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14.04.2026 10:39

Mathematik verstehen statt nur rechnen: bundesweit einzigartiges Fortbildungsprogramm stärkt Mathematikunterricht

Kerstin Theilmann Universitätskommunikation
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau

    Die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) unterstützt Mathematiklehrkräfte in der Oberstufe dabei, ihren Unterricht grundlegend weiterzuentwickeln – weg vom reinen Anwenden von Rechenregeln, hin zu einem nachhaltigen mathematischen Verständnis. Mit dem Lehrkräftequalifizierungsprogramm „MaTeGnu“ verfolgt die Universität gemeinsam mit Partnern aus Bildungspolitik und Schulpraxis einen in Deutschland bislang einzigartigen Ansatz, um den Mathematikunterricht systematisch zu verbessern.

    Ziel des Programms MaTeGnu (Mathematik mit Technologie an Grundvorstellungen orientiert nachhaltig unterrichten) ist es, Schülerinnen und Schülern ein tragfähiges mathematisches Grundverständnis zu vermitteln. Dieses geht im Unterricht bislang häufig zugunsten algorithmischer Verfahren verloren, bei denen das Anwenden von Regeln zum Lösen von Aufgaben im Vordergrund steht. „Viele Schülerinnen und Schüler können Rechenregeln anwenden, verstehen aber nicht, was mathematische Konzepte inhaltlich bedeuten oder wann sie in realen Anwendungssituationen relevant sind“, erklärt Jürgen Roth, Professor für Mathematik-Didaktik und Leiter des MaTeGnu-Projekts. Genau hier setzt das Fortbildungsprogramm an.

    Gerade vor dem Hintergrund neuer Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK), die ab 2030 im Mathematik-Abitur nur noch Taschenrechner mit eingeschränkten Funktionen oder sogenannte modulare Mathematiksysteme zulässt, gewinnt das Konzept zusätzliche Bedeutung. Lehrkräfte stehen auch durch die Neuerung vor der Herausforderung, digitale Werkzeuge didaktisch sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig das konzeptionelle Verständnis ihrer Schülerinnen und Schüler zu stärken. „Mit MaTeGnu reagieren wir gezielt und mit Vorlauf auf die Entscheidung der KMK, indem wir die Mathematiklehrkräfte im Land umfassend unterstützen“, so Roth.

    Das Programm begleitet Lehrkräfte über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren durch die gesamte Oberstufe. In professionellen Lerngemeinschaften, regelmäßigen Fortbildungstagen und mit umfangreichen digitalen Materialien entwickeln Lehrkräfte und Forschende gemeinsam neue Unterrichtskonzepte. Digitale Werkzeuge wie die Mathematiksoftware GeoGebra spielen dabei eine zentrale Rolle: Schülerinnen und Schüler erforschen mathematische Zusammenhänge interaktiv, entwickeln eigenständig Erkenntnisse und vertiefen diese im gemeinsamen Austausch.

    Neben der Unterrichtsentwicklung setzt MaTeGnu gezielt bei Prüfungsformaten an. Aufgaben werden so gestaltet, dass sie stärker auf Verständnis und Anwendung mathematischer Konzepte abzielen. Dieses Zusammenspiel aus Unterricht und Leistungsbewertung gilt als zentraler Baustein nachhaltiger Schulentwicklung.

    Seit dem Start des Programms im Jahr 2023 nehmen aktuell 40 Schulen aus ganz Rheinland-Pfalz teil. Pro Schule arbeiten jeweils zwei Lehrkräfte – in Grund- und Leistungskursen – eng mit dem Fortbildungsteam zusammen und tragen die Inhalte in ihre Kollegien weiter. Unterstützt wird das Projekt durch eine enge Kooperation mit dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz, dem Pädagogischen Landesinstitut sowie geschulten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im gesamten Bundesland.

    Das Programm verbindet zudem alle Phasen der Lehrkräftebildung: Erkenntnisse aus der Fortbildung fließen an der RPTU direkt in die universitäre Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte ein. Dadurch profitieren bereits Studierende von aktuellen, forschungsbasierten didaktischen Konzepten.

    Eine umfassende wissenschaftliche Evaluation von MaTeGnu zeigt bereits deutliche Erfolge. Unterrichtsaufgaben entwickeln sich messbar in Richtung stärkerer Verständnisorientierung, und Befragungen belegen signifikante Verbesserungen im konzeptionellen Verständnis der Schülerinnen und Schüler.

    Langfristig verfolgt MaTeGnu das Ziel, den Mathematikunterricht flächendeckend weiterzuentwickeln und die mathematischen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern durchgängig bis zum Abitur nachhaltig zu stärken – nicht nur für ein erfolgreiches Studium, sondern auch für zahlreiche Ausbildungsberufe und gesellschaftliche Anforderungen in einer zunehmend digitalisierten Welt.

    Lehrkräfte aller Oberstufenschulen in Rheinland-Pfalz können sich noch bis zum 30. April 2026 unter https://mategnu.de für den nächsten Durchgang des Qualifizierungsprogramms bewerben. Der erste Fortbildungstag mit Blick auf das Schuljahr 2026/27 ist bereits im Mai 2026.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    RPTU Kaiserslautern-Landau
    Prof. Dr. Jürgen Roth
    Didaktik der Mathematik (Sekundarstufen)
    j.roth@rptu.de

    Dr. Susanne Digel
    Didaktik der Mathematik (Sekundarstufen)
    s.digel@rptu.de


    Bilder

    Digitale Werkzeuge wie die Mathematiksoftware GeoGebra spielen bei MaTeGnu eine zentrale Rolle.
    Digitale Werkzeuge wie die Mathematiksoftware GeoGebra spielen bei MaTeGnu eine zentrale Rolle.

    Copyright: RPTU, Karin Hiller


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler
    Mathematik, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Schule und Wissenschaft, wissenschaftliche Weiterbildung
    Deutsch


     

    Digitale Werkzeuge wie die Mathematiksoftware GeoGebra spielen bei MaTeGnu eine zentrale Rolle.


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