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21.04.2026 09:00

Nature-Studie: Klimawandel verändert Europas Pflanzenwelt je nach Ökosystem unterschiedlich

Sarah Batelka Hochschulkommunikation und -marketing
Universität Bremen

    Der Klimawandel verändert Europas Pflanzenwelt je nach Ökosystem unterschiedlich: In Gebirgen gehen selbst wärmeliebende Arten zurück, während in Wäldern und Grasländern vor allem solche Arten zunehmen. Das zeigt eine neue Studie unter Beteiligung der Universität Bremen, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde. Für Europa liefert die Arbeit nach Einschätzung der Forschenden einen bislang einzigartigen Vergleich der Reaktionen unterschiedlicher Ökosysteme auf den Klimawandel.

    Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Forest and Nature Lab der Universität Gent untersuchte, wie sich Pflanzengemeinschaften in verschiedenen Lebensräumen Europas im Zuge der Erderwärmung verändern. Im Fokus stand die sogenannte Thermophilisierung – also die Verschiebung von Artgemeinschaften hin zu wärmeliebenden Arten infolge steigender Temperaturen.

    Umfassende Datengrundlage über Jahrzehnte

    „Grundlage der Analyse ist eine der bislang umfassendsten Datensammlungen zu Vegetationsveränderungen in Europa“, hebt Professor Martin Diekmann von der Universität Bremen hervor, Leiter der Arbeitsgruppe „Vegetationsökologie & Naturschutzbiologie“. Die Forschenden werteten mehr als 6.000 Dauer- und quasi Dauerbeobachtungsflächen in Wäldern, Grasländern und alpinen Gipfelregionen aus. „Auf diesen Flächen wurden Pflanzengemeinschaften über Zeiträume von 12 bis 78 Jahren mit vergleichbaren Methoden wiederholt erfasst. Berücksichtigt wurden ausschließlich Flächen ohne wesentliche Nutzungsänderungen, um klimabedingte Effekte gezielt untersuchen zu können.“ Die Forschenden erfassten jeweils das vollständige Artenspektrum und standardisierten die Abundanzdaten, also die Angaben zur Häufigkeit und Dominanz einzelner Arten, um Vergleiche zwischen den Ökosystemen zu ermöglichen.

    Unterschiedliche Dynamiken in Europas Ökosystemen

    Die Ergebnisse zeigen: Thermophilisierung verläuft je nach Lebensraum unterschiedlich. In Grasländern wird sie vor allem durch die Zunahme wärmeliebender Arten getragen. In Wäldern tragen sowohl der Rückgang kälteangepasster Arten als auch die Zunahme wärmeliebender Arten zur Veränderung bei. In Gebirgsregionen wie den Alpen zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Dort nehmen sowohl kälteangepasste als auch wärmeliebende Arten ab. Diekmann: „Dennoch verschiebt sich die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaften in Richtung wärmeliebender Arten, da die kälteangepassten Arten besonders stark zurückgehen.“

    Klimaschuld: Pflanzen reagieren langsamer als das Klima sich verändert

    Ein zentrales Ergebnis der Studie ist nach Angaben des Forschungsteams zudem das Phänomen der sogenannten Klimaschuld. Darunter verstehen die Autorinnen und Autoren der Studie die zeitliche Verzögerung, mit der sich Pflanzengemeinschaften an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. „Pflanzengemeinschaften passen sich dem sich erwärmenden Klima langsamer an als dieses sich verändert. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Artenzusammensetzung und lokalen Klimabedingungen, was langfristig Risiken für Biodiversität und die Stabilität von Ökosystemen birgt“, erklärt der Biologe. Besonders häufig träten die Klimaschulden in Wäldern und Gebirgsregionen auf.

    Gezielte Anpassungsmaßnahmen erforderlich

    Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Folgen des Klimawandels nicht einheitlich vollziehen, sondern stark von den jeweiligen ökologischen Bedingungen abhängen. Daraus leiten die Forschenden ab, dass Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität und zur Anpassung an den Klimawandel gezielt auf einzelne Lebensräume zugeschnitten werden müssten.
    An der Studie waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Nordamerika und Asien beteiligt. Für Europa liefert die Arbeit nach Einschätzung der Forschenden einen bislang einzigartigen Vergleich der Reaktionen unterschiedlicher Ökosysteme auf den Klimawandel.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Martin Diekmann, Arbeitsgruppe Vegetationsökologie & Naturschutzbiologie, Institut für Ökologie, Universität Bremen, Tel.: +49 421 218-62920, E-Mail: mdiekman@uni-bremen.de


    Originalpublikation:

    Yue, K., Vangansbeke, P., Myers-Smith, I.H. et al. Contrasting thermophilization among forests, grasslands and alpine summits. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09622-7


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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