Wie kann der Wandel zur klimaneutralen Stadt gelingen und welche Rolle spielen dabei der Wissensaustausch und das Zusammenwirken vieler Akteure aus diversen stadtgesellschaftlichen Bereichen? Vier Jahre hat das Projekt TRUST diese Frage in der Stadt Görlitz bearbeitet. Unter Federführung des Interdisziplinären Zentrums für transformativen Stadtumbau (IZS) haben in dem Projekt zahlreiche Görlitzer*innen intensiv zusammengearbeitet, um die Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Die Erfahrungen sind in verschiedenen Publikationen dokumentiert. Sie sollen dabei unterstützen, den Weg gemeinsam und erfolgreich weiter zu beschreiten. Ende März hat das IZS die Ergebnisse im Rathaus Görlitz präsentiert.
Klimaneutralität ist nur zu erreichen, wenn Wissen zusammengeführt und Kräfte gebündelt werden. Dieser Gedanke lag dem Projekt TRUST zugrunde. Die Abkürzung steht für den Projekttitel „Transfer von Wissen zu urbanen Nachhaltigkeitstransformationen: Auf dem Weg zu klimaneutralen Städten 2030 – Görlitz als Pilotvorhaben“. Kern des Projektes war es, engagierte und interessierte Menschen aus Görlitz zusammenzubringen, den Austausch zu fördern, ausgewählte Maßnahmen testweise umzusetzen und mit Information und Kommunikation in die Stadtgesellschaft zu wirken. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus diesem Prozess sind in eine „Agenda für Görlitz. Kräfte bündeln für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Stadtentwicklung“ eingeflossen. Sie soll als Richtschnur dienen für den weiteren Weg der Stadt Görlitz hin zur Klimaneutralität. Denn mit Ende des Projektes ist dieser Weg noch lange nicht abgeschlossen.
Die „Agenda für Görlitz“ und weitere Projektergebnisse präsentierte das Team vom Interdisziplinären Zentrum für transformativen Stadtumbau (IZS) Ende März im Rathaus Görlitz. Das IZS hat das Projekt TRUST initiiert sowie wissenschaftlich begleitet und zwischen 2022 und 2026 gemeinsam mit der Stadtverwaltung Görlitz, den Stadtwerken Görlitz AG, der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH sowie dem Görlitz für Familie e. V., dem Second Attempt e. V. und dem Arbeitskreis Görlitz Nachhaltig umgesetzt. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs | Förderprogramm „Leibniz-Transfer“.
Rückschau und Ergebnisse
Der Einladung zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse waren neben Vertreter*innen der Projektpartner auch viele Engagierte gefolgt, die sich in den vergangenen vier Jahren intensiv in das Projekt eingebracht hatten. Gemeinsam haben die Beteiligten zunächst eine Analyse zum Status Quo in klimarelevanten Handlungsfeldern erarbeitet. Im nächsten Schritt haben sie eine Vision für ein klimaneutrales Görlitz entwickelt, ebenso wie Transformationspfade abgesteckt, also Schritte, die es braucht, um das angestrebte Ziel zu erreichen. In zehn Experimenten im Stadtraum wurden schließlich Maßnahmen erprobt, die zur klimaneutralen Entwicklung der Stadt beitragen können. Ein Team aus sieben Vertreter*innen der Projektpartner wurde aufgebaut. Es hat sich um Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung gekümmert und viele Aktivitäten im kommunalen Klimaschutz angeschoben und koordiniert. So ist der Blog „Zukunft Görlitz“ entstanden, die kommunale Wärmeplanung wurde initiiert und bereits abgeschlossen und der Nachhaltigkeits-Check zur Prüfung der Vereinbarkeit von Stadtratsvorlagen mit der kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt.
Als besonderen Mehrwert von TRUST hoben die Vertreter*innen der Projektpartner während der Veranstaltung die kontinuierliche Vernetzung und das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Akteure hervor, die auf anderem Wege nicht so leicht miteinander in Kontakt gekommen wären. Dank des Projektes hätten viele Akteure und Akteurinnen für einen langen Zeitraum zusammengewirkt mit dem Ziel, die Stadt klimaneutral zu gestalten. Und dies, obwohl das Projekt als offener Prozess angelegt war und nicht von vorneherein klar sein konnte, welchen Weg es nehmen und welche Ergebnisse sich erreichen lassen würden.
Alle Aktivitäten haben die Projektpartner in Broschüren dokumentiert, die Erfahrungen aus der gemeinsamen Arbeit sind schließlich in die „Agenda für Görlitz. Kräfte bündeln für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Stadtentwicklung“ eingeflossen. Diese enthält auch Empfehlungen, wie Görlitz den Weg Richtung Klimaneutralität weiter erfolgreich beschreiten kann.
Weitere Schritte zur Klimaneutralität
„Ein erster Erfolg wäre es, wenn die Akteure den Schwung, der durch das Projekt entstanden ist, nutzen würden und die Empfehlungen, die die Agenda formuliert, umsetzen. Auch weiterhin braucht es die gemeinsame Anstrengung vieler Görlitzerinnen und Görlitzer, damit die Stadt ihr Ziel erreichen kann, bis 2030 klimaneutral zu sein“, erläutert Projektleiter Robert Knippschild.
Eine Sorge der Projektbeteiligten und die zentrale Herausforderung für den weiteren Weg ist nun, die Verstetigung über das Projektende hinaus sicherzustellen. Der politische Wille, Görlitz klimaneutral zu gestalten, ist durch mehrere Stadtratsbeschlüsse gegeben. Die Stadtverwaltung schreibt zudem aktuell eine Stelle für die Bearbeitung von Energie- und Klimaprojekten aus. Auch die bisher Beteiligten aus kommunalen Unternehmen und aus Vereinen und Initiativen haben ein großes Interesse daran, sich auch weiterhin gemeinsam zu engagieren und ihre Ressourcen in die zukunftsfähige Stadtentwicklung einzubringen.
„Die Herausforderung bleibt jedoch, den Prozess ohne große Unterbrechung fortzuführen. Es ist bisher offen, wer eine koordinierende Rolle für die Vernetzungsaktivitäten übernehmen kann. Hier spielen in erster Linie finanzielle und personelle Restriktionen eine Rolle“, erläutert Robert Knippschild. Auch für diese Herausforderung ist im Projekt eine Dokumentation entstanden. Das Projektteam hat zu lokalen Fondslösungen recherchiert und die Erfahrungen anderer Kommunen mit diesen Finanzierungsmodellen zusammengetragen. „Mit unserer Expertise zu Stadterneuerung und mit dem Wissen aus anderen Projekten sowie aus der Zusammenarbeit mit anderen Kommunen kann das IZS als Forschungspartner künftig auch wieder Projekte unterstützen, die eine wissenschaftliche Begleitung vorsehen“, so Knippschild.
Hintergrund Leibniz-Wettbewerb | Leibniz-Transfer
Im Leibniz-Wettbewerb werden die strategischen Ziele der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation adressiert. Die Maßnahmen motivieren, Forschung und Forschungsinfrastrukturen auf höchstem Niveau zu betreiben und die resultierenden Erfolge sichtbar zu machen. Mit seinen zeitlich befristeten Förderungen setzt der Leibniz-Wettbewerb Anreize zur weiteren Profilbildung der Leibniz-Gemeinschaft. Damit grenzt er sich bewusst von Maßnahmen anderer Förderorganisationen und der institutionellen Förderung ab. Das Programm „Leibniz-Transfer“ fördert den Erkenntnistransfer aus allen Wissenschaftsbereichen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.
Prof. Dr. Robert Knippschild, E-Mail: r.knippschild@ioer.de
Knippschild, R.; Rößler, S.; Kögler, A.; Marx, R.; Maiwald L. (2026): Agenda für Görlitz: Kräfte bündeln für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Stadtentwicklung. Projekt TRUST „Transfer von Wissen zu urbanen Nachhaltigkeitstransformationen: Auf dem Weg zu klimaneutralen Städten 2030 – Görlitz als Pilotvorhaben“. Görlitz und Dresden: Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V., IÖR; Interdisziplinäres Zentrum für transformativen Stadtumbau, IZS. https://doi.org/10.5281/zenodo.18998607
https://trust-goerlitz.de/ - Weitere Informationen und Links zu allen Projektergebnissen
https://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-wettbewerb/ - Hintergrund Leibniz-Wettbewerb
Mehrere Broschüren fassen die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt TRUST zusammen. Sie enthalt ...
Quelle: H. Hensel
Copyright: H.Hensel/IÖR-Media
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Bauwesen / Architektur, Energie, Gesellschaft, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

Mehrere Broschüren fassen die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt TRUST zusammen. Sie enthalt ...
Quelle: H. Hensel
Copyright: H.Hensel/IÖR-Media
Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).