Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation in Berlin eröffnet – Gießen wird Standort eines Koordinationsbüros
Das Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT) ist offiziell eröffnet: Mit einem Festakt im Futurium in Berlin haben das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), die Universität Kassel und die Hochschule Geisenheim University den Start eines neuen, auf Dauer angelegten Agrarforschungszentrums gefeiert. Gießen wird damit Sitz des hessischen Koordinationsbüros des IAT. In fünf Reallaborregionen in Brandenburg und Hessen sollen künftig gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft innovative Lösungen für zentrale Herausforderungen in Landwirtschaft und Ernährungssystemen entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt werden.
Das IAT baut auf der Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) vom November 2024 auf. Realisiert wird das Vorhaben über eine Aufstockung der Grundfinanzierung des ZALF in Höhe von 7,2 Millionen Euro im Jahr 2026 und 9,5 Millionen Euro jährlich ab 2027. Mit der Eröffnung des IAT erweitert das ZALF seinen traditionsreichen Forschungsstandort in Müncheberg erstmals dauerhaft um neue Standorte in Hessen – darunter Gießen. Für die JLU sind drei gemeinsame Berufungen mit der Leibniz-Gemeinschaft geplant.
Im Mittelpunkt des IAT stehen fünf Reallabore als langfristige Kooperations- und Experimentierräume. Anders als klassische Forschungsprojekte sind sie auf viele Jahre angelegt und betrachten Agrar- und Ernährungssysteme nicht isoliert auf Ebene einzelner Betriebe, sondern auf regionaler Landschaftsebene im Zusammenspiel von Produktion, Verarbeitung, Vermarktung und gesellschaftlichen Erwartungen. Im Gießener Reallabor stehen die hessischen Mittelgebirge und integrierte Pflanzen-Tier-Agrarsysteme im Fokus. Weitere hessische Reallabore befassen sich mit der Nordhessischen Lössebene und der intensivierten ökologischen Landwirtschaft sowie mit dem Rheingau und der multifunktionalen, klimaresilienten Weiterentwicklung von Weinbausystemen.
„Unsere Gesellschaft benötigt innovative und zugleich praxistaugliche Lösungen für eine Landwirtschaft, die wettbewerbsfähig, umweltschonend und klimaresilient ist. Dass Gießen mit dem Innovationszentrum zu einem Standort des ZALF wird, ist für die renommierte Agrarforschung der JLU eine große Chance“, betonte JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz. „In unserem Potenzialbereich Agrarsysteme und Ressourcen geht es um die Grundlagen für die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrung, Energie und nachwachsenden Rohstoffen durch die Landwirtschaft. Ich bin sehr gespannt darauf, wie unsere Forschenden in den Reallaboren gemeinsam mit den Partnern praxisnahe Lösungen entwickeln werden.“
In den JLU-Agrarwissenschaften ist die Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit dem ZALF groß. Prof. Dr. Lutz Breuer (Professur für Landschafts-, Wasser- und Stoffhaushalt) betont stellvertretend für seine Kolleginnen und Kollegen die Besonderheit der Reallabore: „In unserer Arbeit werden wir nicht nur die reinen Produktionszahlen und Erträge betrachten, sondern auch die Auswirkungen auf die Umwelt und die Akzeptanz in der Gesellschaft – gemeinsam mit den Praxispartnern in der Landwirtschaft.“ Prof. Dr. Michael Frei (Professur für Pflanzenbau und Ertragsphysiologie) ergänzt: „Wir werden uns mit unseren Kompetenzen bei der Diversifizierung von Anbausystem in das IAT einbringen. Dabei berücksichtigen wir sowohl die pflanzliche als auch die tierische Produktion.“
Am IAT sollen die Beteiligten Lösungen nicht nur wissenschaftlich entwickeln, sondern sie von Beginn an unter realen Bedingungen gemeinsam erproben, weiterentwickeln und auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen. Im Fokus stehen dabei unter anderem klimaangepasste Produktionsweisen, ressourcenschonende Bewirtschaftung, der Umgang mit Wasser, Böden und Artenvielfalt, regionale Wertschöpfungsketten sowie die Verbindung von Energie- und Landwirtschaft, etwa durch Agri-Photovoltaik.
Prof. Dr. Frank Ewert, Wissenschaftlicher Direktor des ZALF, erklärt: „Mit der Eröffnung des IAT wollen wir uns als ZALF, verstärkt durch die enge Kooperation mit den hessischen Hochschulen in Gießen, Kassel und Geisenheim, zu einem führenden Akteur in der landwirtschaftlichen Reallaborforschung weltweit entwickeln und neue Maßstäbe im Transfer von Innovationen aus der Forschung in die Praxis setzen.“
Für die wissenschaftliche Begleitung der Reallabore werden in den kommenden Monaten am ZALF 15 neue Forschungsarbeitsgruppen und drei Servicearbeitsgruppen aufgebaut. Neun dieser Gruppen werden durch gemeinsam eingerichtete Professuren getragen, die zusammen mit den hessischen Partnerhochschulen und weiteren Hochschulen besetzt werden. Drei gemeinsame Professuren sind für die JLU geplant. Für die Zusammenarbeit mit den hessischen Partnereinrichtungen entstehen Standorte in Gießen, Kassel und Geisenheim. Unterstützt werden die Forschungsaktivitäten durch ein Koordinationsbüro in Müncheberg mit einer Außenstelle in Gießen sowie durch Netzwerkmanagerinnen und Netzwerkmanager in allen Reallaboren. In Hessen kooperiert das IAT darüber hinaus eng mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).
https://www.zalf.de/de/struktur/iat/
Die hessischen Mittelgebirge stehen im Fokus des Reallabors mit Gießener Beteiligung.
Quelle: Michael Hauschild
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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