idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
21.04.2026 09:47

Quantenpunkte für Lichttechnologien der Zukunft

LMU Presse und Kommunikation
Ludwig-Maximilians-Universität München

    LMU-Forschende verbessern Stabilität und Wachstum von Perowskit-Quantenpunkten

    Perowskit-Quantenpunkte gelten als vielversprechende Materialien für LEDs, für die Photokatalyse und für zukünftige Quantenlichtquellen. Forschenden der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist es nun gelungen, zwei wichtige Hürden im Umgang mit diesen Quantenpunkten zu meistern: ihre Stabilität in Lösung sowie die präzise Kontrolle ihres Wachstums. Die Ergebnisse könnten neue Wege für die Verarbeitung und Anwendung der Materialien eröffnen. Darüber berichtet das Team im Journal of the American Chemical Society und in den ACS Energy Letters.

    Quantenpunkte zerfallen in polaren Lösungsmitteln rasch

    Perowskit-Quantenpunkte sind Halbleiter-Kristalle, die nur wenige Nanometer groß sind. Sie bestehen aus Perowskit-Materialien, meist aus einer Kombination von Metallen und Halogeniden. Aufgrund ihrer extrem kleinen Dimension zeigen sie Quanteneffekte, die ihre optischen und elektronischen Eigenschaften stark verändern. Deshalb können sie Licht sehr effizient absorbieren und wieder emittieren.

    Zwar lassen sich Perowskit-Quantenpunkte vergleichsweise einfach in Lösung herstellen. Ihre weichen ionischen Kristallgitter machen sie jedoch empfindlich gegenüber vielen Lösungsmitteln. Besonders problematisch sind polare Lösungsmittel wie Alkohole, in denen Quantenpunkte oft recht schnell zerfallen.

    „Eine Herausforderung war bislang, die Quantenpunkte stabil zu halten, ohne ihre strukturellen und optischen Eigenschaften zu beeinträchtigen“, sagt Dr. Quinten Akkerman vom Nano-Institut München und von der Fakultät für Physik der LMU. Zusammen mit seinem Team hat er eine Strategie entwickelt, um diese Einschränkungen zu umgehen.

    Stabilisierung in Lösung – dank neuer Ligandenchemie

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten sogenannte Gemini-Liganden, die eine stabile Molekülhülle um die Quantenpunkte bilden. Sie binden mit ihren geladenen Gruppen an die Oberfläche der Quantenpunkte, während ihre Struktur gleichzeitig eine polare Außenfläche bildet. Dadurch lassen sich die Quantenpunkte stabil in polaren Lösungsmitteln wie Ethanol dispergieren. Die Ligandenschicht bleibt mit rund 0,7 Nanometern außergewöhnlich dünn, sodass die optischen Eigenschaften der Quantenpunkte erhalten bleiben.

    Die stabilisierten Quantenpunkte zeigen weiterhin hohe Photolumineszenz-Quantenausbeuten und bleiben über lange Zeit in Lösung erhalten. Gleichzeitig können sie nun in sogenannten grünen Lösungsmitteln verarbeitet werden – ein Vorteil für zukünftige Herstellungsprozesse in der Optoelektronik.

    Wachstum der Quantenpunkte mit atomarer Präzision

    In einer zweiten Studie widmete sich das Team der Frage, wie sich Größe und Struktur von Perowskit-Quantenpunkten präzise kontrollieren lassen. Diese Eigenschaften bestimmen, welche Farbe und Intensität die Quantenpunkte emittieren.

    Akkermans Team entwickelte eine Methode, bei der die Bildung neuer Kristallkeime gezielt unterdrückt wird. Stattdessen wachsen bereits vorhandene Quantenpunkte kontrolliert weiter. Möglich wird dies durch die präzise Abstimmung der Reaktionsbedingungen und der eingesetzten Liganden, die die Reaktionskinetik beeinflussen.

    Mit einer mehrstufigen Injektionsstrategie konnten die Forschenden das Wachstum der Quantenpunkte über längere Zeiträume steuern. Dabei gelang eine Kontrolle mit Sub-unit-cell-Genauigkeit – also mit einer Präzision, die kleiner ist als eine einzelne Kristallgitterzelle.

    Die so erzeugten Quantenpunkte weisen eine besonders enge Größenverteilung und stabile optische Eigenschaften auf. Solche kontrollierten Strukturen sind eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz in LEDs oder zukünftigen Quantenlicht-Anwendungen.

    Perspektiven für Optoelektronik und Quantenlicht

    „Zusammen liefern die beiden Studien neue Ansätze, um Herausforderungen bei Perowskit-Quantenpunkten zu lösen“, sagt Akkerman. „Während die neue Ligandenchemie ihre Verarbeitung und Stabilität verbessert, ermöglicht die präzise Kontrolle des Wachstums eine gezielte Einstellung ihrer optischen Eigenschaften.“ Das eröffne neue Möglichkeiten für Anwendungen in der Optoelektronik und in zukünftigen Quantenlichttechnologien.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Quinten Akkerman
    Lehrstuhl für Photonik und Optoelektronik
    Nano-Institut München und Fakultät für Physik
    Ludwig-Maximilians-Universität München
    q.akkerman@lmu.de


    Originalpublikation:

    Gahlot, K., Ederle, D., Stickel, L. S., Döblinger, M., & Akkerman, Q. A. (2026). Unlocking sub-unit cell precision overgrowth in CsPbBr₃ quantum dots. Journal of the American Chemical Society. doi: https://doi.org/10.1021/jacs.5c23332

    He, F., Stickel, L. S., Döblinger, M., & Akkerman, Q. A. (2026). Polar opposites: Ligand-mediated polarity inversion for perovskite quantum dots with sub-nanometer ligand shells. ACS Energy Letters. doi: https://doi/10.1021/acsenergylett.5c04073


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Energie, Physik / Astronomie, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).