Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen hat Tier auf selbstständiges Leben in freier Wildbahn vorbereitet – Wissenschaftliche Begleitung durch die Arbeitsgruppe Wildtierforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Eine weibliche Wildkatze (Felis silvestris), die im Jahr 2025 in ihrem natürlichen Lebensraum aufgefunden wurde, ist am 15. April 2026 erfolgreich wieder in ihrem ursprünglichen Fundgebiet bei Neuhaus am Rennweg, Thüringen, in die Natur entlassen worden.
Das Tier wurde im Alter von wenigen Wochen entdeckt und durch den Bürgermeister Uwe Scheler (Neuhaus am Rennweg) persönlich nach Niedersachsen in die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen gebracht. Dort wurde die Wildkatze fachgerecht aufgezogen und auf ein selbstständiges Leben in freier Wildbahn vorbereitet. Inzwischen ist sie kräftig und alt genug, um eigenständig in ihrem natürlichen Lebensraum zu überleben. Die Freilassung am Fundort wurde von örtlichen Entscheidungsträgern unterstützt.
Die Aufzucht und Vorbereitung verwaister Wildtiere inklusive Wildkatzen auf eine Wiederfreilassung ist mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden und sollte ausschließlich durch dementsprechend qualifizierte Einrichtungen erfolgen. Zur wissenschaftlichen Untersuchung des Rehabilitationserfolgs wurde die Wildkatze in Zusammenarbeit mit der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen sowie Forschenden der Arbeitsgruppe Wildtierforschung an der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) mit einem GPS-Halsbandsender ausgestattet. Mithilfe dieser modernen Technik wird das Raumnutzungsverhalten des Tieres für mindestens ein halbes Jahr aufgezeichnet. So kann analysiert und bewertet werden, ob sich die Wildkatze erfolgreich in der Natur etabliert.
Die Wildkatze ist eine streng geschützte Art und darf nicht ohne Weiteres aus ihrem Lebensraum entnommen werden. „Leider kommt es häufig vor, dass aufgefundene Wildkatzenjunge fälschlicherweise als verlassen eingeschätzt werden, obwohl sich das Muttertier lediglich auf Nahrungssuche befindet oder in unmittelbarer Nähe aufhält“, erklärt Teresa Nava von der Arbeitsgruppe Wildtierforschung der JLU. „Selbst wenn feststeht, dass das Muttertier nicht zurückkehrt, sollten verwaiste Jungtiere nur unter fachkundiger Anleitung aufgenommen und versorgt werden“, ergänzt Dr. Florian Brandes, der Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation.
Biologinnen und Biologen sowie Tierärztinnen und Tierärzte der AG Wildtierforschung begleiten seit mehreren Jahren gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern die Freilassung verwaister Jungkatzen wissenschaftlich in unterschiedlichen Regionen. Die aktuelle Besenderung und telemetrische Begleitung erfolgt im Rahmen eines Forschungsprojekts, das vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus Mitteln der Jagdabgabe finanziert wird. In Kooperation mit der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen werden insgesamt 24 Wildkatzen mittels GPS-Telemetrie begleitet. „Zusammen mit bereits erhobenen Daten erreichen wir im Rahmen dieses Projekts eine belastbare Stichprobengröße und Datengrundlage, um den Erfolg der Rehabilitation verwaister Wildkatzen zu bewerten und möglichen Verbesserungsbedarf zu identifizieren. Dies ist insbesondere aus tierschutzfachlicher Perspektive relevant, um den Tieren eine reale Überlebenschance in der Wildbahn zu ermöglichen“, so Nava.
Wildtier- & Artenschutzstation Sachsenhagen e.V.
Dr. Florian Brandes
E-Mail: Florian.Brandes@wildtierstation.de
AG Wildtierforschung der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Justus-Liebig-Universität-Gießen
Teresa Nava
E-Mail: Teresa.Nava@vetmed.uni-giessen.de
Wildkatze mit Senderhalsband.
Quelle: AG Wildtierforsch./Marie Witte
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch

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