Die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verstärken den Klimawandel und seine Auswirkungen – da ist sich die wissenschaftliche Gemeinschaft einig. Eine Folge: Extremereignisse wie Hitze und Dürren werden immer häufiger und intensiver. Eine Studie von Forschenden des Alfred-Wegener-Instituts in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters zeigt, dass vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen der Haupttreiber zusammengesetzter Hitze-Dürre-Extreme sind. Die Studie unterstreicht auch Klimaungleichheiten: Länder mit niedrigem Einkommen sind einem unverhältnismäßig hohen Risiko solcher Extremlagen ausgesetzt, obwohl sie relativ wenig zu den globalen Emissionen beitragen.
Die Energiebilanz der Erde gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht – das zeigt der jüngste Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Die daraus resultierenden Klimaveränderungen führen zu häufigeren und extremeren Ereignissen wie Hitzewellen und Dürren. „Diese beiden Extreme verursachen bereits für sich genommen enorme Schäden, wie zum Beispiel eine weniger produktive Landwirtschaft und Industrie, akute Wasserknappheit und eine erhöhte Sterblichkeit bei Mensch und Tier”, sagt Di Cai, Erstautorin der Studie vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). „Zusammengenommen führen Hitze-Dürre-Extreme zu Folgen, die über die Gesamtauswirkungen der einzelnen Ereignisse hinausgehen oder sich deutlich von ihnen unterscheiden.”
In ihrer Studie untersuchten die AWI-Forschenden die Entwicklung und die treibenden Kräfte von kombinierten Hitze-Dürre-Extremen sowie ihre Auswirkungen auf den Menschen. Sie analysierten 152 Simulationen aus acht CMIP6-Klimamodellen, die sie mit Beobachtungsdaten und sozioökonomischen Datensätzen kombinierten. Ein Teil der Analyse verglich die Veränderungen der Temperatur, des Niederschlags sowie der Häufigkeit und Dauer von Hitze-Dürre-Ereignissen während der vorindustriellen Zeit (1850 bis 1900), der Gegenwart (2001 bis 2020) und einem zukünftigen Klima mit einer globalen Erwärmung von etwa 2,7 Grad Celsius. In einem weiteren Teil der Analysen haben die Forschenden ermittelt, welche Rolle Treibhausgasemissionen dabei einnehmen und wie unterschiedlich stark die Weltbevölkerung diesen Extremen unter verschiedenen Erwärmungs- und Bevölkerungsszenarien ausgesetzt ist.
„Wir haben nicht nur die physikalischen Veränderungen dokumentiert, sondern auch analysiert, wie stark die Bevölkerung unter verschiedenen Erwärmungszielen von Hitze-Dürre-Ereignissen betroffen ist”, sagt Dr. Monica Ionita, Mitautorin und Expertin für Wettervorhersage am AWI. „Das Ziel war, nicht nur zu verstehen, wie sich diese kombinierten Extreme verstärken, sondern auch, wer am stärksten davon betroffen sein wird und wie sehr eine stärkere Klimapolitik die künftige Gefährdung verringern könnte.”
Vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen treiben Hitze-Dürre-Ereignisse an und führen zu Klimaungleichheiten
Die Auswertung der Simulationen zeigte, dass die dominierende Triebkraft hinter der Zunahme kombinierter Hitze-Dürre-Ereignisse die steigenden globalen Temperaturen sind, die durch Rückkopplungen zwischen Land und Atmosphäre verstärkt werden. Diese Veränderungen werden in erster Linie durch Treibhausgasemissionen aus menschlichen Quellen und nicht durch natürliche Schwankungen verursacht. Das AWI-Team fand auch eine lineare Beziehung zwischen dem globalen Temperaturanstieg und dem Anteil der Bevölkerung, der vermehrt von extremen Hitze- und Trockenperioden betroffen ist. „Wenn sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändert, könnte fast ein Drittel der Weltbevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts häufigeren und schwereren Hitze-Dürre-Bedingungen ausgesetzt sein”, sagt Di Cai. Das wären fast 2,6 Milliarden Menschen. Um das einzuordnen: Basierend auf den derzeitigen durchschnittlichen globalen Emissionen pro Kopf, verursachen etwa 3,4 Menschen im Laufe ihres Lebens so viele CO2-Emissionen, dass sie bis zum Ende des Jahrhunderts eine weitere Person verstärkten kombinierten Hitze- und Trockenheitsextremen aussetzen.
Diese Anfälligkeit ist größtenteils auf die geografische Lage und die jeweilige Klimaempfindlichkeit der Regionen zurückzuführen. Die am stärksten betroffenen Länder befinden sich überwiegend in tropischen und subtropischen Breitengraden, wo schon eine geringe Erwärmung die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen erheblich verschieben kann. Ein weiterer Zusammenhang, den die Studie aufzeigt, ist, dass Länder mit niedrigem Einkommen einem unverhältnismäßig hohen Risiko dieser extremen Bedingungen ausgesetzt sind, obwohl sie relativ wenig zu den globalen Emissionen beitragen, da begrenzte Möglichkeiten zur Anpassung und Ressourcen die Risiken zusätzlich verschärfen können. Die wichtigsten Hotspots sind Mittel- und Südamerika, Südeuropa, Afrika und Südasien.
„Unsere Studie zeigt den dringenden Bedarf an fairen und sofortigen Klimamaßnahmen, die diejenigen schützen, die am meisten gefährdet sind”, sagt Di Cai. „Wir verbinden die physikalische Zuordnung, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel Hitze-Dürre-Ereignisse verstärkt, mit Daten zu nationalen Ungleichheiten und zur Exposition der Bevölkerung. Mit unserem Ansatz liefern wir Belege, die für die Bewertung des Klimarisikos in verschiedenen Regionen, für die Anpassungsplanung und für internationale Debatten über Klimagerechtigkeit direkt relevant sind.” Monica Ionita fügt hinzu: „Länder, die am wenigsten für die Emissionen verantwortlich sind, tragen möglicherweise einige der größten Risiken, was die Notwendigkeit von ehrgeizigeren Minderungsmaßnahmen, gezielter Anpassungshilfe und internationalen Klimafinanzierungsmechanismen unterstreicht. Die Ergebnisse zeigen auch, dass das Risiko jenseits von 1,5 Grad Celsius stark ansteigt, was die Vorteile einer stärkeren Abschwächung des Klimawandels und eines niedrigeren Erwärmungspfads hervorhebt.”
Di Cai
+49 (0)471 4831-1760
di.cai@awi.de
Cai, D., Lohmann, G., Chen, X., & Ionita, M. (2026). Compound hot-dry extremes amplify disproportionate climate risks for low-income nations. Geophysical Research Letters, 53, e2025GL118822. https://doi.org/10.1029/2025GL118822
https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse.html Pressemitteilung
https://wmo.int/publication-series/state-of-global-climate/state-of-global-clima... Bericht der Weltorganisation für Meteorologie
Dürre in Mitteldeutschland
Quelle: André Künzelmann
Copyright: André Künzelmann / UFZ
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
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Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
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