Wer im Alter regelmäßig Fahrrad fährt, kann seine Fahrkompetenz am Steuer länger erhalten – auch wenn Radfahrende nicht automatisch „bessere“ Autofahrerinnen und Autofahrer sind. Darauf weisen Ergebnisse einer von der BASt geförderten sechsjährigen Längsschnittstudie zum sicheren Fahren von Senioren des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung (IfADo) in Kooperation mit dem uzbonn hin.
260 aktive Autofahrerinnen und Autofahrer im Alter von 67 bis 78 Jahren absolvierten über rund sechs Jahre hinweg wiederholt eine etwa 45 minütige Fahrt im Fahrsimulator, ergänzt um Tests und Befragungen zu Gesundheit, Kognition und Fahrbiografie. Erfasst wurde, wie sicher sie typische schwierige Verkehrssituationen meistern – etwa Linksabbiegen, Spurwechsel oder Fahren bei schlechter Sicht. Zusätzlich gaben die Teilnehmenden an, wie häufig sie Fahrrad fahren und welche anderen körperlichen Aktivitäten sie ausüben.
Radfahren verzögert altersbedingten Abbau im Hinblick auf sicheres Autofahren
Nach sechs Jahren mit insgesamt bis zu vier Fahrten pro Teilnehmendem zeigte sich: Regelmäßiges Radfahren ging nicht mit generell besserem Fahrverhalten einher, wohl aber mit einer geringeren Verschlechterung des Fahrverhaltens über die sechs Jahre. „Unsere Daten belegen: Radfahren verbessert zwar nicht grundlegend das Fahrverhalten, es könnte aber dazu beitragen, den altersbedingten Abbau im Hinblick auf sicheres Autofahren zu verzögern“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Stephan Getzmann, Leitung der Forschungsgruppe „Altern“ am IfADo.
Wer nie oder selten Rad fuhr, zeigte im Mittel eine leichte Zunahme des abgeleiteten Risiko-Indexes pro Jahr, während sich dieser Index bei Vielradelnden eher stabilisierte oder leicht verbesserte. Andere Freizeitaktivitäten wie Wandern, Fitness oder Tanzen zeigten jedoch keinen vergleichbaren Zusammenhang mit der Entwicklung des Fahrverhaltens.
Blick ins Gehirn: Radeln entlastet offenbar mental
Bei 145 Personen wurde während der Simulatorfahrt die Hirnaktivität per EEG gemessen. Häufiges Radfahren ging mit geringerer Theta-Aktivität einher – ein Muster, das auf geringere mentale Belastung und einen wacheren, fokussierten Zustand beim Fahren hinweist. „Häufige Fahrradnutzung ging mit einer weniger starken Hirnaktivität in einem Bereich einher, der für hohe mentale Belastung steht“, erklärt Getzmann. „Das spricht dafür, dass diese Personen komplexe Verkehrssituationen gelassener und effizienter verarbeiten.“ Zugleich war eine höhere Theta-Aktivität mit einer stärkeren Verschlechterung des Fahrverhaltens über die Zeit verbunden.
Trainingsangebote für Seniorinnen und Senioren, um individuelle Mobilität zu erhalten
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass aktive Mobilität wie regelmäßiges Radfahren ein Baustein sein kann, um die Fahrkompetenz im Alter länger zu erhalten“, sagt Getzmann. „Aber: Das ersetzt keine Verkehrssicherheitstrainings und schon gar nicht sichere Infrastruktur für ältere Radfahrende.“ Außerdem weisen die Forschenden darauf hin, dass eine häufigere Fahrradnutzung auch mit einem höheren Risiko für Fahrradunfälle einhergeht, die insbesondere für ältere Radfahrende ein großes Verletzungsrisiko bergen.
Prof. Dr. Stephan Getzmann
Leitung Forschungsgruppe Vernetzungsgruppe Altern
E-Mail: getzmann@ifado.de
Tel.: 0231 1084-338
Getzmann S, Wascher E, Rudinger G, Graas F, Karthaus M: Active mobility in higher age: Regular cycling is associated with maintaining car driving performance. Transp Res Part F Traffic Psychol Behav 118: 103544 (2026). https://doi.org/10.1016/j.trf.2026.103544
https://www.ifado.de/de/newsroom/news/aeltere-mobil-halten-radfahren-kann-fahrko...
https://www.bast.de/DE/Publikationen/BerichteBASt/Berichte/unterreihe-m/2026-202...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Gesellschaft, Psychologie, Verkehr / Transport
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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