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26.03.2026 09:00

Stellungnahme zu Honorarkürzungen in der Psychotherapie von IPU und PHB

Daniel Jakubowski Team Kommunikation
International Psychoanalytic University Berlin

    In einem gemeinsamen offenen Brief warnen die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) und die International Psychoanalytic University (IPU) Berlin anlässlich der angekündigten Honorarkürzungen für Psychotherapeut:innen vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungslage in Deutschland. Die Kürzungen treffen auf ein System, dessen zentrale Reformbausteine bis heute unvollständig umgesetzt sind – insbesondere, weil die Finanzierung der Weiterbildung weiterhin ungeklärt ist. Diese Entwicklung gefährdet langfristig die Qualität und Verfügbarkeit psychotherapeutischer Versorgung.

    Mit der angekündigten Kürzung der Psychotherapeut:innen-Honorare um 4,5 % wird eine Entwicklung weiter verschärft, die sich seit Jahren abzeichnet: die schleichende Erosion der psychotherapeutischen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Diese Entscheidung ist kein isolierter Eingriff – sie ist ein Signal. Und dieses Signal ist fatal.

    Reform ohne Finanzierung

    Unsere Stellungnahme schreiben wir aus der Mitte der akademischen Praxis, in der die Psychotherapeut:innen von morgen ausgebildet werden. Als private Universitäten mit psychologischen Studiengängen und einem Fokus auf die klinisch-psychotherapeutische Ausbildung beobachten wir die stattfindende Entwicklung seit Jahren.

    Seit der Gesetzesnovellierung im Jahr 2019 ist die Psychotherapieausbildung in das universitäre Studium integriert. Während wir als Universitäten mit erheblichem Aufwand neue Psychotherapiestudiengänge geschaffen und die gesetzlichen Anforderungen umgesetzt haben, verharrt die Politik in einer gefährlichen Untätigkeit. Die Finanzierung der an das Approbationsstudium anschließenden Weiterbildung ist bis heute, auch im sechsten Jahr nach der Gesetzesnovellierung, ungeklärt.

    Wir entlassen hochqualifizierte Absolvent:innen in ein System, das keine tragfähigen finanziellen Strukturen für ihre gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildungszeit bietet. Deshalb sind entsprechende Stellen aktuell nicht finanzierbar.

    Stetig schlechter werdende Versorgungsstrukturen

    An unseren Universitäten erleben wir täglich das Potenzial und die Motivation der nachrückenden Psychotherapeut:innen-Generation. Diese Menschen entscheiden sich bewusst für einen Berufsweg, der dem Gemeinwohl dient. Was wir ihnen derzeit bieten müssen, ist ein Parcours aus Hürden. Sie gehen in Vorleistung, investieren Zeit, Geld und Arbeit in eine berufliche Zukunft, die im Ungewissen belassen wird. Wenn jetzt noch Honorare auf das bundesgerichtlich vorgeschriebene Minimum zurückgekürzt werden, welches Signal senden wir an künftige Studierende? Wir vermitteln den für die psychische Gesundheitsversorgung entscheidenden Mitgliedern der Gesellschaft, dass ihr Einsatz von der Politik und den Krankenkassenverbänden immer öfter relativiert und in Frage gestellt wird.

    Als Universitäten sind wir nah an allen Betroffenen – den Studierenden als Psychotherapeut:innen der Zukunft, den Lehrenden und Wissenschaftler:innen sowie den Patient:innen in unseren Hochschulambulanzen. Wir sehen den wachsenden Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung und den Einsatz derer, die sich dieser Aufgabe beruflich annehmen wollen. Gleichzeitig beobachten wir eine zunehmende Unattraktivität des Berufsfeldes sowie eine wachsende Frustration darüber, dass ihr Einsatz politisch nicht unterstützt wird.

    Wer Versorgung sichern will, muss die Menschen stärken, die sie leisten.

    Stattdessen entsteht der Eindruck, dass der wachsende Versorgungsbedarf auf ein System trifft, das weder den bestehenden Strukturen ausreichend Stabilität bietet noch den Nachwuchs verlässlich integriert und unterstützt. Diese Entwicklung gefährdet langfristig die Qualität und Verfügbarkeit psychotherapeutischer Versorgung in Deutschland.

    „In einer Zeit, in der die Nachfrage nach Therapieplätzen rapide gewachsen ist und Patientinnen und Patienten monatelang auf Hilfe warten, ist diese Honorarkürzung nicht zu verantworten. Sie macht eine Niederlassung als Psychotherapeut oder Psychotherapeutin unattraktiver, zumal sie diejenigen trifft, die ohnehin schon am unteren Rand der Verdienstskala im vertragsärztlichen System stehen. Es ist ein völlig falsches Signal, bei steigendem Bedarf die Honorare abzusenken, anstatt Prävention und Behandlung zu stärken. So wird an der falschen Stelle gespart.“
    – Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin

    „Wir qualifizieren mit großem Engagement eine neue Generation von Psychotherapeut:innen – und müssen sie gleichzeitig in ein System entlassen, das ihnen keine verlässliche Perspektive bietet. Solange die Finanzierung der Weiterbildung ungeklärt bleibt und gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtert werden, entsteht ein fatales strukturelles Ungleichgewicht. Das gefährdet nicht nur die Attraktivität des Berufs, sondern langfristig auch die Versorgung. Wer Versorgung sichern will, muss die Menschen stärken, die sie leisten.“
    – Prof. Dr. Siegfried Preiser, Rektor der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB)


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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