Die App Living-Lines erkennt handschriftliche Rechenwege und gibt sofort Feedback – ein KI-Tool aus der Uni Würzburg, das Lehrkräfte entlastet und Lernenden individuell hilft. Die Gründer Jakob Seitz und Tobias Lengfeld haben die App in Kooperation mit Schulen entwickelt.
Im Schulalltag haben Lehrerinnen und Lehrer oft nicht die Zeit, um gut genug auf einzelne Schüler und deren Schwächen einzugehen. Wie könnte man dieses Problem beheben?
Darüber wurde zu Hause bei Jakob Seitz oft diskutiert, denn seine Eltern sind Lehrkräfte.
Kein Wunder, dass das Thema den Würzburger Informatiker bis heute nicht losgelassen hat. Er ist inzwischen mit seinem Studium fertig und treibt jetzt ein Startup voran: Gemeinsam mit seinem Fachkollegen Tobias Lengfeld hat er die App Living-Lines für den Mathematik-Unterricht entwickelt.
Wie die App funktioniert: Die Lehrkräfte fotografieren Rechenaufgaben ab, eine Software setzt sie sekundenschnell in digitale Arbeitsblätter um, welche die Schülerinnen und Schüler dann handschriftlich auf einem Tablet bearbeiten können. Machen sie bei der Rechnung etwas falsch, gibt ihnen die App sofort Feedback, ohne die Lösung vorwegzunehmen.
KI versteht handschriftliche Rechenwege
Die Innovation, die hinter Living-Lines steckt: eine KI, die handschriftliche Rechenwege erkennt, versteht und bei Bedarf korrigiert. Für die Schüler ist das fast so, als würde ihnen eine echte Lehrkraft beim Lösen der Aufgabe helfen.
Das Knowhow für die App hat Jakob Seitz an der Universität Würzburg erworben, im Rahmen der Studiengänge Games Engineering und Informatik. Als Masterstudent beschäftigte er sich am Lehrstuhl für Computer Vision intensiv damit, wie man Computern beibringen kann, Handschriften zu verstehen. Er war auch an wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu dieser Thematik beteiligt.
In enger Kooperation mit Schulen entwickelt
Die Entwicklung der App begann 2024. Seitdem hat das Startup-Team stets eng mit Schulen zusammengearbeitet. „Die Kooperationen funktionieren top, wir sind in Kontakt mit hoch motivierten Schulleitungen und Lehrkräften, die das voranbringen wollen“, freut sich Jakob Seitz. Als Folge davon ist Living-Lines an Gymnasien in Schweinfurt, Würzburg und Hösbach schon im Einsatz.
Das Feedback der Lehrkräfte ist laut Seitz sehr positiv: Sie berichten von spürbar weniger Korrekturaufwand, von mehr Zeit für Gespräche im Unterricht. Und sie merken, dass heterogene Klassen profitieren, weil stärkere wie schwächere Lernende die jeweils passenden Impulse erhalten.
Drei Stipendien aus dem exist-Programm
Zu den Startup-Urgesteinen Jakob Seitz und Tobias Lengfeld ist vor kurzem Lea Masopust aus München dazugekommen, die sich um das Marketing kümmert. Aktuell kann das Trio seine volle Kraft in das Startup stecken: Seit Januar 2026 wird es mit drei Gründungsstipendien aus dem exist-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert, ko-finanziert vom Europäischen Sozialfonds.
Das heißt: Ein Jahr lang werden die drei finanziell gefördert, damit sie in dieser Zeit mit Unterstützung der Universität Würzburg ihren Businessplan ausarbeiten und sich auf den Markteintritt vorbereiten können.
Gefördert wurde das Team auch schon vorher: Die Schwarz-Stiftung unterstützte es finanziell sowie durch Coaching.
Unterstützung aus der Universität
Verwaltet wird das exist-Projekt an der Universität vom Lehrstuhl für Computer Vision. Dessen Leiter Professor Radu Timofte steht dem Team als Mentor und Coach zur Seite.
Weitere Unterstützung kommt von der universitären Gründungsberatung am Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT). Das Team dort ist für alle gründungswilligen Studierenden, Beschäftigten und Alumni da. Es arbeitet auch die exist-Anträge gemeinsam mit den Antragstellenden aus.
Wo Living-Lines in einem Jahr stehen will
Bis zum Ende der exist-Förderung im Dezember 2026 hat das Team mehrere Ziele. Dazu gehört die Suche nach anschließenden Finanzierungsquellen ebenso wie die weitere Verfeinerung der App – etwa durch Gamification, also die Anreicherung mit spielerischen Elementen.
Ziele sind außerdem, Living-Lines an noch mehr Schulen in den Regelbetrieb zu bringen und die Community von Lehrkräften, welche die App nutzen, zu vergrößern. „Wir wollen im Unterricht so gute Unterstützung liefern, dass weniger Nachhilfe nötig ist und Schülerinnen und Schüler die Inhalte bereits nach der Unterrichtsstunde grundlegend verstanden haben“, so Jakob Seitz.
Team hat Auszeichnungen bekommen
Das Startup kann bereits einige Preise und Auszeichnungen für sich verbuchen. Hier eine Auswahl:
• Erster Platz im Wettbewerb „Studierendenpreis für Soziale Innovationen“ (StiPS) des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt in der Rubrik „Education and Work for the Future“
• Zweiter Platz im Strascheg Award 2025 in der Kategorie „Beste Geschäftsidee mit erstem Marketproof“, einem Wettbewerb des Strascheg Center for Entrepreneurship (München) zur Auszeichnung innovativer Geschäftsideen
• Erster Platz im Wettbewerb FLIGHT Startup Accelerator 2025 von Startbahn27, einer Initiative des Schweinfurter Gründungszentrums GRIBS
Kontakt zu Gründer Jakob Seitz: seitz@livinglines.app
https://livinglines.app/info/ Webseite des Startups Living-Lines
Jakob Seitz und Tobias Lengfeld vom Startup Living-Lines. Auf dem Tablet ist eine falsch gelöste Rec ...
Quelle: Jakob Seitz
Copyright: Jakob Seitz
Die ersten beiden Rechenschritte waren korrekt, beim dritten wurde ein Fehler gemacht. Die App Livin ...
Quelle: Jakob Seitz
Copyright: Jakob Seitz
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, jedermann
Informationstechnik, Mathematik, Pädagogik / Bildung
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Schule und Wissenschaft
Deutsch

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