idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
20.03.2026 16:56

Weltwassertag: Satellitendaten zeigen dramatische Veränderungen der globalen Wasserspeicherung

Josef Zens Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung

    Die Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO zeigen global eine drastische Zunahme der von Trockenheit betroffenen Flächen, insbesondere in Europa. Für Deutschland bedeutet das einen anhaltenden Abwärtstrend in der Wasserspeicherung: Zum Jahresende 2025 gab es ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittel seit 2002. Das haben aktuelle Datenauswertungen von Forschenden des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Potsdam ergeben.

    Die Satellitenmissionen GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment, 2002–2017) und GRACE-FO (GRACE-Follow-On, seit 2018) vermessen das Schwerefeld der Erde. Hieraus wird mit monatlicher Auflösung die globale Wasserspeicherung ermittelt. Mit nunmehr 24 Jahren an Daten können langfristige Veränderungen analysiert werden. Zum Weltwassertag 2025 haben Forschende des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung um Dr. Eva Boergens und Dr. Julian Haas die aktuellen Daten ausgewertet und ordnen sie in die langfristige Entwicklung ein – weltweit, für Europa und für Deutschland.

    Global extreme Entwicklungen: Immer weniger Land mit „normaler“ Wasserspeicherung

    Global betrachtet nehmen die Extreme der Wasserspeicherung zu. Während 2009 noch 75 % der Landfläche einen normalen* Wasserspeicher aufwiesen, waren es 2025 nur noch knapp ein Drittel. Diese Entwicklung ist zu großen Teilen auf die Zunahme trockener Gebiete zurückzuführen, deren Anteil sich von 12 % im Jahr 2009 auf nahezu 43 % im Jahr 2025 mehr als verdreifacht hat.

    Die Landfläche, die als feucht eingestuft ist, blieb hingegen über die letzten 24 ähnlich groß und hat sich im letzten Jahr wieder dem Zustand von vor über 20 Jahren angenähert.

    Diese Entwicklung ist in Abb. 1 dargestellt.

    *Dabei gilt für die Charakterisierung der Wasserspeicherung:
    Trocken: die Wasserspeicherung war so niedrig wie die trockensten 25% der restlichen Beobachtungen an dem Ort
    Normal: die Wasserspeicherung entsprach den mittleren 50% der Beobachtungen
    Feucht: Wasserspeicherung war so hoch wie die feuchtesten 75–100% der Beobachtungen an dem Ort

    Regionale Unterschiede: Afrika als Ausnahme, Arktis und Europa besonders betroffen

    Der globale Überblick erlaubt jedoch nur eine Gesamtbilanz und berücksichtigt keine regionalen Unterschiede im Detail. Ein differenzierteres Bild ergibt sich aus der Betrachtung der 61 kontinentalen Flussregionen und deren Entwicklungen in den vergangenen 24 Jahren. Für jedes dieser großen Flusseinzugsgebiete und jedes Jahr wird dabei der Mittelwert aller Beobachtungen farbcodiert dargestellt (vgl. Abb. 2): Rot kennzeichnet Wassermangel, Blau einen Wasserüberschuss.

    Von allen Weltregionen verzeichnete lediglich Afrika eine deutliche Zunahme der Wasserspeicherung, in geringerem Maße auch Australien und Ozeanien. In den übrigen Regionen ist hingegen eine Abnahme zu beobachten, wobei insbesondere die Gletscherschmelze in der Arktis hervorsticht. In Europa und im Nahen Osten zeigen alle Einzugsgebiete eine Abnahme der Wasserspeicherung (Abb. 3).

    Besonders ausgeprägt ist auch in Europa dabei die Abnahme des Gletschereises auf Island (Region 7). Zwar geht die Wasserspeicherung in allen Regionen zurück, jedoch unterscheiden sich die Zeitpunkte, ab denen ein negativer Trend erkennbar ist. Im Nahen Osten (Gebiet 9) sinkt die Wasserspeicherung bereits seit 2009, während in Westeuropa – das den Großteil Deutschlands umfasst (Gebiet 3) – erst seit etwa 2014 eine kontinuierliche Abnahme feststellbar ist.

    Deutschland: Trockenheit seit 2018, kurze Erholung 2024

    Ein abschließender Blick auf Deutschland zeigt, dass die anhaltende großräumige Trockenheit seit 2018 – möglicherweise bereits seit 2015 – deutlich erkennbar ist. Das Jahr 2024 war hingegen überdurchschnittlich feucht, mit rund 15 % mehr Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel, wodurch sich die Wasserspeicher vorübergehend erholen konnten. Dadurch erreichten sie erstmals seit 2018 wieder annähernd ein normales Niveau.
    Im Jahr 2025 lagen die Niederschläge jedoch erneut mit -18 % deutlich unter dem Durchschnitt. Gleichzeitig führte eine erhöhte Verdunstung infolge hoher Temperaturen dazu, dass sich die Wasserspeicherung wieder verringerte. Über den Zeitraum seit 2002 betrachtet hatte Deutschland zum Jahresende 2025 ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittelwert der Zeitreihe seit 2002 (vgl. Abb. 4). Ende 2023 waren das noch „nur“ rund 10 Milliarden Tonnen.

    Weiterführende Informationen:

    https://www.globalwaterstorage.info/
    Infoseite mit Hintergründen, Blog-Beiträgen und aktuellen Daten rund um die globale Wasserspeicherung und die Satellitenmissionen GRACE/GRACE-FO.

    Abbildungen

    Abb. 1
    Globale Einteilung der Wasserspeicher in „zu trocken“ (Q25), „normal“ (Q25–Q75) und „zu feucht“ (Q75).
    In der hier gezeigten Abbildung wird die Veränderung der Wasserspeicherung nicht wie sonst üblich in z.B. absoluten Abweichungen in Millimetern gezeigt, sondern als Kategorisierung:
    · Trocken: die Wasserspeicherung war so niedrig wie die trockensten 25% der restlichen Beobachtungen an dem Ort
    · Normal: die Wasserspeicherung entsprach den mittleren 50% der Beobachtungen
    · Feucht: Wasserspeicherung war so hoch wie die feuchtesten 75–100% der Beobachtungen an dem Ort
    Durch die Darstellung in Kategorien können verschiedene Regionen mit unterschiedlichen hydrologischen Regimen und Eigenschaften besser miteinander verglichen werden. Für jeden Gitterpunkt und jeden Monat wird der Zustand der Wasserspeicherung mit dem langjährigen Mittel verglichen, um zu bewerten, ob er „normal“ war oder ob Abweichungen in Richtung “trocken“ oder „feucht“ vorlagen. Abb. 1 zeigt für jedes Jahr den Anteil der Beobachtungen pro Kategorie.

    Grafik: Eva Börgens, GFZ

    Link: https://media.gfz.de/gfz/wv/pm/26/20260320_PM_Weltwassertag_Abb1_TWS-Klass_Jahr_...

    Abb. 2
    Veränderungen der Wasserspeicherung in den 61 Level-2-Einzugsgebieten des HydroBASINS-Datensatzes (61 kontinentale Flussregionen), aufgeteilt nach Weltregionen. Rot steht dabei für ein Defizit im Wasserspeicher und blau für einen Überschuss.

    Grafik: Eva Börgens, GFZ

    Link: https://media.gfz.de/gfz/wv/pm/26/20260320_PM_Weltwassertag_Abb2_TWS-World_Map_G...

    Abb. 3
    Veränderungen der Wasserspeicherung: Fokus auf die Einzugsgebiete der Flussregionen in Europa und dem Nahen Osten. Rot steht dabei für ein Defizit im Wasserspeicher und blau für einen Überschuss.

    Grafik: Eva Börgens, GFZ

    Link: https://media.gfz.de/gfz/wv/pm/26/20260320_PM_Weltwassertag_Abb3_TWS-Europe_Map_...

    Abb. 4
    Wasserspeicherung in Deutschland. Oben: Vollständige beobachtete Signale inklusive der deutlich zu erkennenden jahreszeitlichen Schwankungen. Unten: Wasserspeicherung nach Abzug der jahreszeitlichen Schwankungen. Damit zeigt diese Zeitreihe für jeden Monat die Abweichung des Wasserspeichers im Vergleich zum Durchschnitt dieses Monats über die ganze Zeitreihe.

    Grafik: Eva Börgens, GFZ

    Link: https://media.gfz.de/gfz/wv/pm/26/20260320_PM_Weltwassertag_Abb4_TWS-Timeseries_...


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Eva Börgens
    Sektion 1.3 Erdsystemmodellierung
    GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung
    Tel.: +49 (0)331-6264-1140
    E-Mail: eva.boergens@gfz.de

    Dr. Julian Haas
    Sektion 4.4 Hydrologie
    GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung
    Tel.: +49 (0)331-6264-1896
    E-Mail: julian.haas@gfz.de

    Prof. Dr. Annette Eicker
    Leitung Sektion 1.2 Globales Geomonitoring und Schwerefeld
    GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung
    Tel.: +49 (0)331-6264-3555
    E-Mail: annette.eicker@gfz.de


    Weitere Informationen:

    https://www.globalwaterstorage.info Infoseite mit Hintergründen, Blog-Beiträgen und aktuellen Daten rund um die globale Wasserspeicherung und die Satellitenmissionen GRACE/GRACE-FO.


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Geowissenschaften, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).