Eine florierende Wirtschaft und Umweltschutz schließen sich gegenseitig aus? Mit Erreichen der Klimaneutralität sind die Umweltprobleme gelöst? Beides zu kurz gedacht, so Forschende des Wuppertal Instituts in einem heute publizierten In Brief: Die Veröffentlichung zeigt, warum bisherige Strategien wie Net-Zero, Effizienzsteigerungen und Recycling nicht ausreichen, um die ökologischen Krisen zu bewältigen. Stattdessen braucht es ein Wirtschaftsverständnis, das nicht nur Schäden vermeidet, sondern aktiv zur Restauration von Ökosystemen beiträgt und die Regeneration natürlicher Systeme integriert.
Der In Brief "Regeneratives Wirtschaften und die planetaren Grenzen: eine Forschungs- und Impact-Agenda" plädiert deshalb für ein grundsätzliches Umdenken – in Forschung und Praxis.
Wuppertal, 24. März 2026: Der eskalierende Klimawandel, Biodiversitätsverluste und gestörte Stoffkreisläufe weltweit zeigen: Der Handlungsdruck steigt. Sieben von neun planetaren Grenzen sind bereits überschritten. Diese Entwicklung bedroht nicht nur einzelne Ökosysteme, sondern langfristig die gesamte Lebensgrundlage der Menschheit. Trotzdem zielen viele politische und wirtschaftliche Strategien weiterhin in erster Linie darauf ab, negative Umweltauswirkungen lediglich zu reduzieren oder durch technologische Effizienzsteigerungen auszugleichen.
Im In Brief "Regeneratives Wirtschaften und die planetaren Grenzen: eine Forschungs- und Impact-Agenda" schlagen Clara Baues, Dr. Holger Berg und Prof. Dr.-Ing. Stephan Ramesohl aus der Abteilung Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts deshalb eine integrierte Forschungs- und Impact-Agenda vor, die wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Transformation miteinander verbindet. Es braucht heute ein anderes, ein erweitertes Verständnis von nachhaltigem Wirtschaften: Regeneration sollte dabei als übergeordnete Zielgröße für nachhaltiges Wirtschaften etabliert werden. Zudem sollte die Wissenschaft nicht nur Entwicklungen analysieren, sondern aktiv dazu beitragen, Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft anzustoßen.
"Selbst wenn wir heute alle Emissionen stoppen würden, wäre damit noch nichts wieder in Ordnung gebracht. Deshalb reicht Schadensbegrenzung – die zweifelsohne wichtig, aber eben nicht hinreichend ist – nicht aus: Wir müssen die Wirtschaft perspektivisch so gestalten, dass natürliche Systeme sich wieder regenerieren können", sagt Clara Baues, Researcherin im Forschungsbereich Zirkuläre Ökosysteme und Governance am Wuppertal Institut und Hauptautorin des In Briefs. Wirtschaftlicher Erfolg solle sich dementsprechend stärker daran orientieren, ob er zur Wiederherstellung der Gesundheit natürlicher und sozialer Systeme beiträgt. Dafür braucht es entsprechende Anreizsysteme.
Restauration und Regeneration entstehen nicht allein durch technische Eingriffe
Technologische Effizienzsteigerungen, Recycling oder Carbon Offsetting sind zentrale Instrumente aktueller Nachhaltigkeitsstrategien. Im Verbund mit weiteren Maßnahmen können sie große Wirkung erzielen, gerade auch für den Klimaschutz. Doch sogar Klimaneutralitäts-Strategien greifen zu kurz: Selbst wenn Unternehmen und Staaten alle Treibhausgasemissionen bilanziell ausgleichen, stabilisiert das im besten Fall den bereits erreichten kritischen Zustand der ökologischen Systeme. Genau hier setzt regeneratives Wirtschaften an: Das Ziel ist, die langfristige Widerstandsfähigkeit des Erdsystems zu gewährleisten und so die Grundlage für ein gutes Leben für alle zu sichern – inklusive einer florierenden, zukunftsfähigen Wirtschaft.
Roadmap für regeneratives Wirtschaften: eine integrierte Forschungs- und Impact-Agenda
Regeneratives Wirtschaften ist bisher noch kein vollständig ausgearbeitetes wissenschaftliches Konzept. Eine allgemein akzeptierte Definition fehlt bislang. Dennoch zeichnet sich in der wissenschaftlichen Debatte ein gemeinsames Grundverständnis ab: Regeneratives Wirtschaften geht über reine Schadensvermeidung hinaus und zielt auf die aktive Wiederherstellung und Verbesserung sozialer und ökologischer Systeme.
Der In Brief plädiert daher dafür, regeneratives Wirtschaften stärker in Forschung, Politik und Unternehmenspraxis zu verankern. Dafür brauche es neue Bewertungsmaßstäbe für wirtschaftlichen Erfolg, mehr interdisziplinäre Forschung und konkrete Experimentierräume, in denen Unternehmen regenerative Ansätze erproben und weiterentwickelt können, so die Autor*innen.
Der In Brief "Regeneratives Wirtschaften und die planetaren Grenzen: eine Forschungs- und Impact-Agenda" steht über den folgenden Link kostenfrei zum Download bereit:
https://wupperinst.org/fileadmin/redaktion/downloads/publications/2026-15_InBrie...
Pressemitteilung
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH
VisdP: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer
Kontakt: Christin Hasken, Leiterin Kommunikation
Tel: +49 202 2492-187
E-Mail: pr@wupperinst.org
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/9251/ Download | In Brief "Regeneratives Wirtschaften und die planetaren Grenzen: eine Forschungs- und Impact-Agenda" -
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/9248/
In Brief "Regeneratives Wirtschaften und die planetaren Grenzen: eine Forschungs- und Impact-Agenda"
Copyright: Wuppertal Institut
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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