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11.03.2026 17:10

Architektur-Auszeichnungen en masse: Reallabor Ingersheim als Vorreiter

Uta Krauss Stabstelle Kommunikation und Marketing
Hochschule Konstanz

    Die HTWG - Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung ist federführend am Forschungsprojekt „Stuttgart 210“ beteiligt, dessen erstes realisiertes Pilotprojekt – das Reallabor in Ingersheim – hohe Anerkennung erhält. Das Kooperationsvorhaben wurde mit der Silbermedaille beim International Prize for Sustainable Architecture ausgezeichnet, erreichte Platz zwei der Publikumslieblinge bei Swiss/Austrian/German Architects, kam in die engere Wahl beim Deutschen Holzbaupreis 2025 und war für den Deutschen Architektur Preis 2026 nominiert.

    Upcycling at its best
    Nachhaltiges Handeln wird in diesem Vorhaben exemplarisch eingelöst: Ausgangspunkt sind die auf der Baustelle des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs eingesetzten Betonschalungen aus Brettsperrholz. Sie dienen unter anderem zur Herstellung der charakteristischen Kelchstützen und werden üblicherweise als Sondermüll entsorgt. Das Forschungsprojekt „Stuttgart 210“ untersucht, wie diese Schalelemente stofflich erhalten und im Sinne eines Upcyclings als Primärkonstruktion neuer Gebäude eingesetzt werden können. Ziel ist es, bislang als Bauhilfsmittel betrachtete Elemente in tragende Bauteile zu überführen und damit einen substanziellen Beitrag zu einem ressourcenschonenden Bauen zu leisten.

    Gemeinschaft schafft Baukultur
    Das Projekt ist ein Kooperationsvorhaben im besten Sinne: Die Entwürfe der Reallabore in Marbach, Mannheim und Konstanz stammen von HTWG-Prof. Dipl.-Ing. Stefan Krötsch, seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Roman Kreuzer und den wissenschaftlichen Hilfskräften Katharina Raabe und Maximilian Stemmler. „Wir setzen in unseren Forschungsprojekten gerne Reallabore um, um unsere theoretischen Erkenntnisse in einem harten Praxistest zu evaluieren. So schaffen wir Freiräume für relevante Experimente, die uns zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen“, so Prof. Stefan Krötsch.

    Für das Reallabor in Ingersheim war außerdem Prof. Dipl.-Ing. Andreas Kretzer von der Hochschule für Technik Stuttgart Teil des Entwurfsteams. Eine Besonderheit lag in der aktiven Einbindung seiner internationalen Studierenden: Die ovale Gebäudehülle wurde in einem zweiwöchigen Workshop von mehr als vierzig türkischen, indischen und deutschen Studierenden des Master-Studiengangs Innenarchitektur (IMIAD), unter Anleitung der Mitarbeitenden der HTWG Konstanz und von Prof. Kretzer vorgefertigt und vor Ort montiert. „Hier konnten wir unser Wissen das erste Mal so richtig auf der Baustelle erproben, gemeinsam praxisnah die letzten Details entwickeln und dabei über uns hinauswachsen,“ berichtet Katharina Raabe.

    Zur Realisierung trugen auch zahlreiche lokale Akteure bei: Die Bürgermeisterin von Ingersheim, Simone Lehnert, mobilisierte breite Unterstützung in der Gemeinde, Handwerksbetriebe engagierten sich teils ehrenamtlich, der DRK-Ortsverein, Sportvereine und weitere Freiwillige sorgten für Unterbringung und Verpflegung der Studierenden. Unternehmen wie Häfele und Würth unterstützten das Projekt durch Sachleistungen, Materialspenden und Infrastruktur – ein dichtes Netzwerk aus Hochschule, Kommune, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, das die Umsetzung überhaupt erst möglich machte. Wie Georg Zimmer, Bauamtsleiter der Gemeinde Ingersheim, betont: „Unter unserem Leitbild „Ingersheim schafft Gemeinschaft“ haben wir mit dem Reallabor „Jugendtreff“ ein identitätsstiftendes Gemeinschaftsprojekt geschaffen, das ohne die Innovationskraft und hervorragende Zusammenarbeit mit den Hochschulen nicht möglich gewesen wäre. Das Reallabor und der entstandene Jugendtreff wirken nachhaltig in Ingersheim.“

    Ausstellung
    Die Ergebnisse des Forschungsprojekts Stuttgart210 sind in einer Ausstellung dokumentiert, die Ende 2024 im Stadtpalais Stuttgart zu sehen war, folgend im Foyer der Hochschule für Technik Stuttgart und im Regierungspräsidium Karlsruhe. Nun wandert die Ausstellung ins Bückle-Areal nach Konstanz, wo derzeit aufgrund des Umbaus die Architekturstudierenden der HTWG untergebracht sind.

    Fazit
    Die wissenschaftlichen Hilfskräfte profitieren besonders von der Praxisnähe im Studium. Maximilian Stemmler stellt fest: „Das Reallabor in Ingersheim war für uns ein besonderer Praxistest und ein gemeinsames Experiment mit vielen Beteiligten. Gleichzeitig hat das Projekt den Grundstein für die Umsetzung eines weiteren Reallabors gelegt. Wir freuen uns, unsere Erfahrungen auch am Hochschultag der Architektur des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten in Berlin zu teilen und dort ins Gespräch zu kommen.“

    Das Zusammenspiel aus akademischer Lehre, handwerklicher Praxis und bürgerschaftlichem Engagement macht das Reallabor Ingersheim zu einem prototypischen Beispiel für gemeinschaftlich getragenes Bauen mit Re-Use-Materialien.

    Das Projekt wurde gefördert vom Ministerium für Ernährung, ländlichen Raum und Verbrauchschutz Baden-Württemberg und der Holzbau Offensive Baden-Württemberg.


    Weitere Informationen:

    https://www.stuttgart210.de Mehr erfahren


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Bauwesen / Architektur
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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