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21.04.2026 14:50

50 Jahre Georg-Forster-Station

Roland Koch Kommunikation und Medien
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

    Am 21. April 1976 wurde in der Schirmacher-Oase die spätere Georg-Forster-Station der damaligen DDR eingeweiht. Sie war die erste ganzjährig betriebene deutsche Forschungsstation in der Antarktis und markiert einen Meilenstein in der Geschichte der ostdeutschen und später gesamtdeutschen Polarforschung. Im Juni feiern ehemalige Überwinterer und Gäste das Jubiläum in Potsdam.

    Im Oktober 1975 reisten sechs Überwinterer mit etwa 150 Tonnen Fracht an Bord des eisgängigen Frachters Kapitan Markov der 21. Sowjetischen Antarktisexpedition (SAE) in die Antarktis. Ihre Aufgabe: Der Aufbau einer Forschungsbasis der ostdeutschen Akademie der Wissenschaften in Nachbarschaft der sowjetischen Station Novolazarevskaya (Novo) und Beginn wissenschaftlicher Beobachtungen während der ersten Überwinterung 1976. Nach Erreichen des antarktischen Kontinents entlud das Team die Fracht und transportierte sie mit Unterstützung sowjetischer Kollegen in die Schirmacher-Oase.

    „In nur 74 Tagen, vom 6. Februar bis 20. April 1976, montierten wir die mitgebrachten Schlittenmodule zu einer funktionsfähigen Forschungsanlage“, beschreibt Dr. Hartwig Gernandt den Aufbau. Er leitete die erste Überwinterung und blieb auch später in der deutschen Polarforschung - zuletzt als Leiter der Logistik-Abteilung am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Hartwig Gernandt berichtet weiter: „Der rasche Aufbau war möglich, da die Stationselemente aus auf Schlitten montierten 20-Fuß-Container-Modulen bestanden, die bereits in Deutschland voll ausgebaut und eingerichtet wurden. Dieses Konzept, eine Station aus Modulen, fertig ausgestattet zur Inbetriebnahme, auf Schlitten zum künftigen Standort zu transportieren und die Stationsanlage vor Ort zu montieren, war vor 50 Jahren ein neuer Ansatz, um langwierige Aufbauzeiten bei harschen meteorologischen Bedingungen zu minimieren.“

    Die ersten Module der Forster-Station waren ausgestattet als Generatorstation für die Stromversorgung, Labore und als Wohn- und Schlafräum für die sechs Überwinterer. Später wurden weitere Containermodule als wissenschaftliche Labore integriert, und die Georg-Forster-Station verfügte seit dem Jahr 1987 über eine eigene Funkstation. Die Stationsversorgung erfolgte im Rahmen der logistischen Kooperation mit der etwa 1,5 Kilometer entfernten Station Novo, die auch das sicherheitstechnische Backup für die Forschungsplattform bildete.

    Damit markierte die Georg-Forster-Station den Beginn permanenter, wissenschaftlicher Präsenz deutscher Wissenschaftler; die Bundesrepublik Deutschland eröffnete im März 1981 die Georg-von-Neumayer-Station auf dem Ekström-Schelfeis. Das erste, für drei Jahre konzipierte wissenschaftliche Programm an der Forster-Station war die Beteiligung an der „International Magnetospheric Study“ (IMS). Bis 1978 lag der Schwerpunkt auf Polarlichtbeobachtungen und aufwändigen Messungen der Funkwellenabsorption in der unteren Ionosphäre, um die Wirkungen der durch das Magnetfeld der Erde zu den Polen gelenkten Partikelströme quantitativ besser zu verstehen. Bis 1993 erfolgten Studien zur Geophysik, Geologie, Glaziologie, Hydrologie und Biologie in der Schirmacher-Oase und ihrer Umgebung. Die Station wurde mit weiteren Containern und einer antimagnetischen Hütte für geomagnetische Registrierungen ausgestattet.

    Die größte Bedeutung hatte wohl das Ozon-Messprogramm der Station: Im Jahr 1985 begannen regelmäßige Ballonsondierungen mit elektrochemischen Ozonsonden. „Ein Zufallsbefund im ersten Untersuchungsjahr war die Entdeckung eines sogenannten ‚Ozonlochs‘: Wir konnten bei unseren Ozonsonden-Aufstiegen erstmalig detailliert beschreiben, wie sich das bis dahin unbekannte Ozonminimum in der südpolaren Stratosphäre vertikal ausdehnte,“ berichtet Hartwig Gernandt. Damit begann die längste kontinuierlich Aufzeichnungsreihe vertikaler Ozonprofile, die die Entdeckung des Ozonlochs, dessen weitere Vertiefung in den 1990er Jahren und seitdem die allmähliche Erholung der Ozonschicht nachzeichnet. Die Ozonsondierungen werden bis heute an der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts fortgesetzt.

    Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung entstand die AWI-Forschungsstelle Potsdam, in der Permafrost- und Atmosphärenforschung der DDR eine neue Heimat fanden. Auch die Verantwortung für die Antarktisstation ging ans AWI über, das die Logistik übernahm und den Betrieb bis 1992 fortführte. Eine dauerhafte Nutzung war jedoch nicht vorgesehen. Der wissenschaftliche Betrieb der Georg-Forster-Station wurde in der Saison 1992/93 eingestellt. Bis 1996 wurde die Station im Rahmen des deutsch-russischen Projekts „Cleaning up Schirmacher Oasis“ vollständig abgetragen. Dieses Vorhaben war Teil der Umsetzung des Umweltschutzprotokolls zum Antarktisvertrag und wurde international als vorbildlich gewürdigt. Am ehemaligen Standort erinnert seit 1998 eine Bronzetafel an die Georg-Forster-Station. 2013 wurde der Ort in die Liste der „Historical Sites and Monuments“ des Antarktisvertrages aufgenommen.

    Zum 50. Jubiläum der Stationsgründung hat das Bundesfinanzministerium ein Sonderpostwertzeichen zur Georg-Forster-Station aufgelegt, das seit Anfang April verfügbar ist. Die Briefmarke wird auch auf einer Jubiläumsveranstaltung am 3. Juni in Potsdam gezeigt. Prof. Dr. Bernhard Diekmann, Leiter der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts, organisiert an diesem Tage gemeinsam mit Hartwig Gernandt, Dr. Diedrich Fritzsche und der deutschen Gesellschaft für Polarforschung einen Festakt in der Wissenschaftsetage Potsdam. Den Festvortrag zu Historie und Erbe der Georg-Forster-Station hält Hartwig Gernandt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Hartwig Gernandt
    hartwig.gernandt@awi.de


    Weitere Informationen:

    https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse.html Pressemitteilung


    Bilder

    Das erste Überwinterungsteam der Georg-Forster-Station im Eröffnungsjahr 1976, Blick von Nordwest nach Südost.
    Das erste Überwinterungsteam der Georg-Forster-Station im Eröffnungsjahr 1976, Blick von Nordwest na ...
    Quelle: Hartwig Gernandt
    Copyright: Alfred-Wegener-Institut / Hartwig Gernandt


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Meer / Klima
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


     

    Das erste Überwinterungsteam der Georg-Forster-Station im Eröffnungsjahr 1976, Blick von Nordwest nach Südost.


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