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15.04.2026 17:59

Neues Forschungsprojekt "Qualifizierte Sprachmittlung für effiziente forensische Kommunikationsüberwachung" (QSEK)

Kathrin Voigt Kommunikation und Medien
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Verbundprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Deutschen Hochschule der Polizei erhält vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Validierungsförderung VIP+ eine Gesamtförderung von rund 880.000 Euro

    Bei schwerwiegenden Straftaten darf die Polizei Telefone, Innenräume oder Fahrzeuge akustisch überwachen, um Gespräche mutmaßlicher Täterinnen und Täter aufzuzeichnen, oder sie kann Chats auswerten. Kommunizieren Tätergruppen in anderen Sprachen als Deutsch, werden Sprachmittlerinnen und Sprachmittler mit der Übertragung ins Deutsche beauftragt, die nicht nur den sprachlichen Transfer übernehmen, sondern auch weitere ermittlungsrelevante Informationen zu den Gesprächen übermitteln. Die Ergebnisse ihrer Arbeit dienen zudem der Beweisführung vor Gericht. Für effiziente Gefahrenabwehr und Strafverfolgung sind Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte daher auf eine präzise Sprachmittlung in der Kommunikationsüberwachung (KÜ) angewiesen.

    Genau hier setzt das Forschungsprojekt "Qualifizierte Sprachmittlung für effiziente forensische Kommunikationsüberwachung", kurz QSEK, an: Das interdisziplinäre Forschungskonsortium aus Translations- und Rechtswissenschaft sowie Kriminalistik zielt darauf ab, das Bewusstsein für die Besonderheiten und Relevanz der KÜ-Sprachmittlung in Polizei, Justiz und Sprachdienstleistungsbranche zu stärken, allgemeingültige Standards für die rechtssichere Verwendung sprachmittlungsbasierter Beweisinhalte zu entwickeln und sowohl Sprachdienstleistende als auch Polizeikräfte zu qualifizieren.

    Für Polizei und Justiz verspricht die Professionalisierung der KÜ-Sprachmittlung erhebliche Kosteneinsparungen, da qualitativ hochwertige Übersetzungsarbeit die Effizienz von Ermittlungen steigert und Fehlinterpretationen minimiert. Gleichzeitig erleichtern einheitliche Standards die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden, ermöglichen eine Einschätzung der Leistungsfähigkeit von KI-Anwendungen und erhöhen die Rechtssicherheit der Beweismittel aus der Kommunikationsüberwachung mit Sprachmittlung.

    Für die sprachmittelnden Personen selbst bietet die Einführung eines einheitlichen Qualifikationsprofils die Möglichkeit, sowohl die spezifischen übersetzerischen als auch forensischen Kompetenzen zu erwerben und sich auf den professionellen Umgang mit KI-Anwendungen vorzubereiten. Nicht zuletzt stärken die Innovationen faire und transparente Strafverfahren und den Anspruch beschuldigter Personen auf rechtliches Gehör und damit auch das Vertrauen der Gesamtgesellschaft in die polizeilichen und justiziellen Verfahren.

    Zentrale Bedeutung hat die Verwertung der Projektergebnisse in der Praxis. Dieser Transfer wird im Rahmen der Forschungsförderung VIP+ durch einen Innovationsmentor gewährleistet. Für diese wichtige Aufgabe konnte das Oberlandesgericht Düsseldorf gewonnen werden. Zudem unterstützt ein umfassender Beirat aus dem Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, dem Bundeskriminalamt, dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg, dem Bundesverband der Übersetzer und Dolmetscher e.V., dem Deutschen Institut für Menschenrechte und dem Strafverteidiger Alexander Paradisses (WisteV) das Projekt – was zeigt, dass QSEK auf einen dringenden Bedarf reagiert.

    Die Projektverantwortlichen, Prof. Dr. Cornelia Griebel vom Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) sowie Kriminaldirektor Joachim Faßbender und Prof. Dr. Lars Berster von der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol), freuen sich über diese breite Unterstützung aus den relevanten Adressatenkreisen und sind überzeugt, dass QSEK eine umfassende Lösung für die bestehenden Herausforderungen in der KÜ-Sprachmittlungsarbeit bringen wird. Durch die Kombination von wissenschaftlicher Forschung, praxisorientierter Weiterbildung und Begleitung der technologischen Innovation wird ein nachhaltiger Beitrag zu einer qualifizierten und effizienten KÜ-Sprachmittlung geleistet.

    Das Projekt QSEK wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Validierungsförderung VIP+ mit 878.799 Euro gefördert.

    Bildmaterial:
    https://download.uni-mainz.de/presse/06_kommunikationsueberwachung_sprachmittlun...
    KÜ-Sprachmittlerin am Arbeitsplatz
    Foto/©: Katja Preusse / Deutsche Hochschule der Polizei

    Weiterführende Links:
    https://www.validierungsfoerderung.de/validierungsprojekte/qsek – Validierungsprojekt "Qualifizierte Sprachmittlung für eine effiziente forensische Kommunikationsüberwachung" (QSEK)
    https://fb06.uni-mainz.de/ – Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Cornelia Griebel
    Verbundkoordinatorin QSEK
    Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK)
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    76711 Germersheim
    E-Mail: griebco@uni-mainz.de
    https://fb06.uni-mainz.de/


    Bilder

    KÜ-Sprachmittlerin am Arbeitsplatz
    KÜ-Sprachmittlerin am Arbeitsplatz
    Quelle: Katja Preusse
    Copyright: Deutsche Hochschule der Polizei


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

    KÜ-Sprachmittlerin am Arbeitsplatz


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