In der Öffentlichkeit wird intensiv über die Spaltung der politischen Lager diskutiert. Doch die Forschung weiß wenig über ihre Ursachen und konzentriert sich stark auf die westliche Welt.
Jahrhunderte lang waren Feinde diejenigen, die aus einem anderen Land, einer anderen Religion oder Kultur stammten. In der heutigen Zeit jedoch hat sich eine neue Dimension der Feindseligkeit aufgetan. In vielen westlichen Ländern spaltet die politische Haltung die Gesellschaft in Gut und Böse, in links und rechts, in "wir" und "die anderen". Dieses Phänomen, bekannt als affektive Polarisierung, hat weitreichende Konsequenzen für das tägliche Leben und beeinflusst, wo Menschen leben, was sie konsumieren, wie sie ihre Freizeit verbringen und wen sie heiraten möchten.
Das Team um Prof. Dr. Eva Walther und Prof. Dr. Michael Bošnjak von der Universität Trier hat die bestehende Forschung zu affektiver Polarisierung intensiv untersucht. "Alle sprechen über die Feindseligkeit der politischen Lager– aber über die Datenlage war bisher wenig bekannt", erklärt Prof. Walther.
Wachsende Forschung mit systematischen Lücken
Die Studie hat über 250 wissenschaftliche Arbeiten aus verschiedenen Teilen der Welt ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Forschung in den letzten Jahren signifikant gewachsen ist, insbesondere in den USA und Teilen Europas. "Wir sehen eine enorme Zahl an Studien", sagt Prof. Bošnjak. "Aber sie konzentrieren sich größtenteils auf bestimmte Regionen wie die USA und Europa, während der globale Süden bisher kaum untersucht wurde."
Es sei also so gut wie unbekannt, ob es solche politische Polarisierung im selben Maß z. B. auch in Afrika gebe.
Besonders alarmierend ist die Entdeckung, dass es nur wenige Studien gibt, die die Ursachen und potenziellen Lösungen der affektiven Polarisierung gezielt untersuchen. "Angesichts der gesellschaftlichen Debatten über Spaltung ist das bemerkenswert", fügt Walther hinzu. "Wir diskutieren intensiv über das Problem – aber wir wissen noch zu wenig darüber, wie es entsteht und was dagegen hilft."
In letzterem Punkt konnte die Psychologin bereits mit ihrer Studie „Learning to Like the Enemy: Moral Learning Reduces Affective Polarization“ etwas Abhilfe schaffen. Gemeinsam mit einer israelischen Kollegin übertrug sie eine Methode aus der Versöhnungsforschung auf den laufenden Konflikt zwischen Demokraten und Republikanern in den USA. Probanden empfanden im Anschluss deutlich mehr Sympathie für den Gegenüber.
Orientierung für zukünftige Forschung
Um die Richtung zukünftiger Forschungsbemühungen aufzuzeigen, haben die Trierer ihre aktuellen Ergebnisse in übersichtlichen Forschungskarten zusammengefasst. Diese Karten verdeutlichen die bereits gut untersuchten Themen sowie die Felder, in denen dringender Forschungsbedarf besteht.
"Wenn Demokratien funktionieren sollen, müssen Menschen trotz unterschiedlicher Ansichten miteinander im Gespräch bleiben", sagt Bošnjak. "Unsere Arbeit weist darauf hin, wie weiter geforscht werden muss, um dieses Ziel zu erreichen."
Die Studie erscheint in der Sonderausgabe „Hotspots in Psychology 2026“ der Zeitschrift für Psychologie.
Prof. Dr. Eva Walther & Prof. Dr. Michael Bošnjak
Fachbereich Psychologie
Universität Trier
walther@uni-trier.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Gesellschaft, Politik, Psychologie
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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