Digitales Portal zur Reichskanzlei liegt in erweiterter Fassung mit mehr als 6.000 Dokumenten vor
Berlin, 23. April 2026. Die „Akten der Reichskanzlei“ sind in einer weiterentwickelten Online-Edition erschienen: https://aktenreichskanzlei.bundesarchiv.de. Damit kann nun in Dokumenten der Regierungen der Weimarer Republik und der ersten Jahre der NS-Zeit, insgesamt von 1919 bis 1939, recherchiert werden: Neu im Portal ist die Zeit der Regierung unter Adolf Hitler für die Jahre 1933 bis 1939. Der Web-Auftritt umfasst jetzt mehr als 6.000 wissenschaftlich kommentierte Dokumente zur ersten deutschen Demokratie und zum NS-Staat.
„Gerade in unserer heutigen Zeit ist es wichtig, sich mit den Mechanismen der Macht der menschenverachtenden Nazi-Diktatur auseinanderzusetzen. Wenn Autokratien in der Welt auf dem Vormarsch sind und frühere Diktaturen verharmlost oder gar schöngeredet werden, ist es spätestens an der Zeit sich anzuschauen, was wirklich geschehen ist. Mit der erweiterten Online-Edition zur Reichskanzlei schaffen wir diese Möglichkeit. Gleichzeitig verbessern wir dadurch die Sichtbarkeit der ebenfalls online verfügbaren digitalisierten Akten der Reichskanzlei“, sagte Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann.
„Die digitale Edition der Akten der Reichskanzlei aus den Jahren 1919 bis 1939, für die die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften herzlich gern die technische Infrastruktur bereitstellt, dokumentiert Gewinn und Verlust einer parlamentarischen Demokratie. Im Jahre 1932 wurde aus der Reichskanzlei heraus die demokratisch gewählte preußische Landesregierung im sogenannten Preußenschlag zugunsten einer autoritären Struktur beseitigt. Die damaligen Ereignisse sind wieder beklemmend aktuell; ihre Kenntnis erlaubt, besser vorbereitet zu sein auf den heute notwendigen Einsatz für den demokratischen Verfassungsstaat der Bundesrepublik. Schon deswegen handelt es sich um ein außerordentlich wichtiges Programm, an dem sich die vormals Preußische Akademie gern beteiligt“, sagte der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Christoph Markschies.
„Die Edition schlägt Schneisen durch die Aktenmassen der Ministerialbürokratie. Sie erschließt eine Fülle von Themen und Bezügen und ist daher unter vielen Blickwinkeln nutzbar. Dabei tritt die bürokratische Dimension der ,Führerherrschaft‘ erschreckend deutlich hervor“, sagte Hans Günter Hockerts von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
In der Online-Edition kann thematisch oder chronologisch nach Dokumenten gesucht werden. Ebenso ist eine Recherche über das Register oder die Suchfunktion möglich. Angereichert ist die digitale Edition mit externen Verlinkungen unter anderem auf das Reichsgesetzblatt oder auf das Portal „Deutsche Biographie“. Die Edition ermöglicht neue methodische Zugriffe, etwa zu Parteidienststellen und staatlichen Behörden in der NS-Diktatur, ihrer Konkurrenz und Verflechtung.
Die neu hinzugekommenen Quellen zur Regierung Hitler zeigen den Staatsapparat als Instrument der nationalsozialistischen Herrschaft. Ihr wissenschaftlicher Kommentar, die Register und die vielfältigen externen Verweise machen die digitale Edition in ihrer thematischen Vielfalt zu einem wichtigen Instrument der internationalen NS-Forschung. Im Jahr 1938 stehen zum Beispiel zahlreiche Regelungen im Zusammenhang mit dem „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ ebenso im Zentrum der Edition wie die verschärfte Verfolgung der Juden nach dem Novemberpogrom, etwa mit der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“. Auch „non-decisions“, also Initiativen, die keine Realisierung erfuhren, werden greifbar, so beispielsweise die Bemühungen des NS-Staates, Staatsleistungen gegenüber den Kirchen 1939 zu beschneiden, was jedoch dann unterblieb. Durch eine besondere Quellenart, die sogenannten mündlichen „Führervorträge“ des Chefs der Reichskanzlei bei Hitler, bietet die Edition zusätzlich Aufschluss über die 3.800 Themen, die ihm bei 470 Terminen vorgetragen wurden.
Die Online-Präsentation entstand in Zusammenarbeit der beiden herausgebenden Institutionen, der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (HiKo) und dem Bundesarchiv. Die zugrundeliegende Datenmodellierung und technische Infrastruktur ist Teil einer Kooperation zwischen Bundesarchiv und Berlin-Brandenburgischer Akademie der Wissenschaften (BBAW). Das Frontend erstellte die Conet Deutschland GmbH.
Hinweis für Redaktionen:
Die Online-Edition ist erreichbar unter: https://aktenreichskanzlei.bundesarchiv.de
Mehr zu den Akten der Reichskanzlei: https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/geschichtsgalerien...
Pressekontakt:
Dr. Ann-Christin Bolay
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Präsidialbüro, Leiterin Kommunikation
Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
Tel. 030/20370-657
E-Mail: bolay@bbaw.de
https://www.bbaw.de
https://aktenreichskanzlei.bundesarchiv.de - Online-Edition
https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/geschichtsgalerien... - Akten der Reichskanzlei
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
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Deutsch

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