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28.04.2026 10:00

Die Literatur Frankreichs und Italiens im Blick

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Vielfältig sind die Themen, mit denen sich Professor Karl Philipp Ellerbrock befasst. Er ist der neue Inhaber des Lehrstuhls für Französische und Italienische Literaturwissenschaft an der Universität Würzburg.

    Professor Karl Philipp Ellerbrock ist seit 1. Oktober 2025 Inhaber des Lehrstuhls für Französische und Italienische Literaturwissenschaft an der Universität Würzburg. Davor hat der 43-jährige Wissenschaftler eine Professur für Romanische Literaturen an der Universität Konstanz vertreten.

    Im Bereich der italienischen Literatur liegt sein Arbeitsschwerpunkt auf dem 13. und 14. Jahrhundert. Dante Alighieri (1265-1321) spielte in dieser Zeit eine herausragende Rolle: Der Dichter gilt vielen als Begründer der italienischen Sprache. Denn sein Meisterwerk, die Göttliche Komödie, schrieb er nicht, wie damals üblich, auf Latein, sondern in der alltäglichen Sprache seiner Heimatstadt, dem Florentinischen.

    Damit beeinflusste Dante maßgeblich die Entwicklung der italienischen Schriftsprache. In seinem Hauptwerk beschreibt er detailliert die mittelalterlichen Vorstellungen über das christliche Jenseits – Hölle, Fegefeuer und Paradies. Das zog viele Künstler in den Bann und inspirierte andere Schriftsteller dazu, ebenfalls in der Volkssprache zu schreiben.

    Dantes Poetik des Ungesagten

    Bis heute gehört die Göttliche Komödie zu den prägendsten Werken der Literatur. Karl Philipp Ellerbrock hat sich in seiner Habilitationsschrift damit auseinandergesetzt: „Angesichts der großen Fülle des Wissens, das in der Commedia zum Tragen kommt, hat mich die Frage interessiert, welche Dinge Dante in seinem Epos nicht sagt.“ Das Werk sei von einer „Poetik des Ungesagten“ durchzogen. Durch kunstvolle Aussparungen entfalte die Commedia eine Attraktivität, die im Mittelalter nicht der volkssprachlichen Literatur, sondern der Bibel vorbehalten war.

    Ellerbrock setzt sich für die Vermittlung von Dantes Werken an die Öffentlichkeit ein. Er ist seit 2021 Vorsitzender der 1865 gegründeten Deutschen Dante-Gesellschaft mit Sitz in Weimar. Deren Ziel ist es, die Beschäftigung mit Dante und seiner Epoche zu fördern. Dazu veranstaltet die Gesellschaft Tagungen, Lesungen und Summer Schools.

    Florenz als Stadt der Dichter

    Gerade eben, im April 2026, ist Ellerbrocks neues Buch „Florenz – Stadt der Dichter“ erschienen. Es ist das Ergebnis langjähriger Forschung, von Vorlesungen und Seminaren an den Universitäten Jena, Klagenfurt und Konstanz sowie von Exkursionen mit Studierenden nach Italien.

    Die Monographie vermittelt Einblicke in die mittelalterliche volkssprachliche Dichtung, die von der Stadt handelt. Anhand von zehn ausgewählten Sehenswürdigkeiten, die man noch heute in Florenz besichtigen kann, zeigen die Kapitel, wie bekannte und weniger bekannte Florentiner Literaten des 14. Jahrhunderts auf ihre Stadt blickten. Das ermöglicht den Leserinnen und Lesern, nicht nur etwa den Ponte Vecchio und das Baptisterium, sondern die ganze Stadt mit neuen Augen zu sehen.

    Eine Buchpräsentation findet am 6. Mai 2026 um 19 Uhr in der Akademischen Buchhandlung Knodt in Würzburg statt.

    Literaturgeschichte anders erzählen

    Im Bereich der französischen Literatur ist es Ellerbrocks Anliegen, den Studierenden Einblicke in unterschiedliche Epochen zu eröffnen, vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Eine Frage, die ihn umtreibt: Wie lässt sich Literaturgeschichte spannend erzählen? Gemeinsam mit seiner Konstanzer Kollegin Professorin Anne Kraume ist eine Tagung geplant, die vom 14.-16. Januar 2027 in Würzburg stattfinden wird. „Wir haben Expertinnen und Expertinnen eingeladen, um auf der Grundlage kurzer Textpassagen die Epochen Mittelalter, Renaissance und Klassik neu zu erkunden“.

    Ein Beispiel: Das Werk von Marie de France, der ersten bekannten Dichterin Frankreichs, die im zwölften Jahrhundert lebte. In einer ihrer Verserzählungen, die um das Thema der höfischen Liebe kreisen, ist ein Paar über Jahre getrennt, ein Schwan trägt ihre Botschaften hin und her. Nicht weniger als die abwesende Person fasziniert die Botschaft selbst, auf die man sehnlichst wartet, die man wieder und wieder liest. „Darin“, so Ellerbrock, „steckt zugleich ein Lob auf die Medialität von Literatur, die eine Instanz der Vermittlung und darin der Schaffung von Perspektiven ist“.

    Claude Denis: Brunnenbauer und Dichter

    Aktuell plant Karl Philipp Ellerbrock ein Forschungsprojekt über Claude Denis, der als Ingenieur für Brunnenbau am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. tätig war. Denis war für die Konstruktion der Wasserspiele im Garten von Versailles zuständig.

    Die hydraulischen Kunstwerke beschrieb er in einem längeren Gedicht, das in Handschriften überliefert ist und erst später veröffentlicht wurde. „Die Verse zum Schlossgarten sind nicht nur eine wertvolle Quelle für die Geschichte der Fontänen, sie bewegen sich darüber hinaus an einer Schnittstelle zwischen Technologie und Literatur und geben Auskunft über den Stellenwert von Dichtung im Verhältnis zu anderen Wissensfeldern“, so Ellerbrock.

    Diesem Thema wird der Professor seine Antrittsvorlesung widmen, die am 5. Juni 2026 um 18 Uhr im Hörsaalgebäude Z6 stattfindet.

    Werdegang des neu berufenen Professors

    Karl Philipp Ellerbrock, Jahrgang 1982, ist in Dortmund aufgewachsen. Er studierte Französisch, Englisch und Italienisch an der Universität Münster, wo er 2013 in Romanischer Philologie promoviert wurde. Die Habilitation in Romanischer, Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft an der Universität Jena folgte 2019.

    Im Lauf seines Werdegangs führten ihn Gastaufenthalte an die Universität Pisa, die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, die Columbia University in New York und an die Stanford University.

    Ab 2020 vertrat Ellerbrock die Professur für Romanische Literaturen mit Schwerpunkt italienische Literatur an der Universität Konstanz. Von dort folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Französische und Italienische Literaturwissenschaft der Universität Würzburg.

    Bachelor „Deutsch-französische Studien“

    Als Lehrstuhlinhaber ist er nun auch für den Bachelor-Studiengang „Deutsch-französische Studien – Sprache, Kultur, digitale Kompetenz“ verantwortlich. In diesem binationalen Studienangebot verbringen die Studierenden ihre Studienzeit abwechselnd in Würzburg und in Caen (Normandie). Am Ende erhalten sie von beiden Universitäten einen Abschluss.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Karl Philipp Ellerbrock, Lehrstuhl für Französische und Italienische Literaturwissenschaft der Universität Würzburg, T +49 931 31-80856, karl.ellerbrock@uni-wuerzburg.de


    Bilder

    Prof. Dr. Karl Philipp Ellerbrock
    Prof. Dr. Karl Philipp Ellerbrock
    Quelle: Robert Emmerich
    Copyright: Universität Würzburg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Sprache / Literatur
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

    Prof. Dr. Karl Philipp Ellerbrock


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