Zu diesem Schluss kommt ein Trierer Projekt zu gelebter Nachhaltigkeit in Deutschland und Luxemburg. Nutzenden und Planenden fehlen oft wichtige Informationen.
Das DFG-geförderte Forschungsprojekt LIVEABLE untersucht, wie nachhaltige Gebäude, die z. B. energieeffiziente Technologien oder alternative Baumaterialien einsetzen, im Alltag genutzt, erlebt und bewertet werden und welche Bedingungen dafür ausschlaggebend sind, dass Nachhaltigkeit im Gebäudebereich tatsächlich wirksam wird.
Nachhaltigkeit zeigt sich im Alltag
Die Ergebnisse zeigen, dass nachhaltige Wohn- und Geschäftsräume nicht automatisch wie geplant funktionieren. Technik allein reicht nicht aus, damit Gebäude tatsächlich energieeffizient, ressourcenschonend und komfortabel sind. Nachhaltigkeit entsteht erst dort, wo Gebäude so gestaltet und betrieben werden, dass sie von ihren Nutzenden gut verstanden und sinnvoll in den Alltag integriert werden können.
„Nutzenden wissen zum Beispiel oft gar nicht, wie sie für maximale Energieeffizienz lüften und heizen müssten“, veranschaulicht Projektmitarbeiterin Dr. Paula Hild. „Schulungen für Bewohnerinnen und Bewohner wären daher sinnvoll.“
Auch die Lage eines Gebäudes ist entscheidend. Eingesparte Ressourcen eines grünen Bauwerks werden an anderer Stelle wieder verbraucht, wenn Nutzende etwa wegen schlechter Erreichbarkeit auf private PKW angewiesen sind. „Hier müsste noch mehr Wert auf die Schaffung von Infrastruktur vor dem Bau von Wohnraum gelegt werden“, merkt Hild an.
Nutzererfahrungen liefern wichtige Hinweise
Das Projekt bestätigt bestehende Studien, wonach Rückmeldungen aus dem Alltag für die Weiterentwicklung nachhaltiger Gebäude wichtig sind. Erfahrungen mit Raumtemperatur, Belüftung, Akustik, Lichtverhältnissen oder der Steuerung technischer Systeme geben Hinweise darauf, wo Konzepte funktionieren und wo Anpassungen notwendig werden.
Allerdings fehle es meistens an einem geregelten Austausch zwischen Nutzenden und Gebäudemanagement, weil letzteres oft extern vergeben wird.
„Nachträgliche Anpassungen werden auch nötig, wenn Räume auf Weisen genutzt werden, für die sie nie vorgesehen waren“, erklärt Paula Hild. „Kantinen werden etwa im Alltag oft zum Meetingraum, sind aber von der Aufteilung und Akustik her ungeeignet und werden dann umgebaut.“
Gerade dadurch wird sichtbar, dass Nachhaltigkeit nicht allein eine Frage der Planung ist, sondern auch des späteren Betriebs und der alltäglichen Aneignung von Räumen und Technik.
Fachliche Perspektiven prägen nachhaltiges Bauen
Ein weiteres Ergebnis betrifft die Rolle professioneller Akteure. Architektinnen und Architekten, Projektentwickelnde, Facility Managerinnen und Manager sowie Mitarbeitende in Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein nachhaltiges Gebäude ausmacht. Diese Perspektiven beeinflussen Planungsentscheidungen ebenso wie technische Ausstattungen und Nutzungskonzepte.
Nachhaltigkeit wird damit nicht nur durch technische Standards bestimmt, sondern auch durch institutionelle Routinen, berufliche Erfahrungen und politische Zielsetzungen, die in konkrete Bau- und Betriebsprozesse übersetzt werden.
Regionale Unterschiede zwischen Trier und Luxemburg
Im Mittelpunkt standen qualitative Fallstudien in Trier und Luxemburg. Einbezogen wurden Perspektiven aus Architektur, Immobilienwirtschaft, Gebäudemanagement und Verwaltung sowie Erfahrungen von Gebäudenutzenden. Insgesamt flossen die Einschätzungen von mehr als 140 Beteiligten in die Untersuchung ein.
Dabei wurde ersichtlich, wie regional unterschiedlich geprägt nachhaltiges Bauen ist. In Luxemburg ist es stärker mit staatlichen Vorgaben, Förderstrukturen und Zertifizierungssystemen verbunden. Da es größere finanzielle Möglichkeiten gibt, werden mehr Großprojekte neu gebaut. Der Fokus liegt auf Energieeffizienz und Technik. In Trier wird nachhaltiges Bauen stärker mit dem Erhalt, dem Umbau und der Weiternutzung bestehender Bausubstanz verknüpft, weil kleinere Projekte mit privaten Auftraggebern dominieren.
Gebäude sind in größere Zusammenhänge eingebettet
Damit verweist das Projekt auf die Bedeutung regionaler Kontexte: Nachhaltigkeit im Gebäudebereich hängt nicht nur vom einzelnen Bauwerk ab, sondern auch von politischen, rechtlichen wie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Infrastrukturen und lokalen Entwicklungspfaden. Viele Faktoren beeinflussen, welche Formen nachhaltigen Bauens umgesetzt werden und wie tragfähig sie sich im Alltag erweisen.
Die zentralen Projektergebnisse stehen ab sofort auf der Projektwebseite zur Verfügung. Veröffentlicht wurden ein allgemeines Ergebnisposter sowie fallbezogene Kurzberichte.
Dr. Paula Hild
Nachhaltige Regional- und Standortentwicklung
Mail: hild@uni-trier.de
Tel. +49 651 201-4697
https://www.uni-trier.de/universitaet/fachbereiche-faecher/fachbereich-vi/faeche...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Energie, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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