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23.04.2026 11:47

Zahlreiche Hürden behindern das De-Risking von China

Dr. Jutta Gröschl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

    Basierend auf der China-Politik der Europäischen Union verfolgt die Politik der Bundesregierung aktuell den Ansatz "China als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale". In der aktuellen Studie "Abhängigkeit des Mittelstands von Zulieferungen aus China" haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IfM Bonn untersucht, welche Hemmnisse die mittelständischen Unternehmen aktuell davon abhalten, die Abhängigkeiten zu ihren chinesischen Geschäftspartnern zu reduzieren. Zugleich zeigen sie auf, wie die Politik auf europäischer und nationaler Ebene den Mittelstand bei seinen Bemühungen unterstützen kann, seine Zulieferungen zu diversifizieren.

    Obwohl die chinesische Regierung den Zugang zu Rohstoffen und Vorprodukten in jüngster Vergangenheit immer wieder als politisches Druckmittel eingesetzt hat, setzen viele Unternehmen weiterhin auf Zulieferungen aus China. So ist der Wert der aus China importierten Waren nach zeitweisem Rückgang 2025 wieder deutlich gestiegen. Die Gründe für dieses Verhalten sind insbesondere im Mittelstand vielschichtig: So schätzen die Unternehmen zwar die aktuellen geopolitischen Risiken im Handel mit China als hoch ein. Zugleich merken sie aber auch die wirtschaftlichen Risiken, die mit einem Abbruch langjährig bewährter Geschäftsbeziehungen und dem Aufbau neuer Partnerschaften verbunden wären, als erheblich an. "Und selbst wenn die Unternehmerinnen und Unternehmer zum Schluss kommen, dass ein Abbau der Abhängigkeit – auch De-Risking genannt – für ihr Unternehmen sinnvoll wäre, gibt es eine Reihe an praktischen Hemmnissen. Dazu zählen neben fehlenden Alternativen vor allem die Kostennachteile, die mit einer Abkehr von China verbunden wären. Viele Kunden sind zwar grundsätzlich an einem De-Risking interessiert. Sie sind aber nicht immer bereit oder in der Lage, dafür auch höhere Preise zu zahlen. Hinzu kommt, dass regulatorische Hemmnisse ein De-Risking behindern", berichtet Dr. Markus Rieger-Fels. Gemeinsam mit seinem Team hat er Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Vertreterinnen und Vertreter von Wirtschaftsverbänden interviewt, für die chinesische Zulieferungen wichtig sind. Zudem befragten sie Experten der Außenwirtschaftsagentur German Trade and Invest und der Deutschen Rohstoffagentur.

    In den Gesprächen zeigte sich, dass Direktimporteure durchaus alternative Bezugsquellen bzw. Importländer im Hinblick auf die damit verbundenen Chancen und Risiken prüfen. Aufgrund günstiger Preise, guter Qualität und der meist langlebigen, vertrauensvollen Geschäftsbeziehung zu ihren bisherigen Zulieferern entscheiden sich viele mittelständische Unternehmen jedoch häufig weiter für chinesische Rohstoffe und Vorprodukte. Stehen mittelständische Unternehmen hingegen eher am Ende einer (komplexen) Wertschöpfungskette und haben sie keinen direkten Kontakt zu chinesischen Zulieferern, kann das Bewusstsein für Abhängigkeiten schwinden.

    "Die Politik sollte bei ihren Bemühungen um Abhängigkeitsreduktion die wirtschaftlichen Erwägungen der mittelständischen Unternehmen berücksichtigen und nicht mittels Vorgaben eine Diversifizierung erzwingen, wie es aktuell in der EU zumindest für Großunternehmen diskutiert wird. Ein solches Vorgehen beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, ist mit neuer Bürokratie verbunden und beschränkt unternehmerische Spielräume, innovative Wege zur Abhängigkeitsreduktion zu finden", erläutert der IfM-Wissenschaftler. Stattdessen sollten Handelsschranken zu Drittstaaten reduziert, Rohstoffpartnerschaften forciert, Recyclingmöglichkeiten verbessert und regulatorische Hürden reduziert werden. Auf diese Weise könnten Unternehmen den für sie sinnvollsten Weg finden, ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren.

    "Zudem muss auf europäischer wie nationaler Ebene das Bewusstsein dafür wachsen, dass es häufig zu Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Politikfeldern kommt, die es entsprechend mitzudenken gilt. So verfolgen viele regulatorische Vorgaben im Umwelt-, Sozial- oder Gesundheitsbereich wichtige gesellschaftliche Ziele. Jedoch können höhere Umweltstandards, strengere Sicherheitsauflagen, Berichtspflichten über die Lieferkette oder Neugenehmigungspflichten für angepasste Produkte erhebliche Hürden für Unternehmen darstellen, die ihre Abhängigkeit von China reduzieren möchten", so Dr. Markus Rieger-Fels.
    Die Studie "Abhängigkeit des Mittelstands von Zulieferungen aus China" ist ebenso wie die die statistischen Daten zu der wirtschaftlichen Abhängigkeit der mittelständischen Unternehmen auf der Homepage des Instituts für Mittelstandsforschung (www.ifm-bonn.org) abrufbar.


    Weitere Informationen:

    https://www.ifm-bonn.org/fileadmin/data/redaktion/publikationen/ifm_materialien/...


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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