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19.03.2026 14:24

Neue Gaskraftwerke: (Über-)Erfüllt der »Südbonus« seinen Zweck?

Kosta Schinarakis Pressestelle
Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG

    Die Bundesregierung plant, den Bau von bis zu 20 Gigawatt Gaskraftwerkskapazitäten bis zum Jahr 2030 anzureizen. Besonders der »netztechnische Süden« soll profitieren, wo fossile Kraftwerke oft kurzfristig die Netzstabilität stützen. Fraunhofer IEG analysiert die Wirkung eines solchen »Südbonus« und zeigt auf, dass Südstandorte aufgrund bestehender Maßnahmen auch ohne »Südbonus« bereits einen wirtschaftlichen Vorteil besitzen. Die Forschenden untersuchten auch, warum Standortwahl, Netzengpässe und Fördermechanismen für die Versorgungssicherheit entscheidend sind und wie mögliche Fehlanreize vermieden werden können. Die vollständige Analyse steht nun online bereit.

    »Die Studie liefert eine wichtige Grundlage, um die Kraftwerksstrategie volkswirtschaftlich optimal auszurichten. Wir wollen sicherstellen, dass neue Kapazitäten dort entstehen, wo sie das Energiesystem wirklich stärken«, sagt Prof. Mario Ragwitz, Institutsleiter des Fraunhofer IEG, und unterstreicht die Bedeutung von wissenschaftlichen Analysen für eine zielgerichtete Transformation der Energieinfrastruktur. »Bei der Ausgestaltung der Ausschreibung sollte darauf geachtet werden, ungewollte Fehlanreize zu vermeiden.«

    »Unsere Analysen zeigen, dass bestehende und geplante Fördermechanismen sorgfältiger aufeinander abgestimmt werden müssen. Sonst besteht die Gefahr, dass der Kraftwerkszubau, der auch im netztechnischen Norden wichtig ist, behindert wird«, sagt Thorsten Spillmann, Projektleiter am Fraunhofer IEG. Er betont, dass klare Anreize für Investitionen notwendig seien, diese aber keine unerwünschten Nebenwirkungen erzeugen dürfen.

    Die neue Studie bewertet erstmals die langfristige wirtschaftliche Bedeutung der anteiligen Werteverbrauchsvergütung im Kontext des geplanten Südbonus. Dieser soll dafür sorgen, dass zwei Drittel der künftig ausgeschriebenen Gaskraftwerkskapazitäten im netztechnischen Süden entstehen. Dort treten heute besonders häufig positive Redispatchmaßnahmen auf, die durch Netzengpässe entstehen: Fossile Kraftwerke müssen ungeplant mehr Leistung erbringen. Gleichzeitig profitieren Anlagen an diesen Standorten bereits von Fixkostenerstattungen, wenn sie zur Stabilisierung des Netzes ihre Leistung erhöhen müssen.

    Die Analyse zeigt, dass die Werteverbrauchsvergütung über die Lebensdauer einer Anlage hohe Summen erreichen kann. In einigen süddeutschen Regionen erreichen die ermittelten Werte sogar eine Größenordnung, die dem geplanten Südbonus entspricht oder ihn übertrifft. Werden aktuelle Preissteigerungen bei Kraftwerkskomponenten berücksichtigt, steigen die Vergütungen weiter an. Dadurch könnten zusätzliche Einnahmen entstehen, die die Standortwahl stärker beeinflussen als politisch vorgesehen.

    Die Forschenden betonen, dass diese Entwicklung weitere Risiken für eine effiziente Förderung birgt. Wenn Betreiber die schwer kalkulierbaren zusätzlichen Erlöse bei der Gebotsabgabe berücksichtigen, entstehen Unsicherheiten, die die Kapitalkosten steigen lassen können. Werden die Erlöse hingegen nicht berücksichtigt, drohen später überhöhte Zahlungen und damit Mehrkosten für die Allgemeinheit. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass Investitionen stärker in den Süden gelenkt werden, als es der Südbonus allein vorsieht.

    Um Fehlanreize zu vermeiden, zeigt die Studie mehrere Lösungsansätze auf. Ein Weg wäre, neu auszuschreibende Anlagen von der anteiligen Werteverbrauchsvergütung auszunehmen. Ebenso könnte eine verpflichtende Rückzahlung der erhaltenen Vergütungen im Rahmen bestehender Mechanismen erfolgen. Beide Varianten würden Investitionssicherheit schaffen und die gezielte Steuerung über den Südbonus präziser machen. Eine pauschale Einpreisung erwarteter Vergütungen wird hingegen als weniger geeignet bewertet, da sie Risiken für Betreiber erhöht und die Wettbewerbseffekte nicht klar begrenzt.

    Die Studie »Analyse der langfristigen Maßnahmenwirkung der anteiligen Werteverbrauchskompensation vor dem Hintergrund eines »Südbonus für Kraftwerke« « entstand in Zusammenarbeit zwischen Fraunhofer IEG und Consentec GmbH im Auftrag der LEAG Clean Power GmbH. Mit der Studie liefern die Partner eine fundierte Grundlage für die Ausgestaltung eines wirksamen und ausgewogenen Förderregimes. Die Studie zeigt, dass ein präzises Zusammenwirken von Südbonus, Redispatchvergütung und Standortpolitik entscheidend ist, um die Versorgungssicherheit zu stärken und zugleich die Kosten für Verbraucher niedrig zu halten. Damit unterstützt sie eine zukunftsfähige Planung neuer Kraftwerkskapazitäten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Energiesystems.

    Zitierempfehlung: Spillmann, T.; Colmares Montero G; Lüdorf, K.; Maurer, C. (2025): Kurzstudie zu dem Südbonus für Kraftwerke. Orte: Cottbus, Berlin: Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG, Consentec GmbH

    Die Studie finden Sie auf den Webseiten der Fraunhofer IEG zum Download:
    https://www.ieg.fraunhofer.de/content/dam/ieg/deutsch/dokumente/pressemitteilung...


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Thorsten Spillmann, thorsten.spillmann@ieg.fraunhofer.de
    Mario Ragwitz, mario.ragwitz@ieg.fraunhofer.de


    Originalpublikation:

    Spillmann, T.; Colmares Montero G; Lüdorf, K.; Maurer, C. (2025): Kurzstudie zu dem Südbonus für Kraftwerke. Orte: Cottbus, Berlin: Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG, Consentec GmbH

    Die Studie finden Sie auf den Webseiten der Fraunhofer IEG zum Download:
    https://www.ieg.fraunhofer.de/content/dam/ieg/deutsch/dokumente/pressemitteilung...


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Energie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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