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26.03.2026 12:29

Neuartige Infrastruktur für eine offene Wissenschaft: Deutschland beteiligt sich an Open Research Europe

Svenja Ronge Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

    Open-Access-Publikationsplattform steht künftig Wissenschaftler*innen aller deutschen Forschungseinrichtungen offen / „Initiative aus der Wissenschaft für die Wissenschaft“

    Forschungs- und Förderorganisationen aus elf europäischen Ländern wollen gemeinsam eine faire und wissenschaftsgeleitete Open-Science-Kultur stärken: Zusammen übernehmen sie die Trägerschaft der Open-Access-Publikationsplattform „Open Research Europe“ (ORE), auf der Forschungsergebnisse kostenfrei veröffentlicht und in einem offenen Verfahren begutachtet werden. Die digitale Plattform wurde bereits 2021 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und stand bisher ausschließlich Begünstigten von EU-Forschungsrahmenprogrammen offen. Mit der Neuausrichtung sollen ab Herbst dieses Jahres Wissenschaftler*innen aus allen beteiligten Ländern ihre Ergebnisse auf der Plattform publizieren können. Vertragspartner auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR); die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) übernimmt die Durchführung des Vorhabens auf nationaler Ebene. Sie wird an der weiteren Ausgestaltung der Plattform in der ORE Funders’ Group sowie im Executive Committee mitwirken. Die Beteiligung ist aktuell für eine Dauer von zunächst fünf Jahren bis Ende 2030 vorgesehen.

    Ziel von ORE ist es, öffentlich finanzierte Forschung rasch zugänglich zu machen und transparente Qualitätssicherungsprozesse zu etablieren. „Mit der Beteiligung an Open Research Europe wird eine neuartige Infrastruktur für das wissenschaftliche Publizieren unterstützt“, sagt DFG-Generalsekretärin Dr. Heide Ahrens. Durch die Teilnahme Deutschlands als „country-level member“ können zukünftig Forscher*innen aller deutschen Einrichtungen – unabhängig von einer Projektförderung – kostenfrei Artikel einreichen und einem offenen Begutachtungsverfahren unterziehen.

    „Dadurch, dass die Plattform jetzt durch ein Konsortium von Forschungsförderern und -organisationen getragen ist, wird sie zu einer Initiative aus der Wissenschaft für die Wissenschaft“, betont Ahrens. „Gemeinsam schlagen wir ein neues Kapitel auf, das den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen stärkt, Barrieren abbaut und die Forschungspraxis verbessert.“ Die weiteren ORE-Mitglieder kommen aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Schweden und der Schweiz. Die Europäische Kommission fungiert als ständige Beobachterin des Vorhabens und leistet zusätzlich gezielte finanzielle Unterstützung.

    Souveränität und Unabhängigkeit der Wissenschaft stärken

    „ORE ist ein eindrucksvolles Beispiel für das gemeinsame Engagement zur Förderung des freien Wissensflusses im Europäischen Forschungsraum und darüber hinaus“, sagt die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Dr. Silke Launert. „Durch die Gewährleistung des offenen Zugangs zu hochwertigen Forschungsergebnissen und der Nachvollziehbarkeit der Begutachtung stärkt die Plattform die Verbreitung der neuesten Forschungsergebnisse und erhöht das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft“, so Launert weiter.

    ORE soll unter anderem Mängeln entgegenwirken, die in Zusammenhang mit dem traditionellen wissenschaftlichen Publikationssystem diskutiert werden. Dazu zählt beispielsweise, dass Abonnementsysteme und Open-Access-Angebote für wissenschaftliche Veröffentlichungen kostspielig sein können und nicht selten zu Ungerechtigkeiten führen. Außerdem ist das akademische Ansehen zumeist an bibliometrische Kennzahlen gekoppelt, also daran, wie viel ein*e Wissenschaftler*in publiziert und zitiert wird. Auch das Ranking von Zeitschriften spielt üblicherweise eine Rolle, gemessen etwa durch den „Impact Factor“.

    Bei ORE hingegen soll der Schwerpunkt auf dem Wert und der Wirkung einzelner Publikationen liegen: Dadurch, dass die Begutachtung offen nachvollziehbar ist, wird der Austausch innerhalb der Fachcommunity sichtbar – was den wissenschaftlichen Gehalt und auch den gesellschaftlichen Wert der Studien klarer erkennbar machen soll.

    Die technische Umsetzung der neuen Phase von Open Research Europe erfolgt durch die europäische Organisation für Kernforschung CERN. Das CERN hat bereits in der Vergangenheit internationale Open-Science-Infrastrukturen und gemeinschaftlich verwaltete Dienste bereitgestellt, unter anderem betreibt es Zenodo, eine Online-Plattform für wissenschaftliche Ergebnisse. Voraussichtlich ab Herbst 2026 soll die neue ORE-Plattform fertiggestellt sein, sodass Einreichungen möglich sind. „Wir hoffen, dass unsere wissenschaftlichen Communitys in Deutschland diese Non-Profit-Option nutzen werden und ihre Vorteile sehen“, sagt Heide Ahrens.

    Seit ihrer Einrichtung 2021 hat die Plattform „Open Research Europe“ in ihrer bisherigen Form ein stetiges Wachstum und eine zunehmende Akzeptanz in der Wissenschaft verzeichnet – derzeit sind dort mehr als 1.200 veröffentlichte Artikel von über 6.300 Autor*innen zu finden. Im Vorfeld der Neuausrichtung erschien bereits 2024 ein umfassender Rahmenplan (Scoping Report), in dem die Vision für die jetzt angelaufene neue Phase von ORE deutlich wird. Zudem steht die Initiative in Einklang mit dem 2022 verabschiedeten Action Plan for Diamond Open Access von Science Europe, einem Verbund der europäischen Forschungsförderorganisationen.

    Weiterführende Informationen

    Pressemitteilung des CERN: https://home.cern/news/news/cern/cern-host-europes-flagship-open-access-publishi...

    Webseite der DFG zu Open Research Europe: https://www.dfg.de/de/grundlagen-themen/digitale-themen/open-access/ore

    Webseite Open Research Europe: https://ore.eu/

    Medienkontakt:
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2109, presse@dfg.de

    Fachliche Ansprechpersonen in der DFG-Geschäftsstelle:
    Dr. Angela Holzer, Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, Tel. +49 228 885-2568, ore@dfg.de
    Michael Geuenich, Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, Tel. +49 228 885-2009, ore@dfg.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Kooperationen, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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