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09.04.2026 11:08

Heimkehr in die Wildnis: 27 Pantherschildkröten in Südafrika ausgewildert

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

    Genetische Datenbank verbessert Schutz und Auswilderung von Landschildkröten

    Ein südafrikanisch-deutsches Forschungsteam unter der Leitung von Senckenberg-Forscherin Dr. Melita Vamberger und Dr. Adrian J. Armstrong (Ezemvelo KZN Wildlife) hat mithilfe einer genetischen Referenzdatenbank die Herkunft von beschlagnahmten und in Auffangstationen gehaltenen Pantherschildkröten ermittelt. Trotz ihres IUCN-Status als „nicht gefährdet“ sind die Landschildkröten erheblichen Bedrohungen wie illegalem Handel, Lebensraumverlust und menschlichen Eingriffen ausgesetzt. Die im Fachjournal „Conservation Genetics“ veröffentlichte Studie unterstreicht die zentrale Bedeutung genetischer Daten für verantwortungsvolle Auswilderungen: Bereits 27 von 50 genetisch untersuchten Tieren konnten nach einer kontrollierten Vorbereitung erfolgreich wieder in die südafrikanische Freiheit entlassen werden. Die Forschenden plädieren für eine engere internationale Zusammenarbeit, um Schutzmaßnahmen effektiver zu gestalten und den illegalen Handel einzudämmen.

    Dreizehn verschiedene Landschildkrötenarten leben in Südafrika. Mit einem Panzer von über 50 Zentimetern Länge und einem Körpergewicht von mehr als 30 Kilogramm zählt die Pantherschildkröte (Stigmochelys pardalis) zu den größten Vertretern. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung – Pantherschildkröten leben in weiten Teilen des südlichen und östlichen Afrikas von trockenen Halbwüsten und Savannen bis hin zu feuchteren Regionen – werden die Panzerträger aktuell von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) als „nicht gefährdet“ eingestuft. „Allerdings sind die Schildkröten in Südafrika dennoch zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt“, erklärt Dr. Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden und fährt fort: „Zu den größten Gefahren zählen illegaler Handel und Besitz, die Nutzung als Nahrungsquelle und in der traditionellen Medizin, tödliche Unfälle an Elektrozäunen sowie der fortschreitende Verlust und die Zerstörung ihres Lebensraums durch Zersiedelung, Überweidung und Brandrodung.“

    Die Dresdner Wissenschaftlerin hat gemeinsam mit einem südafrikanisch-deutschen Team eine genetische Referenzdatenbank für Pantherschildkröten erweitert und in der Praxis getestet. Untersucht wurden Tiere aus der Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika sowie aus Eswatini. Zudem ergänzten die Forschenden die Datenbank um genetische Daten von 50 wildlebenden Schildkröten aus diesen Regionen. „Der illegale Handel mit Pantherschildkröten ist weit verbreitet. In den vergangenen zwanzig Jahren wurden zunehmend Schildkröten in Auffangstationen und Zoos aufgenommen, wodurch sich dort große Bestände angesammelt haben. Oft ohne gesicherte Kenntnis ihrer ursprünglichen Herkunft“, erläutert Vamberger.

    So nahm etwa die Auffangstation in KwaZulu-Natal zwischen 2016 und 2025 über 100 Pantherschildkröten auf und musste weitere Tiere aus Platzmangel abweisen, eine Einrichtung in Durban verzeichnete im gleichen Zeitraum sogar mehr als 300 Tiere.

    „Der Umgang mit den Schildkröten ist umstritten, da es sich meist um illegal gesammelte, gehaltene, ausgesetzte oder entkommene Individuen handelt. Es bestehen eigentlich nur drei Optionen: lebenslange Haltung, Auswilderung oder Einschläferung“, ergänzt die Schildkrötenexpertin. „Da Pantherschildkröten sehr langlebig sind und hohe Ansprüche an Platz, Nahrung und medizinische Versorgung stellen, ist eine dauerhafte Haltung nur begrenzt realisierbar. Das Einschläfern gesunder Tiere wird glücklicherweise abgelehnt. So ist eine Auswilderung häufig die einzige sinnvolle Lösung.“

    Frühere Auswilderungen erfolgten jedoch oft ohne klare Richtlinien und begleitende Nachkontrollen, wodurch Risiken wie Überpopulation, Abwanderung in ungeeignete Lebensräume, genetische Vermischung, Krankheitsübertragung und ungewisse Überlebenschancen unzureichend berücksichtigt wurden.
    Für den Artenschutz sei es sehr wichtig, genau zu wissen, aus welcher Region ein Tier kommt – nur so könne man entscheiden, wie und wo es sinnvoll wieder ausgewildert werden kann, heißt es in der neuen Studie.

    Das Ergebnis der genetischen Untersuchung war überraschend: Nur eine einzige Pantherschildkröte aus der Auffangstation in KwaZulu-Natal Tiere ließ sich genetisch auch dieser Region zuordnen. „Das zeigt, wie stark illegaler Handel, Umsiedlungen und private Haltung die natürlichen Verbreitungsmuster dieser Art durcheinanderbringen“, fügt Vamberger hinzu.
    Die Tiere, deren regionale Herkunft sicher genetisch bestimmt werden konnten, wurden gezielt aufgepäppelt und schließlich an geeigneten Orten ausgewildert.

    Bislang wurden 27 der 50 Pantherschildkröten wieder in die Natur entlassen. Die Tiere durchliefen zuvor eine etwa sechsmonatige „Soft-Release“-Phase: Dabei wurden sie zunächst in ausbruchsicheren Gehegen in ihrem späteren Lebensraum gehalten, um zu beobachten, wie gut sie sich an die Umgebung anpassen, bevor sie vollständig freigelassen wurden. „Je nach genetischer Herkunft brachte man die Schildkröten in unterschiedliche Regionen: Eine Gruppe wurde in einem privaten Schutzgebiet in der Ostkap-Provinz freigelassen. Andere kamen in Schutzgebiete in der Nordkap-, Freistaat- und Limpopo-Provinz“, so Vamberger.

    Die Ergebnisse des Forschungsteams zeigen, dass sich mit Hilfe der erweiterten genetischen Datenbank zuverlässig bestimmen lässt, aus welcher Region einzelne Schildkröten stammen. „Das ist entscheidend, um sie an den richtigen Ort zurückzubringen und bestehende Populationen sinnvoll zu stärken. Unsere Studie macht außerdem deutlich, dass viele der Landschildkröten in Auffangstationen ursprünglich aus weit entfernten Regionen stammen. Das zeigt eindrücklich, wie stark illegaler Handel und Transport verbreitet sind. Um dem entgegenzuwirken, braucht es eine bessere Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbehörden, Auffangstationen und Forschungseinrichtungen – idealerweise nicht nur innerhalb Südafrikas, sondern über Ländergrenzen hinweg“, resümiert Vamberger.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Melita Vamberger
    Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden
    Tel. 0351 7958 41-4409
    melita.vamberger@senckenberg.de


    Originalpublikation:

    Armstrong, A.J., Kropff, A.S., Kotze, A. et al. Back Home: first successful geographical assignment of rehabilitated leopard tortoises Stigmochelys pardalis using a conservation genetic database. Conserv Genet 27, 41 (2026). https://doi.org/10.1007/s10592-026-01773-y


    Bilder

    Mit einem Panzer von über 50 Zentimetern Länge und einem Körpergewicht von mehr als 30 Kilogramm gehört die Pantherschildkröte (Stigmochelys pardalis) zu den größten Landschildkröten Südafrikas.
    Mit einem Panzer von über 50 Zentimetern Länge und einem Körpergewicht von mehr als 30 Kilogramm geh ...

    Copyright: Senckenberg/Vamberger


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Mit einem Panzer von über 50 Zentimetern Länge und einem Körpergewicht von mehr als 30 Kilogramm gehört die Pantherschildkröte (Stigmochelys pardalis) zu den größten Landschildkröten Südafrikas.


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