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17.03.2026 09:00

Ganzheitlich betrachtet: Wie lässt sich Bildungsungleichheit reduzieren?

Philip Stirm Referat Kommunikation
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

    Es ist eine der drängendsten Fragen des deutschen Bildungssystems: Wie lassen sich soziale Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen im Bildungserfolg und bei der gesellschaftlichen Teilhabe verringen? Ein neuer Sammelband bereitet hierzu aktuelle Forschungsbefunde auf. Sie zeigen, wie sich Bildungsbarrieren überwinden lassen und wo Potenziale für mehr Bildungschancen liegen. Im Kern geht es um einen ganzheitlichen Blick auf die Lebenswelt junger Menschen sowie verzahnte und kooperativ umgesetzte Angebote. Herausgeber*innen des Bands sind Forschende des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

    „Das Besondere an den neuen Studien ist, dass sie die gesamte Lebenswelt und alle Lerngelegenheiten der Kinder und Jugendlichen in den Fokus nehmen – von den frühen Jahren bis ins junge Erwachsenenalter, von der Schule über die außerschulischen Bildungsorte bis hin zu den Familien und Peergruppen“, erläutert Dr. Jan Scharf vom DIPF. Er hat den Sammelband zusammen mit Katharina Damm (DIPF), Prof. Dr. Susanne Kuger (DJI) sowie Prof. Dr. Kai Maaz (DIPF) herausgegeben. Scharf betont: „Die empirische Grundlage der Beiträge ist häufig die Perspektive der jungen Menschen selbst. Hinzu kommen die Erfahrungen des lokalen Personals aus Schule, Kommunen oder Sozialarbeit.“

    Die Beiträge des Sammelbands identifizieren insgesamt drei wesentliche Ansätze zur Reduzierung von Bildungsbenachteiligungen, die in Zusammenhang mit dem familiären Hintergrund oder der räumlichen Herkunft stehen:

    • Anerkennung vielfältiger Lebenswelten: Ein breiter Bildungsbegriff, der Bildungserfahrungen auch außerhalb von Schule einbezieht, bietet neue Möglichkeiten. Indem die heterogenen Lebenswelten junger Menschen und ihre unterschiedlichen Ressourcen und Bedürfnisse stärker anerkannt werden, können Angebote passgenauer gestaltet und Erfahrungsalternativen neben formaler Bildung geschaffen werden.

    • Gebündelte Kompensation: Wenn verschiedene sozialstaatliche Angebote aus Bereichen wie der Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheit oder Integration zusammenwirken, können nachhaltige Hilfestellungen entwickelt werden, um Benachteiligung zu kompensieren.

    • Kooperation im Sozialraum: Wenn die unterschiedlichen Gruppen von Akteur*innen im Sozialraum der Lernenden erfolgreich in Netzwerken kooperieren, können sie mit ihren Erfahrungen und Expertisen gemeinsam einen Beitrag für mehr Bildungschancen leisten.

    Entstanden ist der Sammelband aus der Zusammenarbeit im vom DIPF koordinierten und gemeinsam mit dem DJI und der Freien Universität Berlin durchgeführten Projekt „ABIBA | Meta“. Das Metavorhaben hat in den vergangenen Jahren zwölf Forschungsprojekte vernetzt, die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen des Schwerpunkts „Abbau von Bildungsbarrieren“ an verschiedenen Einrichtungen gefördert wurden. Ziel der Projekte war es, die Bedingungen von Bildungsbenachteiligungen zu erforschen und Ansätze zu entwickeln, um diese zu reduzieren. Eine zentrale Aufgabe von ABIBA | Meta bestand darin, die neuen Ergebnisse dieser Projekte zusammenzuführen, aus einer übergreifenden Perspektive zu diskutieren und für Wissenschaft und Praxis einzuordnen.

    Die einzelnen Beiträge des Sammelbands behandeln unter anderem Forschungsfragen zu den Themen Bildungssteuerung und Kommunen, non-formale Bildungsangebote, Resilienz und Wohlbefinden bei Kindern sowie zum Übergang von der Schule in den Beruf. Im Schlussteil präsentiert das Team von ABIBA | Meta einen ersten systematischen Überblick über den allgemeinen Forschungsstand zum Gesamtthema. Außerdem werden Schlussfolgerungen aus den neuen Befunden der Projekte des Förderschwerpunkts gezogen.

    Der Sammelband mit Beiträgen von Forschenden aus den beteiligten Projekten ist im Waxmann-Verlag als Open-Access-Publikation erschienen: http://www.waxmann.com/buch200095

    Mehr Informationen zum Projekt ABIBA | Meta: http://www.abiba-meta.de

    Pressekontakt: Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, p.stirm@dipf.de

    Über das DIPF:

    Das DIPF ist das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation mit Standorten in Frankfurt am Main und in Berlin. Es will dazu beitragen, Herausforderungen in der Bildung und für das Erforschen von Bildung zu bewältigen. Dafür unterstützt das Institut Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen, Wissenschaft, Verwaltung und Politik mit Forschung, digitaler Infrastruktur und Wissenstransfer. Übergreifendes Ziel seiner Aktivitäten ist eine qualitätsvolle, verantwortliche, international anschlussfähige und Gerechtigkeit fördernde Bildung, die zudem bestmöglich erforscht werden kann. http://www.dipf.de

    Über das DJI:

    Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) ist eines der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute Europas. Aktuell arbeiten etwa 380 Mitarbeitende an den beiden Standorten München und Halle (Saale). In fünf Fachabteilungen untersuchen Forscher*innen die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie die damit zusammenhängenden sozialstaatlichen Angebote und Maßnahmen. Seit über 60 Jahren beraten die Expert*innen des DJI Politik und Verwaltung. Sie analysieren gesellschaftliche Trends, begleiten neue fachliche Entwicklungen wissenschaftlich, erarbeiten Prognosen für die Zukunft und liefern wichtige Impulse für die Fachpraxis. http://www.dji.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Jan Scharf, DIPF, +49 (0)69 24708-446, j.scharf@dipf.de


    Originalpublikation:

    Scharf, J., Damm, K., Kuger, S. & Maaz, K. (Hrsg.) (2026). Bildungsbarrieren identifizieren – Bildungschancen entwickeln. Potenziale verschiedener Lernumwelten beim Abbau von Ungleichheit. Münster: Waxmann. http://www.waxmann.com/buch200095


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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