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24.03.2026 08:21

Neuer Lehrstuhl: Mehr Tierschutz in der Forschung

Martin Brandstätter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Mit einem neuen Lehrstuhl will die Universität Würzburg die Gegebenheiten in einem sensiblen Bereich weiter verbessern: Versuchstierkunde und Tierschutz. Die Leitung übernimmt Professor Jan Baumgart.

    „Meine Arbeit spielt sich in einem kritischen Fachbereich ab, an den höchste Ansprüche gestellt werden, die Zustände stetig zu verbessern“, weiß Professor Jan Baumgart. Der Veterinärmediziner ist Experte für Versuchstiere und deren Schutz.

    Seit dem Wintersemester 2025/26 leitet er den an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) neu geschaffenen Lehrstuhl für Tierschutz und Versuchstierkunde. Dessen Ziel ist es, die Bedingungen für Versuchstiere – etwa artgerechte Haltung und bewusster Einsatz – an der JMU weiter zu verbessern.

    3R-Prinzip im Fokus

    Refine, reduce, replace – also verbessern, reduzieren und ersetzen – gilt als ethischer Grundsatz für Forschende, die mit Versuchstieren arbeiten. Nach diesem Prinzip wird an der Universität Würzburg bereits gearbeitet; Jan Baumgart möchte den Bereich weiter stärken. „Aktuell sind Tierversuche etwa in der biomedizinischen Forschung noch essenziell. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Kolleginnen und Kollegen bestmöglich dabei zu unterstützen, das 3R-Prinzip umzusetzen“, so der neue Professor.

    Forschenden fehlen häufig die Netzwerke im Bereich Tierschutz, die nötig sind, um neueste Entwicklungen zu verfolgen und selbst anzuwenden. Die Ansätze sind dabei vielseitig: „Wir können bei Tierversuchen etwa die Art der Tiere anpassen. Statt Säugetieren ist heute häufig der Einsatz von Fischen, Plattwürmern oder Fliegen möglich“, erklärt Baumgart.

    Unterstützung und eigene Forschung

    In seiner eigenen Forschung beschäftigt sich Jan Baumgart unter anderem damit, wie Versuchstiere besser gehalten und für Versuche vorbereitet werden können. „Auch Versuchstiere kann man trainieren. Dadurch mindert man ihren Stress, bestimmte Schritte – zum Beispiel Sedierung – fallen weg. Im Endeffekt wird der Tierversuch für das Einzeltier weniger belastend und es werden dadurch weniger Tiere benötigt.“

    Solches Wissen will Baumgart weitergeben. Durch weitreichende Kontakte im Tierschutz möchte er Forschende diverse Möglichkeiten zum Austausch bieten. Der Aufbau einer Arbeitsgruppe, Vorträge und Fortbildungen sollen Perspektiven von außen, alternative Wege und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aufzeigen. Dabei sind auch Kooperationen mit der Universitätsmedizin in Mainz geplant, wo Baumgart zuvor tätig war.

    Von Mainz nach Würzburg

    In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt konnte er ein solches System bereits erfolgreich etablieren. Vielversprechende Grundlagen sind in Würzburg bereits geschaffen. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) wirkt seit rund einem Jahr etwa Professor Nicolas Schlegel, dessen Arbeit mit Organoid-Modellen eine Alternative zu Tierversuchen darstellt.

    Replace – also das dritte „R“ – steht auch am Fraunhofer-Translationszentrum für Regenerative Therapien im Fokus. Unter der Leitung von Professor Florian Groeber-Becker werden hier zellbasierte Gewebemodelle und Testsysteme entwickelt, die Tierversuche ersetzen können.

    Die Möglichkeiten sind also vielfältig; auch Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, Tierversuche effizienter und schonender zu gestalten. KI-Modelle und technische Aufrüstungen wie Sensortechniken können dazu beitragen, den Gesundheits- und Allgemeinzustand von Tieren zu überwachen und ihr Tierwohl gezielt zu verbessern. Neben der stetigen Forschung an Alternativen und Verbesserungen sieht Baumgart besonders eines als unersetzlich im Umgang mit Tierversuchen: Transparenz. „Mir ist äußerst wichtig, immer zu zeigen, dass wir nichts verheimlichen. Als Forschende müssen wir uns der Sensibilität des Themas Tierversuche extrem bewusst sein. Wir brauchen höchste Standards, die wir stetig prüfen, verbessern und auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen.“

    Der Lebenslauf des neuen Professors

    Zwischen 2001 und 2007 studierte Jan Baumgart Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin. Anschließend war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und am Berlin-Brandenburg-Center für Regenerative Therapien der Berliner Charité tätig. In der Bundeshauptstadt erfolgte 2011 auch die Fachtierarztprüfung für Versuchstierkunde.

    Von 2010 bis 2013 leitete Baumgart die experimentelle Tierhaltung der Mikroskopischen Anatomie und Neurobiologie der Universitätsmedizin Mainz, anschließend deren Translational Animal Research Center (TARC). Diesen Posten hielt Baumgart bis September 2025.

    In diese Zeit fielen auch die Promotion („Etablierung der In-utero-Elektroporation des zentralen Nervensystems im Mausmodell C57BL/6“, 2015) sowie die Fachtierarztprüfung in Tierschutz (2019). Von August 2021 bis September 2025 hielt Baumgart außerdem die Professur für Versuchstierkunde an der Universität Mainz, bevor der Schritt nach Würzburg erfolgte.

    Jan Baumgart war und ist vielfach in weiteren Funktion zum Thema Tierschutz und Versuchstiere aktiv. Etwa als Ausschussvorsitzender im Ausschuss der Gesellschaft für Versuchstierkunde für Fachwissenschaftler in Versuchstierkunde oder als Tierschutzbeauftragter der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Jan Baumgart, Lehrstuhl für Versuchstierkunde und Tierschutz, Tel: +49 931 201-44063, E-Mail: jan.baumgart@uni-wuerzburg.de


    Bilder

    Universitätspräsident Paul Pauli überreicht Jan Baumgart die Ernennungsurkunde.
    Universitätspräsident Paul Pauli überreicht Jan Baumgart die Ernennungsurkunde.
    Quelle: Robert Emmerich
    Copyright: Universität Würzburg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin, Tier / Land / Forst
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

    Universitätspräsident Paul Pauli überreicht Jan Baumgart die Ernennungsurkunde.


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