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17.04.2026 11:14

250 Jahre Illuminatenorden: Gotha als Zentrum der historischen Forschung

Carmen Voigt Pressestelle
Universität Erfurt

    Zum Jubiläumsjahr des berühmt-berüchtigten Geheimbundes bündelt die Arbeitsstelle Illuminatenforschung am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt ihre Forschungsergebnisse – und bereitet eine große wissenschaftliche Publikation vor.

    Am 1. Mai 1776 gründete der junge Ingolstädter Professor für Kirchenrecht Adam Weishaupt (1748–1830) den Illuminatenorden – eine Geheimgesellschaft, die nur gut ein Jahrzehnt bestand und doch die kollektive Vorstellungskraft bis heute nicht loslässt. 250 Jahre nach seiner Gründung ist der Orden immer noch in Verschwörungstheorien und in der Populärkultur präsent. Was aber ist über ihn historisch belegt? Wie weit klaffen Mythos und Wirklichkeit auseinander?

    Mit diesen Fragen befasst sich seit 2018 die Arbeitsstelle Illuminatenforschung am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt. Die drei Historiker Dr. Markus Meumann, Prof. Dr. Martin Mulsow und Dr. Olaf Simons haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Nachwuchswissenschaftler*innen die wichtigsten historischen Quellen systematisch erschlossen und der Forschung zugänglich gemacht. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte „Schwedenkiste“, die u. a. ein umfangreiches Ordensarchiv des Thüringer Illuminaten-Cheforganisators Johann Joachim Christoph Bode enthält. Dieser zentrale Dokumentenbestand wurde erst Ende der 1980er Jahre – nach einer abenteuerlichen Odyssee im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg – wiederentdeckt und ist bis heute nicht vollständig ausgewertet.

    Gotha – unterschätztes Zentrum des Illuminatenordens

    Die Gothaer Forschungen haben das bisherige Bild des Ordens in einem wesentlichen Punkt korrigiert: Anders als vielfach behauptet, fiel dessen Ende nicht mit dem kurbayerischen Verbot von 1785 zusammen. Vielmehr betrieb Bode ab 1783/84 unter der Protektion des aufgeklärten Herzogs Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg eine florierende Ordensprovinz namens „Ionien“ mit Schwerpunkt in Thüringen, die zum neuen Führungszentrum des Ordens avancierte und erst im Sommer 1787 erlosch. Gotha war damit die letzte Hochburg des Ordens – und ist heute der Ort seiner intensivsten wissenschaftlichen Erforschung. Mit der digitalen Forschungsplattform „Gotha Illuminati Research Base“ haben die Gothaer Forscher eine international genutzte Referenzadresse für quellengestützte Informationen über den Orden geschaffen.

    Ein Band für das Jubiläum: Neue Forschungsergebnisse zur Geschichte des Ordens

    Das Jubiläumsjahr ist für die Arbeitsstelle zugleich ein sehr produktives: Meumann, Mulsow und Simons bereiten derzeit unter Mitarbeit weiterer Mitglieder der Arbeitsstelle eine umfangreiche wissenschaftliche Publikation vor, die den aktuellen Stand der Forschung zum Illuminatenorden bündeln und neue Erkenntnisse zur internen Funktionsweise, zu bislang wenig beachteten Mitgliedern und zu den im Orden geführten Debatten präsentieren wird. Der Band soll die Forschung auf eine neue Grundlage stellen und zugleich dem in Verschwörungstheorien und fiktionalen Bearbeitungen entworfenen Bild des Ordens faktenbasiertes Wissen entgegensetzen.

    Anlässlich des Jubiläums kommen die Mitglieder der Arbeitsstelle am Forschungszentrum Gotha Ende April zu einem wissenschaftlichen Arbeitstreffen zusammen, um laufende Forschungen vorzustellen und die Arbeiten an der Publikation voranzutreiben.

    Zum Hintergrund: Was war der Illuminatenorden wirklich?

    Der Orden wurde zu Beginn als studentischer Lesekreis gegründet, dessen Mitglieder sich selbst „Perfectibilisten“ nannten. Er entwickelte sich schnell zu einer der ungewöhnlichsten Geheimgesellschaften der Aufklärungszeit: Radikal in seinen Bildungsidealen, elitär in seiner Rekrutierung, heterogen in seiner Mitgliedschaft – der Orden zählte Gelehrte, Beamte, Adlige und Bürger sowie den Gothaer Herzog zu seinen Mitgliedern, Frauen jedoch waren nicht zugelassen. Das 1785 verhängte Verbot in Bayern und die anschließende Veröffentlichung konfiszierter Ordenspapiere beförderten die Legendenbildung, die im Zuge der Französischen Revolution noch verstärkt wurde, so dass veritable Verschwörungserzählungen entstanden. Diese – und nicht historische Fakten – sind es, die den Orden bis heute in der Populärkultur am Leben erhalten.

    Die Gothaer Forschungen zeigen demgegenüber: Der historische Illuminatenorden war eine Erscheinung der deutschen Spätaufklärung mit klar umrissener geografischer und zeitlicher Ausdehnung – faszinierend genug, um ohne Mythen auszukommen.

    Zum Hintergrund: Arbeitsstelle Illuminatenforschung am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

    Die 2018 am Forschungszentrum Gotha eingerichtete Arbeitsstelle Illuminatenforschung widmet sich der historischen Erforschung des Illuminatenordens. Ein zentrales Anliegen ist es, die überlieferten Schriften des Ordens und seiner Mitglieder systematisch zu erschließen und sowohl der Forschung als auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Neben wissenschaftlichen Publikationen und Veranstaltungen steht dabei insbesondere die digitale Vermittlung im Fokus: Mit der Online-Plattform „Gotha Illuminati Research Base“ betreibt die Arbeitsstelle ein international nutzbares Informationsportal, die zugleich virtuelle Forschungsumgebung ist.

    Damit hat sich das Forschungszentrum Gotha in den vergangenen Jahren als ein führender Standort für die Erforschung des Ordens etabliert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Für Interviews zu den Forschungsergebnissen und zur Geschichte des Illuminatenordens stehen Ihnen zur Verfügung:

    - Dr. Markus Meumann, markus.meumann@uni-erfurt.de
    - Prof. Dr. Martin Mulsow, martin.mulsow@uni-erfurt.de
    - Dr. Olaf Simons, olaf.simons@geschichte.uni-halle.de

    Arbeitsstelle Illuminatenforschung,
    Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
    Schloßberg 2, 99867 Gotha


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-erfurt.de/forschungszentrum-gotha/forschung/arbeitsstellen-und-n...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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