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24.03.2026 15:42

acatech entwirft eine Forschungs- und Innovationsroadmap Fusionsenergie für Deutschland

Christoph Uhlhaas M.A. Geschäftsstelle
acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

    Berlin, 24. März 2026. Auf dem BMFTR-Fusionskongress hat acatech Präsidentin Claudia Eckert die erste Fassung einer Forschungs- und Innovationsroadmap Fusionsenergie vorgestellt. Die in der Roadmap entwickelten Zwischenergebnisse wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts FIRE erarbeitet und markieren technische Hürden und formulieren Zwischenziele für den Weg zum Fusionskraftwerk. Ein Fazit: Deutschland kann ein Fusionskraftwerk bis 2045 realisieren – über eine massive Beschleunigung.

    Für den Weg zum Fusionskraftwerk legt acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften eine Forschungs- und Innovationsroadmap Fusionsenergie vor. Danach ist die Inbetriebnahme eines Fusionskraftwerks bis 2045 nur über eine massive Beschleunigung der Umsetzung der Entwicklungsschritte und Bündelung von Ressourcen möglich.

    Massiv beschleunigen müsse Deutschland in der Ausbildung von Fachkräften, der Errichtung von Neutronenquellen, der Entwicklung von Brut-Blankets und der Industrialisierung der Komponentenfertigung: Andernfalls verzögere sich die Entwicklung der Fusion in Deutschland erheblich.

    Vom fertigen Fusionskraftwerk aus lassen sich die Zwischenschritte ableiten

    Der Zwischenbericht markiert einen methodischen Paradigmenwechsel für das deutsche Fusionsökosystem. Die Entwicklung der Fusionsenergie prägen heute einzelne wissenschaftliche und technologische Fortschritte in parallelen Forschungsgruppen. Die Roadmap leitet dagegen vom fertigen Fusionskraftwerk ausgehend notwendige Zwischenschritte ab, integriert sie in einen Zeitplan und arbeitet Fortschritte heraus, die für jeden aussichtsreichen Entwicklungsansatz notwendig sind. Konkret skizziert sie drei Entwicklungspfade: Magnetfusion, Laserfusion sowie Materialien und Brennstoff.

    Das zentrale Zwischenergebnis ist ein integrierter Netzplan mit Zwischenzielen und Zeitskalen. Dieser verbindet notwendige Fortschritte für den Laserfusions-Pfad, den Magnetfusions-Pfad und Ziele, die diese zwei Pfade synergetisch vorantreiben. Das Design und die Fertigung von Targets beispielsweise ist eine spezifische Herausforderung der Laserfusion. Dagegen erfordert die Magnetfusion einen stabilen Plasmaeinschluss. Fusionsspezifische Gesetze, Normen und Standards, aber auch die Bereitstellung von Tritium sind beispielsweise notwendig für beide Technologiepfade.

    Die acatech Expertengruppe sieht drei „no-regret-Maßnahmen“, die für jeden Entwicklungspfad priorisiert werden sollten: Den Ausbau von Neutronentestinfrastrukturen, die konsequente Weiterentwicklung des – in Deutschland maßgeblich entwickelten – Stellarator-Ansatzes sowie die Entwicklung der Lasertechnologie.

    Drei Szenarien balancieren Tempo, Kosten und Risiken

    Die Roadmap schafft eine Entscheidungsgrundlage für eine nationale Fusionsstrategie: Geschwindigkeit, verfügbare Ressourcen und einzugehende Risiken stellen dabei die Schlüsselkriterien zur Festlegung einer Umsetzungsstrategie dar. Die Expertengruppe leitet drei Szenarien aus der Roadmap ab:

    - Ein erstes Szenario geht von hohem Ressourceneinsatz durch parallele, wettbewerbliche Entwicklungen aus, was mit hohem Zeitgewinn, aber auch hohem technologischem Risiko verbunden ist.
    - Ein zweites Szenario setzt auf sorgfältige Grundlagenforschung – Wettbewerb prägt erst die letzten Entwicklungsschritte hin zum Kraftwerk. Es reduziert Risiken, Kosten, aber auch das Tempo.
    - Ein drittes Szenario kombiniert den kooperativen Aufbau vorwettbewerblicher Forschungsinfrastruktur mit wettbewerblichen Programmen. Es balanciert Ressourceneinsatz, Risiko und Geschwindigkeit.

    „Ausgehend von dem Ziel, ein funktionstüchtiges Kraftwerk zu bauen und zu betreiben, haben wir Zwischenziele identifiziert und entsprechende Zeitabschätzungen formuliert“, erklärt acatech Präsidentin Claudia Eckert. „Um ein Fusionskraftwerk nachhaltig und wirtschaftlich zu betreiben, muss ein technisches und industrielles Fusionsökosystem aufgebaut werden. Erforderlich dafür sind neben erheblichen Investitionen in die technologische Infrastruktur und in die Ausbildung von Fachkräften auch unterstützende rechtliche Rahmenbedingungen, um der Industrie Investitionssicherheit zu geben.“

    „Auf dem Weg zum Fusionskraftwerk liegen zahlreiche technologische Herausforderungen. Wissenschaftlich betrachtet gibt es aber keinen Grund, warum die Fusion nicht gelingen kann“, ergänzt Robert Schlögl, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und acatech Mitglied. „Deutschland hat eine sehr gute Ausgangsbasis mit führenden Forschungsinstituten, dynamischen Fusionsunternehmen und einer leistungsfähigen Industrie.“

    Die Expertengruppe um acatech Präsidentin Claudia Eckert und acatech Mitglied Robert Schlögl hat auf Basis einer breiten Datensammlung aus Experteninterviews, Literaturauswertungen, Projektgruppensitzungen sowie fachlich vertiefenden Workshops konsistente mögliche Entwicklungspfade hin zu einem ersten Fusionskraftwerk skizziert. Die Roadmap liefert eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage zur Priorisierung öffentlicher Investitionen, ohne Top-Down-Vorgaben zu machen, oder konkrete Handlungsanweisungen vorzuschreiben.

    Über acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    acatech berät Politik und Gesellschaft, unterstützt die innovationspolitische Willensbildung und vertritt die Technikwissenschaften international. Ihren von Bund und Ländern erteilten Beratungsauftrag erfüllt die Akademie unabhängig, wissenschaftsbasiert und gemeinwohlorientiert. acatech verdeutlicht Chancen und Risiken technologischer Entwicklungen und setzt sich dafür ein, dass aus Ideen Innovationen und aus Innovationen Wohlstand, Wohlfahrt und Lebensqualität erwachsen. acatech bringt Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Die Mitglieder der Akademie sind herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Ingenieur- und den Naturwissenschaften, der Medizin sowie aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Senatorinnen und Senatoren sind Persönlichkeiten aus technologieorientierten Unternehmen und Vereinigungen sowie den großen Wissenschaftsorganisationen. Neben dem acatech FORUM in München als Hauptsitz unterhält acatech Büros in Berlin und Brüssel.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Christoph Uhlhaas
    Leiter Kommunikation | Medien & Politik
    acatech – Deutsche Akademie
    der Technikwissenschaften
    T: 089 520309-60
    M: 0172 1445852
    uhlhaas@acatech.de
    www.acatech.de


    Weitere Informationen:

    https://www.acatech.de/projekt/forschungs-und-innovationsroadmap-fusionsenergie-...


    Bilder

    Fahrplan Fusionskraftwerk
    Fahrplan Fusionskraftwerk

    Copyright: acatech


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Energie, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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