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30.03.2026 10:45

Wie sich das psychologische Wohlbefinden und die Persönlichkeit im Zuge von Wahlen wandeln

Linda Schädler Abteilung Kommunikation
Universität Mannheim

    Die Mannheimer Psychologin Prof. Dr. Olga Stavrova hat mit Kolleg*innen untersucht, wie Anhänger*innen der Gewinner bzw. Verliererpartei ein Wahlergebnis erleben und welche Veränderungen im Wohlbefinden und in der Persönlichkeit sich dabei beobachten lassen. Die Veränderungen sind bis zu vier Monate nach der Wahl messbar.

    Während schon länger bekannt ist, dass persönliche Lebensereignisse wie Scheidung oder Arbeitsplatzverlust einen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Persönlichkeit haben können, wurde dies in Bezug auf politische Ereignisse bisher kaum untersucht. Eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Olga Stavrova, Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialpsychologie und Mikrosoziologie an der Universität Mannheim, die sie gemeinsam mit Prof. Dr. Dongning Ren von der Universität Maastricht sowie Prof. Dr. Kathleen Vohs und Sangmin Kim von der Universität Minnesota durchgeführt hat, zeigt, welche psychischen Veränderungen die Wähler*innen nach den US-Präsidentschaftswahlen 2024 bei sich beobachteten.

    Mehr als 700 Personen wurden im Zeitraum von drei Wochen vor der Wahl bis 16 Wochen nach der Wahl insgesamt sieben Mal befragt. Als die Wahlergebnisse bekannt wurden, berichteten Anhänger*innen der Demokraten, die die Wahlen verloren hatten, von einem Rückgang des Wohlbefindens, des Optimismus und der persönlichen Kontrollüberzeugung. Sie empfanden sich als zynischer und gaben an, mehr Respektlosigkeit zu erfahren und stärker eine Verschwörungsmentalität zu entwickeln. Auch das vor der Wahl bei den Anhänger*innen der Demokraten vorhandene hohe Vertrauen in Institutionen nahm nach der Wahl rapide ab. All diese Veränderungen waren bis zu vier Monate nach der Wahl noch messbar.

    Im Gegensatz dazu erlebten Anhänger*innen der Republikaner Veränderungen in die entgegengesetzte Richtung: Sie berichteten von einem Anstieg des Wohlbefindens, der persönlichen Kontrollüberzeugung und des Optimismus und nahmen eine positivere Sicht auf die Welt und die Gesellschaft ein, was sich in höherem Vertrauen in Institutionen, geringerem Zynismus, weniger Erfahrungen von Respektlosigkeit und einem Rückgang der Verschwörungsmentalität widerspiegelte.

    Die Ergebnisse zeigen darüber hinaus, dass die Wahl mit Veränderungen in weiteren Bereichen der Persönlichkeit einherging, die die Selbstwahrnehmung und die Weltanschauung umfassen – vor allem auf der Seite der Wahlverlierer*innen. „Bei den meisten Befunden zeichnete sich ab, dass eine Wahlniederlage stärker mit Veränderungen verbunden war als ein Wahlsieg – nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch im Hinblick darauf, wie Menschen gesellschaftliche Realität wahrnehmen und bewerten“, erklärt Stavrova. „Unser Beitrag zeigt: Wenn der bevorzugte Kandidat eine Wahl verliert, verschiebt sich für viele Menschen nicht nur die Stimmung – sondern gleichsam die ‚Landkarte‘ ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Der Wahlausgang war mit umfassenden Veränderungen darin verbunden, wie Menschen die Welt sehen, deuten und bewerten – deutlich weitreichender als bloße Effekte auf das Wohlbefinden.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Olga Stavrova
    Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Mikrosoziologie
    Fakultät für Sozialwissenschaft
    Universität Mannheim
    Tel. +49 621 181- 2007
    E-Mail: olga.stavrova@uni-mannheim.de


    Originalpublikation:

    https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/01461672251412506


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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