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12.03.2026 08:32

Paragrafen, die sprechen: Jurastudierende an der Universität Greifswald trainieren Rhetorik für die Praxis

Dr. Elisabeth Böker Hochschulkommunikation
Universität Greifswald

    Rechtswissenschaften gelten schnell als trockenes Fach: Paragrafen wälzen, Gesetzestexte analysieren, Gutachten schreiben. Ein Studium, das stark auf Schriftlichkeit und theoretisches Wissen ausgerichtet ist. Doch das trifft längst nicht alles. Das Seminar „Rhetorik im Jurastudium“ an der Universität Greifswald zeigt, dass Jurastudium und Kommunikation eng zusammengehören. Hier lernen Studierende, komplexe rechtliche Sachverhalte verständlich und überzeugend zu vermitteln – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern vor Publikum.

    „Im Jurastudium wird vor allem rechtliches Normwissen vermittelt und es dominieren schriftliche Darstellungsformen“, erklärt Seminarleiter Thilo Tröger. Klausuren, Hausarbeiten, Gutachten – all das trainiert die schriftliche Argumentation bis ins Detail.
    Für die spätere Berufspraxis jedoch reicht Fachwissen allein nicht aus. „Für die Berufspraxis dagegen ist neben den Rechtskenntnissen eine kommunikative Kompetenz entscheidend: Jurist*innen müssen wirkungs- und adressatenorientiert sprechen und hierfür zum Beispiel auf Körperkommunikation oder Sprechausdruck achten. Um das Vertrauen ihrer Mandant*innen oder von Prozessbeteiligten zu gewinnen, müssen sich Anwält*innen oder Richter*innen in die Situation ihres Gegenübers hineinversetzen und sich vor ihm oder ihr verständlich ausdrücken können“, so Tröger.

    Fünf Minuten, ein Publikum, ein Test

    Das wurde im Seminar praktisch erprobt: In fünfminütigen Kurzvorträgen präsentierten die Studierenden juristische Themen – adressatengerecht auf ein Laienpublikum zugeschnitten. Dabei kamen auch Visualisierungen zum Einsatz, die lernpsychologisch sinnvoll gestaltet wurden. „Wie können Stichpunkte auf PowerPoint-Folien sinnvoll gestaltet werden? Wie schafft man anschauliche Text-Bild-Verknüpfungen? Wie müssen grafische Gestaltgesetze berücksichtigt werden?“ – Erstmals ließen sich einige Teilnehmende bei der Folienerstellung auch von der KI unterstützen und inspirieren.

    Perspektivwechsel inklusive

    Besondere Dynamik erhielt das Seminar durch die Zusammenarbeit mit dem „Argumentations- und Präsentationstraining“ im Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft. Studierende der Kommunikationswissenschaft gaben Feedback aus der Perspektive von Nicht-Jurist*innen – ein wertvoller Realitätscheck. „Wir haben viel Neues gelernt und einen interessanten Einblick in das Studienfach der anderen bekommen“, berichteten die Teilnehmenden anschließend.

    Auch Dr. Martha Kuhnhenn, Dozentin des Kommunikationswissenschaftsseminars, betont den Mehrwert: „Wertschätzendes und gleichzeitig konkret-produktives Feedback zu geben – auch zu Themen außerhalb des eigenen Fachgebiets – ist eine zentrale mündliche Schlüsselkompetenz. Ich hoffe, dass wir diese Zusammenarbeit wiederholen und idealerweise verstetigen können.“

    Jurastudentin Linh Michelle Nguyen beschreibt die Kooperation als „sehr aufschlussreich“, besonders mit Blick darauf, „wie verständlich juristische Themen von Nicht-Jurastudierenden wahrgenommen und vermittelt werden“. Ergänzend hätte sie sich auch praxisnahes Feedback aus juristischer Perspektive gewünscht, insgesamt bewertet sie den fachübergreifenden Austausch jedoch sehr positiv.

    Das Seminar macht deutlich: Juristisches Wissen überzeugt erst, wenn es verständlich vermittelt wird – und die Fähigkeit zu sprechen ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildung.

    Weitere Informationen

    In der Reihe NomosStudium ist die zweite Auflage des Lehrbuchs „Neuauflage von ‚Rhetorik im Jurastudium. Recht reden.‘“ erschienen. Autor ist Thilo Tröger, M. A., wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Greifswald. Das Buch vermittelt, wie Jurist*innen mündlich argumentieren, überzeugend präsentieren und komplexe Inhalte verständlich erklären können – zentrale Schlüsselkompetenzen für Studium und Berufspraxis. Die zweite Auflage enthält aktualisierte Beispiele, praxisnahe Übungen, Hinweise zur Visualisierung von Fachvorträgen und ein erweitertes Stichwortverzeichnis.

    Für Medienvertreter*innen:
    Wir stellen Ihnen unter https://ugreif.de/fp8kr Fotos für die Berichterstattung, die im direkten Zusammenhang mit der Medieninformation stehen, bereit. Bei der Verwendung ist das Copyright zu beachten.

    Ansprechpartner*innen an der Universität Greifswald

    Thilo Tröger, M. A.
    Mediator im Team Konfliktberatung und Mediation
    Ernst-Lohmeyer-Platz 1, 17489 Greifswald
    Telefon +49 3834 420 2173
    ttroeger@uni-greifswald.de

    Priv.-Doz. Dr. Martha Kuhnhenn
    Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft
    Ernst-Lohmeyer-Platz 3, 17489 Greifswald
    Telefon +49 3834 420 3411
    martha.kuhnhenn@uni-greifswald.de


    Bilder

    Rhetorik im Jurastudium
    Rhetorik im Jurastudium
    Quelle: Foto: Martha Bahls/UG


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Medien- und Kommunikationswissenschaften, Recht
    überregional
    Organisatorisches, Studium und Lehre
    Deutsch


     

    Rhetorik im Jurastudium


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