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12.03.2026 11:00

Konjunktur aktuell: Ölpreisschock gefährdet Erholung in Deutschland

Rafael Barth Kommunikation
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

    Weltweit höhere Energiepreise infolge des neuen Golfkriegs verschlechtern die Aussichten für die deutsche Konjunktur, auch wenn Mehrausgaben der öffentlichen Hand die gesamtwirtschaftliche Expansion in diesem und im kommenden Jahr stützen werden. Nach der Frühjahrsprognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) dürfte die Produktion im Jahr 2026 um 0,7% und im Jahr 2027 um 1% zunehmen. Ähnliche Ex-pansionsraten sind auch für Ostdeutschland zu erwarten. Im Dezember waren die IWH-Konjunkturforscher von einem Zuwachs von 1% sowohl für 2026 als auch für 2027 ausgegangen.

    Im Frühjahr 2026 kommt die Weltwirtschaft in unruhiges Fahrwasser, denn infolge des Kriegsausbruchs am Golf ist der Ölpreis (Brent) zuletzt auf über 100 US-Dollar je Barrel geklettert. Der Preisschock trifft auf eine Weltwirtschaft, die sich bislang angesichts der drastischen US-Zollerhöhungen als bemerkenswert robust erwiesen hat. Das gilt auch für den Welthandel und speziell für die chinesische Exportwirtschaft.

    In den USA wird die Konjunktur von Investitionen in den Tech-Sektor getrieben. Zudem wird dort mit sinkenden Leitzinsen gerechnet. Zudem ist die US-Finanzpolitik, wie auch die in Deutschland und in Japan, im laufenden Jahr expansiv ausgerichtet. Im Euroraum bleibt die Dynamik zwar bescheiden, sie wird aber weiter von steigenden Reallöhnen und recht günstigen Finanzierungsbedingungen gestützt. Die vorliegende Prognose unterstellt, dass die Energiepreise im zweiten Halbjahr 2026 wieder deutlich zurückgehen. Sowohl im Jahr 2026 als auch im Jahr darauf dürfte die Weltproduktion um 2,6% zunehmen.

    Der Krieg am Golf verschlechtert die Aussichten auch für die deutsche Konjunktur: Die gestiegenen Energiepreise belasten die Einkommen der privaten Haushalte und erhöhen die Produktionskosten. In der vorliegenden Prognose wird unterstellt, dass die Energiepreise in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder sinken. Unter solchen Voraussetzungen beträgt der Effekt auf die Inflation in Deutschland im Jahr 2026 etwa 0,5 Prozentpunkte, und der Dämpfer für die Realwirtschaft ist nicht groß.

    Gestützt wird die Konjunktur in diesem und im kommenden Jahr von Mehrausgaben der öffentlichen Hand für Rüstung und Infrastrukturinvestitionen. Danach wird die Finanzpolitik allerdings auf einen Konsolidierungskurs einschwenken müssen.

    „Was die Konjunktur im laufenden Jahr zusätzlich stützen dürfte, ist eine Stabilisierung der Exporte. Denn es wird wohl kein weiterer negativer Impuls vonseiten der US-Zoll-politik kommen, und die internationale Konjunktur bleibt nach vorliegender Prognose robust“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Im ersten Halbjahr 2026 dürfte die Erholung aber nur verhalten ausfallen, auch weil die höheren Energiekosten den privaten Konsum etwas dämpfen. Auch dürfte die kalte Witterung zu Jahresanfang die Bauaktivität im ersten Quartal gesenkt haben. In der zweiten Jahreshälfte dürfte die Belebung dann etwas an Schwung gewinnen.

    Ein erhebliches Konjunkturrisiko stellen der Krieg am Persischen Golf und insbesondere die in seiner Folge gestiegenen Energiepreise dar. Diese könnten länger als hier unterstellt hoch bleiben, etwa wenn es für Tanker weiter zu riskant ist, die Straße von Hormus zu benutzen. Weil es für Flüssiggas ebenso wie für Erdöl einen integrierten Weltmarkt gibt, spielt es dabei keine große Rolle, dass bisher wenig Gas aus der Golfregion nach Europa geliefert wurde. Ein dauerhafter Preisanstieg für Energieträger in Europa würde die Inflationsraten stärker erhöhen und möglicherweise die Europäische Zentralbank veranlassen, ihre geldpolitischen Zügel anzuziehen. Sollte es allerdings nach Kriegsende zu einer Reintegration des Iran in den Welthandel kommen, wären mittelfristig auch positive Effekte für die deutsche Wirtschaft denkbar.

    Die Langfassung der Prognose enthält einen Kasten zur Schätzung des Produktions-potenzials.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Dr. Oliver Holtemöller
    Tel +49 345 7753 800
    oliver.holtemoeller@iwh-halle.de
    https://www.iwh-halle.de/ueber-das-iwh/team/detail/oliver-holtemoeller


    Originalpublikation:

    Drygalla, Andrej; Exß, Franziska; Heinisch, Katja; Holtemöller, Oliver; Kämpfe, Martina; Kozyrev, Boris; Lindner, Axel; Mukherjee, Sukanya; Sardone, Alessandro; Schultz, Birgit; Zeddies, Götz: Konjunktur aktuell: Ölpreisschock gefährdet Erholung in Deutschland. IWH, Konjunktur aktuell, Jg. 14 (1), 2026. Halle (Saale) 2026.


    Weitere Informationen:

    https://www.iwh-halle.de/fileadmin/user_upload/publications/konjunktur_aktuell/K... Konjunktur aktuell: Ölpreisschock gefährdet Erholung in Deutschland. IWH, Konjunktur aktuell, Jg. 14 (1), 2026. Halle (Saale) 2026.


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    Anhang
    attachment icon Konjunktur aktuell: Ölpreisschock gefährdet Erholung in Deutschland

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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