgesellschaft an ihren Vater, bevor sie gemeinsam mit dem Förder- und Freundeskreis der Hochschule sieben Abschlussarbeiten sowie zwei Forschungsvorhaben auszeichnete.

    „Vor über 30 Jahren hat mein Vater die Stiftung ins Leben gerufen – er würde sich sehr freuen zu sehen, dass wissenschaftliches Engagement weiterhin im Mittelpunkt steht, aber er hätte sich nicht vorstellen können, welche große Rolle die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz (KI) spielen würden.“ Renkhoff-Mücke beglückwünschte die Prämierten zu ihren Leistungen, die über das Erwartbare hinausgegangen seien, und forderte sie auf, auf dem Weg in den nächsten Lebensabschnitt Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft zu gestalten.

    Die Festansprache hielt Dr. Matthias Lenhart von perma-tec GmbH & Co. KG zum Thema „Innovation im Mittelstand“: „Wenn wir in Deutschland über Innovation sprechen, dann reden wir nicht über Start-ups oder Großkonzerne – sondern wir reden über den Mittelstand.“ Hier gebe es weniger Bürokratie, mehr Initiative aus der Praxis heraus und den Mut, Innovationen auch schnell umzusetzen. Im Mittelstand gebe es die nötige technologische Tiefe, um mit einem Nischenprodukt zu einem sogenannten „Hidden Champion“ zu werden. Als Beispiel zeichnete er den Weg der Firma perma-tec nach, die ursprünglich Küchengeräte hergestellt hatte, nun aber weltweit auf dem Markt für automatische Schmiersysteme erfolgreich ist. Dennoch sei das frühere Erbe sichtbar, denn der typische Inhalt eines Schmierstoffbehälters – 60 Gramm – lasse sich auf die Größe des von perma-tec in den 30er Jahren patentierten Fleischwolfs zurückführen.

    Anschließend überreichten THWS-Präsident Prof. Dr. Jean Meyer und Angelique Renkhoff-Mücke den Preisträgerinnen und Preisträgern Urkunden für ihre ausgezeichneten Abschlussarbeiten. Die Laudatio hielten deren Betreuer.

    Die prämierten Arbeiten

    Prof. Dr. Ivan Yamshchikov, Leiter des Centers für Künstliche Intelligenz (CAIRO) in Würzburg, betreute drei der ausgezeichneten Abschlussarbeiten. Rodolfo Cacacho Estrada vom Masterstudiengang Artificial Intelligence hatte sich ein vertracktes Problem ausgesucht: die komplexen Förder- und Regulierungsdokumente der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Nicht nur Laien, sondern auch Fachleute stünden hier wegen komplexer Sprache, ständigen Aktualisierungen sowie schwer zugänglichen Inhalten vor Schwierigkeiten. Nun soll dieses System durch den eigens entwickelten THWSBauBot leichter zugänglich werden. „Diese Arbeit verbindet technische Sorgfalt mit praktischem Nutzen und stellt eine überzeugende Masterleistung dar“, so Prof. Dr. Yamshchikov.

    Er würdigte außerdem die Abschlussarbeit von Felix Golla vom Masterstudiengang Digital Business Systems. Die Abschlussarbeit stellte eine Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Bildungstechnologie dar. Golla hatte drei spezialisierte KI-Agenten entwickelt, damit personalisierte Lerninhalte für Studierende bereitgestellt werden können, ohne die Kontrolle über sensible Daten zu verlieren und die Privatsphäre der Studierenden zu gefährden.

    Eine weitere ausgezeichnete Arbeit mit künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt stammt von Marius Oechslein, wiederum vom Masterstudiengang Artificial Intelligence. Prof. Dr. Yamshchikov würdigte seinen Beitrag zur Lösung eines Problems aus der industriellen Praxis: Wie lassen sich heterogene Datenbestände zu Wälzlagern, bestehend aus Sensormessungen, Bildern und technischen Berichten, für eine intuitive Abfrage in natürlicher Sprache zugänglich machen? Die Arbeit entstand in Kooperation mit der Schaeffler Technologies AG & Co. KG, was die Relevanz des Themas zeige. Prof. Dr. Yamshchikov lobte nicht nur den unmittelbaren Nutzen der Arbeit, sondern auch ihre Übertragbarkeit auf andere Branchen mit ähnlichen Herausforderungen.

    Prof. Dr. Volker Willert vom Center für Robotik (CERI) in Schweinfurt zeichnete ebenfalls eine Arbeit mit dem Schwerpunkt künstliche Intelligenz im Bachelorstudiengang Robotics aus. Menschen verstünden recht schnell die Eigenschaften eines Rechtecks – gerade Linien, die in rechten Winkeln aufeinandertreffen. Doch Sensordaten eines dreidimensionalen Rechtecks werden von künstlicher Intelligenz nicht als solche verstanden und verzerrt wiedergegeben. Dieses Problem lasse sich nur mit komplexer Mathematik beheben, sodass es zwei Jahre lang keiner seiner Bachelorstudierenden hatte anpacken wollen, schilderte Prof. Dr. Willert. „Doch Shubham Joshi hat der künstlichen Intelligenz geometrische Manieren beigebracht, und es geschafft, das in eine mathematische Formel zu packen.“ Seine Erkenntnisse seien vor allem für die Automatisierung in der Logistikbranche äußerst relevant, da sich mit derart korrigierten Daten die Position eines Pakets im Raum präzise bestimmen lasse.

    Die Informatik-Bachelorarbeit von Amelie Popp wurde von Prof. Dr. Frank-Michael Schleif per Videobotschaft gewürdigt. Er lobte ihre Verlässlichkeit, Klarheit im Denken und den Mut, sich in ein Thema einzuarbeiten, das alles andere als leicht sei. Sie hatte sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Arbeitsabläufe in einer Biogasanlage für maximalen Profit optimieren lassen, wenn komplexe Rahmenbedingungen keine Standardlösung zulassen. Diese Aufgabe habe sie mit hoher Präzision und bemerkenswerter Eleganz gelöst.

    Eine „wissenschaftliche Kraftanstrengung“ bescheinigte Laudator Prof. Dr. Christian Fischer der Abschlussarbeit von Franka Schneider vom Bachelorstudiengang Bauingenieurwesen. Sie hatte sich mit der Dauerhaftigkeit von Stahlbetonwerken aufgrund von Korrosionsschäden durch Tausalz beschäftigt. An ihre Arbeit sei sie mit derselben absoluten Genauigkeit und einem tiefen Verständnis für komplexe Systeme herangegangen wie an ihre ehrenamtliche Arbeit als Kampfrichterin im Geräteturnen, beschrieb Prof. Dr. Fischer. Schon die Liste der verwendeten Methoden zeige, dass die Akribie ihrer Arbeit weit über das übliche Maß einer Bachelorarbeit hinausgehe. Prof. Dr. Fischer bezeichnete Franka Schneider als hervorragende Analytikerin und ihre Arbeit als wichtigen Baustein für ein nachhaltiges Bauwesen.

    Die Auszeichnung des Förder- und Freundeskreises der THWS ging an Julian Grein für seine Abschlussarbeit im Masterstudiengang Design und Information. Die Laudatorin, Prof. Gertrud Nolte, nahm das Publikum mit auf eine Reise zum Meer als Raum der Arbeit und des globalen Handels: Julian Grein hatte sich in seiner Arbeit mit den vielfältigen Aspekten der Großcontainer-Handelsschifffahrt beschäftigt. Ein wesentlicher Teil waren seine Feldforschungen an den Häfen von Taiwan, Vietnam und Deutschland, so Nolte. Neben einem empirischen Forschungsansatz hatte er außerdem ein Videospiel entwickelt, das auf spielerisch-interaktive Weise die verborgenen Aspekte der Schifffahrt entdecken lasse. Prof. Nolte lobte vor allem seine Bereitschaft, bei jedem neuen Projekt mit zuvor unbekannten Medien und Techniken zu experimentieren.

    Förderung für Forschungsvorhaben
    Außerdem zeichnete die Hans-Wilhelm Renkhoff Stiftung erneut zwei Forschungsvorhaben mit je 20.000 Euro aus. Prof. Dr. Jan Schmitt, THWS-Vizepräsident für Forschung und Gründung, überreichte die Preise an Prof. Dr. Miguel Gonzalez-Salazar für ein Verfahren, um CO₂ aus Meerwasser zu entfernen, sowie an Prof. Dr. Alexander Versch für die Entwicklung von Baumodulen mit 3D-Betondruck.

    Zum Abschluss sprach THWS-Präsident Prof. Dr. Jean Meyer der Renkhoff Stiftung den Dank der gesamten Hochschule aus und gratulierte den Prämierten nochmals zur ihren hervorragenden Arbeiten, bevor die Festgesellschaft den Abend am Buffet ausklingen ließ.


    Bilder

    Die prämierten Absolventinnen und Absolventen sowie Laudatoren in der Warema-Renkhoff-Aula der THWS
    Die prämierten Absolventinnen und Absolventen sowie Laudatoren in der Warema-Renkhoff-Aula der THWS
    Quelle: THWS/Eva Kaupp
    Copyright: THWS/Eva Kaupp


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Personalia, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Die prämierten Absolventinnen und Absolventen sowie Laudatoren in der Warema-Renkhoff-Aula der THWS


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