Die saarländische Landesregierung hat im vergangenen Juni angekündigt, den Aufbau eines Zentrums für Quantentechnologien (QuTe) an der Universität des Saarlandes mit über 53 Millionen Euro zu fördern. Dieses nimmt heute mit einer Festveranstaltung offiziell seine Arbeit auf. Daran nehmen neben Minister Jakob von Weizsäcker und Universitätspräsident Ludger Santen auch Astrid Lambrecht, die Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrum Jülich teil. Dieses wird eng mit dem neuen Zentrum kooperieren.
Das Zentrum für Quantentechnologien will die Grundlagenforschung und praktische Anwendungen miteinander verbinden. Zum einen wird es um das Quantum Engineering und die Quantenoptik gehen. Hierbei ist das Ziel, ein Quanteninternet sowie Quantennetzwerke und Interfaces zu entwickeln. Darüber hinaus werden sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem zweiten Schwerpunkt der Quanteninformationstheorie, den Quantenalgorithmen sowie der Quanteninformatik und Software des Quantencomputing widmen.
Das Zentrum ist in seinem Grundsatz interdisziplinär und hat ein breit gefasstes Verständnis von Quantentechnologien. Dafür wird eine Brücke zwischen Physik, Mathematik, Informatik und den Ingenieurwissenschaften geschlagen. Die bereits vorhandene Expertise von Professorinnen und Professoren aus diesen vier Fachrichtungen der Universität des Saarlandes wird durch Neuberufungen erweitert. Diese können auf die langjährige Forschungsarbeiten an der Universität des Saarlandes im Bereich der Quantenoptik sowie der experimentellen und theoretischen Physik aufbauen. Diese Forschungsgruppen sind schon jetzt maßgeblich an der Entwicklung von Quantennetzwerken und einem zukünftigen „Quanteninternet“ beteiligt.
Im Bereich Quantum Engineering ist das Ziel, die Grundlagenforschung der Physik mit der anwendungsorientierten Forschung im Bereich Systems Engineering zu verzahnen und so die Forschungsergebnisse in relevante Anwendungen zu bringen. Hierfür ist vorgesehen, zwei weitere Professuren in der experimentellen Quantenphysik sowie acht Professuren im Bereich Systems Engineering zu besetzen. Mit dem Forschungszentrum Jülich steht der Universität des Saarlandes zudem ein renommierter Partner zur Seite: Das Helmholtz-Zentrum wird auf dem Saarbrücker Universitätscampus eine Außenstelle im Bereich Quantum Engineering eröffnen, gemeinsame Professuren besetzen und seine international anerkannte Infrastruktur einbringen.
Im Endausbau wird das Zentrum für Quantentechnologien die gesamte Verwertungskette von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung im Bereich Quantum Engineering abdecken. Es wird damit einer der wenigen Standorte sein, an denen Quantenphysik und Engineering als gleichberechtigte Partner unter einem Dach vereint sind. Hier werden zukünftig wichtige Beiträge zur Entwicklung von Technologien für Quantennetzwerke und der Hardware von Quantencomputern erwartet.
In dem zweiten Schwerpunkt zum Thema Quantencomputing forscht Frank Wilhelm-Mauch als Professor der Universität des Saarlandes gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich („Jülicher Modell“). Er koordiniert große integrierte Verbünde und bildet die wichtige Schnittstelle zwischen Quantensoftware und -hardware ab. Der Bereich Theoretische Quantentechnologie und Quanteninformation wird an der Universität des Saarlandes bereits durch vier Professuren in der Physik, Informatik und Mathematik vertreten. Sie sollen im Fachbereich Informatik durch zwei Professuren für Quanteninformation sowie in der Mathematik durch eine weitere auf diesem Gebiet verstärkt werden. Gemeinsam mit einer geplanten Professur für Quantum Communication im Bereich Systems Engineering deckt das neue Zentrum somit perspektivisch das interdisziplinäre Gebiet der Quanteninformation in ungewöhnlicher Breite ab. Zudem wird eine Brückenprofessur mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) im Bereich Quantum Artificial Intelligence besetzt werden — auch hier nimmt das Saarland eine Vorreiterrolle ein.
Bereits jetzt leistet das Zentrum für Quantentechnologien – in enger Kooperation mit der international renommierten Informatik an der Universität des Saarlandes — einen wichtigen Beitrag, um die Lücke in der Forschung im Bereich Quantensoftware und Quantenalgorithmik zu schließen. Hier soll auch künftig Software für das Quantum Computing und für industrielle Anwendungen entwickelt werden, zum Beispiel durch hybride Algorithmen, die Methoden des klassischen High-Performance Computing mit denen des Quantencomputing vereinen.
„Ziel ist es, auf dem Campus der Universität des Saarlandes einen weltweit sichtbaren Standort für Quantentechnologien zu schaffen, der sich sowohl durch exzellente Grundlagenforschung als auch anwendungsnahe Entwicklung auszeichnet“, sagt Universitätspräsident Ludger Santen. Insbesondere im Bereich Quantum Engineering sollen technische Entwicklungen, Patente und schließlich auch Start-Ups vorangetrieben werden. Auch im Softwarebereich läge viel Potential für Start-Ups. Für die praktische Anwendung von Quantencomputern werden neue Algorithmen benötigt, um mit ihrer Hilfe bestimmte Probleme effizienter zu lösen als auf klassischen Computern, so Santen. „Um die Spezialisten für diese Themen auszubilden, wird die Universität des Saarlandes ab dem Wintersemester ihre bereits seit 2019 angebotenen Bachelor- und Masterstudiengänge Quantum Engineering durch ein Masterprogramm Quanteninformation ergänzen, das nicht zwingend ein Physikstudium voraussetzt, sondern auch Interessierten aus den Informatik- und Mathematikstudiengängen offensteht“, ergänzt der Universitätspräsident.
Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker verdeutlicht darüber hinaus die wirtschaftliche Bedeutung des neuen Zentrums für das Saarland: „Was vor 100 Jahren mit der Quantenmechanik als Revolution der theoretischen Physik begann, ist heute eine Schlüsseltechnologie mit enormen wirtschaftlichen Potenzialen. Das neue Zentrum für Quantentechnologien baut auf bestehende Stärken an unserer Universität auf und schafft gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich die kritische Masse für internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Mit Unterstützung des saarländischen Transformationsfonds gelingt es, hier einen technologischen Leuchtturm zu etablieren mit entsprechenden Abstrahleffekten für Wertschöpfung und Arbeitsplätze.“
Astrid Lambrecht, Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, sagt anlässlich der Kick-Off-Veranstaltung in Saarbrücken: „Innovative Quantentechnologien entstehen in vernetzten Ökosystemen – getragen von unseren Talenten und einer engen Verzahnung universitärer und außeruniversitärer Forschung. Mit Unterstützung des Landes schafft das neue Zentrum für Quantencomputing an der Universität des Saarlandes hierfür optimale Rahmenbedingungen und stärkt gezielt die wissenschaftliche Exzellenz. Die Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich bietet für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses Zugang zu einer leistungsfähigen Infrastruktur, die mit konkreten Anwendungen verbunden wird. Damit möchten wir aktiv dazu beitragen, die wissenschaftliche Quantencomputing-Community in Deutschland weiter zu stärken.“
Bei der heutigen Kick-off-Veranstaltung des Zentrums für Quantentechnologien ab 16 Uhr im Innovation Center der Universität des Saarlandes gibt Mathematik-Professor Moritz Weber für das Führungsteam des QuTe Einblicke in vergangene und geplante Aktivitäten. Anschließend beleuchten Finanz- und Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker, Universitätspräsident Ludger Santen und die Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich Astrid Lambrecht die Bedeutung des neuen Zentrums aus Landes-, Hochschul- und Forschungsperspektive. Der deutsch-österreichische Experimentalphysiker Rainer Blatt hält den Festvortrag. Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, wird eine Videogrußbotschaft senden. Zu dem Gründungsdirektorium des neuen Zentrums für Quantentechnologien der Universität des Saarlandes gehören Christoph Becher (Physik), Markus Bläser (Informatik), Jürgen Eschner (Physik), Giovanna Morigi (Physik), Peter Orth (Physik), Moritz Weber (Mathematik) als leitender Direktor und Frank Wilhelm-Mauch (Physik).
Prof. Dr. Moritz Weber
Tel.: 0681-302-2556
E-Mail: weber@math.uni-sb.de
https://www.uni-saarland.de/forschen/quantentechnologien.html
Das Führungsteam des neuen Zentrums für Quantentechnologien aus der Physik, Mathematik und Informati ...
Quelle: Thorsten Mohr
Copyright: Universität des Saarlandes
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Elektrotechnik, Informationstechnik, Physik / Astronomie
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

Das Führungsteam des neuen Zentrums für Quantentechnologien aus der Physik, Mathematik und Informati ...
Quelle: Thorsten Mohr
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