Wie feuern wir Athlet:innen wirksam an? Eine aktuelle Studie unter der Leitung von PD Dr. Marzena Żygis vom Berliner Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) hat dies erstmals systematisch untersucht. Die im Dezember 2025 im Journal Phonetica erschienene Studie zeigt: Spontane Motivationsrufe folgen vier festen akustischen Mustern. In Laborexperimenten analysierten die Forscher:innen dazu die Rufe von 30 Teilnehmenden in Marathon-Szenarien. Das Ergebnis belegt, dass sich Anfeuern durch extreme Tonhöhen und Rhythmen grundlegend von neutraler Rede unterscheidet, um maximale Unterstützung zu signalisieren.
Das Anfeuern am Streckenrand eines Marathons geschieht meist völlig intuitiv. Zuschauer:innen rufen oft spontan Namen, um Athlet:innen zu motivieren, ohne sich dabei über die akustische Gestaltung der Rufe Gedanken zu machen. Was jedoch physikalisch geschieht, wenn Zuschauer:innen Athlet:innen zur Fortsetzung ihrer Anstrengung motivieren, war bisher kaum systematisch erforscht. Für PD Dr. Marzena Żygis und ihr Team war genau diese Unmittelbarkeit der Anlass, die prosodischen Merkmale solcher Motivationsrufe im Labor zu untersuchen.
Vier Strategien der akustischen Motivation
Die Untersuchung der im Labor aufgezeichneten Rufe ergab vier charakteristische Strategien, mit denen Sprecher:innen ihre Unterstützung ausdrücken:
1. Einzelproduktion: Namen werden separat mit ähnlicher Dauer und längeren Pausen gerufen.
2. Silbische Teilung: Die Namen werden in einzelne Silben zerlegt, was eine rhythmische Artikulation betont.
3. Mischmuster: Eine Kombination aus einzeln gerufenen Namen und silbischer Zerlegung.
4. Gesangsmuster: Ein melodischer Ruf mit oft verlängerten Silben und mehreren Tonhöhenspitzen.
Höher, lauter, langsamer
Die akustische Analyse zeigt, dass Anfeuerungsrufe in fast allen Parametern signifikant von neutraler Sprache abweichen. Um Unterstützung zu signalisieren, nutzen Sprecher:innen eine deutlich höhere Tonhöhe (Grundfrequenz) sowie eine größere Tonhöhenspanne. Zudem sind die Rufe lauter. Überraschenderweise war die Sprechgeschwindigkeit insgesamt langsamer, da Vokale gedehnt oder gezielte Pausen zwischen Silben eingefügt wurden.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Erhöhung der Tonhöhe der wichtigste Parameter ist, um Unterstützung zu signalisieren“, erklärt Dr. Marzena Żygis. Die rhythmische Wiederholung der Namen in gleichen Intervallen könnte zudem dazu dienen, die Bewegungsabläufe der Athlet:innen zu unterstützen und Ausdauer zu vermitteln.
An der Studie waren folgende Einrichtungen beteiligt: (1) Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) (2) Humboldt-Universität zu Berlin (3) Universität Luxemburg
Das Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)
Das ZAS ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut des Landes Berlin. Aufgabe des Zentrums ist die Erforschung der menschlichen Sprachfähigkeit im Allgemeinen und deren Ausprägung in Einzelsprachen. Ziel ist, diese zentrale Fähigkeit des Menschen und ihre biologischen, kognitiven und sozialen Faktoren besser zu verstehen.
Mehr Informationen unter www.leibniz-zas.de
PD Dr. Marzena Żygis
E-Mail: zygis@leibniz-zas.de
Żygis, M., Wesolek, S., Hosseini-Kivanani, N., & Krifka, M. (2025). The prosody of cheering in sports events: the case of long-distance running. Phonetica, 82(6), 489–524. https://doi.org/10.1515/phon-2024-0034
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Psychologie, Sprache / Literatur
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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