Ein ausgeprägter Mangel an Arbeitskräften kann dazu führen, dass offene Stellen mit Personen besetzt werden, deren Fähigkeiten nicht vollständig den Anforderungen ihres Berufs entsprechen. Eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt: Rund ein Viertel der Erwerbstätigen auf dem deutschen Arbeitsmarkt weist Kompetenzlücken auf. Besonders betroffen sind Engpassberufe wie Tätigkeiten im Bau, Handwerk, Verkauf und Pflege, für die nicht ausreichend geeignete Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Dies gilt vor allem für Berufe im mittleren Qualifikationsniveau, die in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen.
Wie aus der Untersuchung hervorgeht, weisen 33,5 Prozent der Beschäftigten in Engpassberufen mit Berufsausbildung Defizite beim Lesen und 34,9 Prozent Defizite beim Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auf. In vergleichbaren Nicht-Engpassberufen wie etwa kaufmännischen Tätigkeiten und Berufen im Vertrieb liegen die Anteile mit 27,2 bzw. 24,6 Prozent deutlich niedriger. Im Bereich der mathematischen Kompetenzen fällt dieser Unterschied hingegen deutlich geringer aus. Für Tätigkeiten mit höherem Anforderungsniveau – etwa in Berufen mit Meister-, Techniker- oder Hochschulabschluss – lässt sich das Muster einer höheren Betroffenheit von Kompetenzlücken in Engpassberufen hingegen nicht erkennen.
Grundsätzlich ist eine vollständige Übereinstimmung zwischen den Anforderungen von Arbeitsplätzen und den Kompetenzen der Beschäftigten in einem dynamischen Arbeitsmarkt nicht zu erwarten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines rückläufigen Erwerbspersonenpotenzials ist jedoch davon auszugehen, dass sich bestehende Arbeitskräfteengpässe und damit einhergehende Passungsprobleme weiter verschärfen könnten. „Wenn die Zahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber begrenzt ist, stehen Unternehmen vor der Entscheidung, Stellen unbesetzt zu lassen oder Kompromisse bei der Passung einzugehen“, erklärt der Autor Dr. Stephan Bischof, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB. „Dies kann dazu beitragen, dass Kompetenzlücken von Beschäftigten häufiger auftreten.“
Mögliche Folgen solcher Kompetenzlücken betreffen sowohl Betriebe als auch Beschäftigte. Unternehmen können mit Effizienz- und Produktivitätseinbußen konfrontiert sein. Beschäftigte wiederum berichten in diesem Zusammenhang häufiger von Überforderung, erhöhtem Stress und geringerer Arbeitszufriedenheit. „Um Engpässe zu begrenzen, ist es wichtig, mehr qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, etwa durch eine Stärkung der beruflichen Ausbildung in besonders betroffenen Bereichen“, so Bischof. „Zudem könnten Unternehmen die Weiterbildungsbeteiligung gezielt fördern und entsprechende Angebote ausbauen. Gerade in Engpassberufen kann dies ein wichtiger Ansatz sein, um Engpässe nicht nur personell zu mindern, sondern auch durch eine bessere Passung zwischen Anforderungen und Kompetenzen abzufedern.“
Die Analysen basieren auf Daten der Erwachsenenkohorte des Nationalen Bildungspanels (NEPS) aus dem Jahr 2021. Berücksichtigt wurden abhängig Beschäftigte im Alter von 35 bis 65 Jahren, die zum Erhebungszeitpunkt mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiteten. Nicht erfasst sind Selbständige sowie Personen in Praktika, studentischen Hilfstätigkeiten, arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen oder saisonalen Tätigkeiten.
Dr. Stephan Bischof Stephan.Bischof@bib.bund.de
Prof. Dr. Heiko Rüger Heiko.Rueger@bib.bund.de
Bischof, Stephan (2026): Kompetenzlücken in Engpassberufen - vor allem in Berufen mit Berufsausbildung. In: BiB.Aktuell 3/2026.
http://www.bib.bund.de/Publikation/2026/BiB-Aktuell-2026-3
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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