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31.03.2026 08:00

EZB-Nachfolge: Wer steht für welchen Kurs?

Pascal Ausäderer Presse und Redaktion
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

    Welche Positionen wird die Nachfolge von Christine Lagarde an der Spitze der EZB vertreten? Eine aktuelle Analyse des ZEW Mannheim untersucht mithilfe KI-gestützter Auswertung öffentlicher Reden die geldpolitische Ausrichtung möglicher Kandidierender. Im Fokus stehen Pablo Hernández de Cos, Klaas Knot, Joachim Nagel und Isabel Schnabel. Die Ergebnisse zeigen: Alle vier positionierten sich im inflationsgeprägten Umfeld der Jahre 2022 bis 2024 eher „falkenhaft”, unterscheiden sich jedoch in ihrer Entschlossenheit zur Inflationsbekämpfung sowie in ihrer Entwicklung über die Zeit.

    „Unsere Analyse zeigt zwar Geschlossenheit in den Monaten des starken Inflationsschubs, offenbart aber Unterschiede über die Jahre. Isabel Schnabel signalisiert in ihren Reden seit der Jahreswende 2021/2022 durchgängig eine hohe Vorsicht im Hinblick auf neue Inflationsrisiken. Hernández de Cos ist von dieser Linie hingegen rascher wieder abgerückt und war auch vor der großen Inflation stets ein besonders starker Befürworter einer expansiven Geldpolitik“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“. Jan Kemper, Wissenschaftler im selben Forschungsbereich, ergänzt: „Unsere Analyse zeigt, dass KI-gestützte Textanalysen für die geldpolitische Forschung heute einen relevanten Beitrag leisten können.“

    Klare Unterschiede im geldpolitischen Profil

    Ein Vergleich der Reden aus den Jahren 2022 bis 2024 zeigt deutliche Unterschiede: Während sich Schnabel und Nagel besonders stark für die Inflationsbekämpfung aussprechen, treten de Cos und Knot weniger entschlossen auf. Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg ergibt sich ein differenzierteres Bild: De Cos steht tendenziell für eine expansivere Geldpolitik, während Schnabel besonders seit Anfang 2022 eine konsequent restriktivere Linie vertritt. Knot und Nagel liegen dazwischen und signalisieren eher eine Fortführung des bisherigen EZB-Kurses.

    Mit dem starken Inflationsanstieg ab 2021 kam es bei allen untersuchten Personen zu einer Verschiebung hin zu einer „falkenhaften“ Haltung. Damit ist eine eher restriktive Haltung der EZB gemeint, die darauf abzielt, die Inflation durch Zinserhöhungen und eine straffere Geldpolitik zu bekämpfen. Besonders ausgeprägt und nachhaltig war dieser Kurswechsel bei Schnabel. insbesondere de Cos und Knot schwächten ihre restriktive Rhetorik ab 2023 ebenso wie zuletzt auch Nagel wieder etwas ab.

    Zur Methodik

    Methodisch basiert die Untersuchung auf einer KI-gestützten Textanalyse von Reden, die zwischen 2018 und 2024 gehalten wurden. Die Einordnung erfolgt auf einer Skala von -1 (stark „taubenhaft“) bis +1 (stark „falkenhaft“). Grundlage sind Reden aus der Datenbank der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Die Studie nutzt moderne Sprachmodelle, die zuverlässig geldpolitische Positionen aus Texten ableiten können.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Friedrich Heinemann
    Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“
    Tel.: +49 (0)621 1235-149
    E-Mail: friedrich.heinemann@zew.de


    Originalpublikation:

    https://www.zew.de/fileadmin/FTP/policybrief/de/pb05-26.pdf


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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